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Bagger bedrohen das Idyll von Pillnitz

Am Stadtrand von Dresden, in der Nähe des Schlosses Pillnitz, soll Kies abgebaut werden. Der Betreiber will so schnell wie möglich loslegen. 

Zimmerlings Aussicht auf die heile Welt des Elbtals bei Pilnitz gehört bald zur Geschichte.
Zimmerlings Aussicht auf die heile Welt des Elbtals bei Pilnitz gehört bald zur Geschichte. © René Meinig

Zwei Sommer noch, dann könnte es mit dem wunderbaren Blick auf die  Auen, den Fluss und die große Pillnitzer Apfelsortensammlung vorbei sein.  Stattdessen sollen sich  Bagger bis zu 15 Meter in die Tiefe graben. Die Kieswerke Borsberg GmbH & Co. KG, die zur Unternehmensgruppe Valet und Ott  in Freiberg am Neckar und zur Firma Holcim Deutschland mit Sitz in Hamburg  gehören, wollen rund um Söbrigen Kies und Sand abbauen. Der Plan ist, auf einem knapp 32 Hektar großen Gebiet abzubauen und außerdem ein neues Kieswerk zu errichten, das inklusive Lagerflächen und Straßen, Absetzbecken und Randbegrünung noch einmal rund sieben Hektar einnehmen wird.

Am Mittwochabend stellte Geschäftsführer Lutz Hammer in einer Bürgerinformation  auch den vorgesehenen Zeitplan vor. Wird der Rahmenbetriebsplan vom Oberbergamt genehmigt,  womit Hammer noch  dieses Jahr rechnet, rollen die Bagger 2022 an. Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr und sonnabends von 6 bis 13 werden Kiese und Sande gefördert und mit großen Lkw über die Graupaer Straße abtransportiert. Diese ist übrigens Teil der Sächsischen Weinstraße. 

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Ab 2023 läuft der Regelbetrieb, in dem 550 000 Tonnen pro Jahr gefördert werden sollen. 15 Jahre wird es dauern, bis das große Feld ausgebaggert ist. Begonnen werden soll am südöstlichen Rand, am Ende reicht es dann bis fast ans Schloss Pillnitz heran. Außerdem wird ein Kieswerk gebaut, in dem das Material unter anderem gebrochen wird. Lärm und Staub sind dann wohl an der Tagesordnung, wie im Werk man in Pirna-Copitz heute schon sehen kann.

Das Kieswerk in Pirna-Pratzschwitz. 
Das Kieswerk in Pirna-Pratzschwitz.  © Norbert Millauer

Ines Michalek vom beauftragten Ingenieurbüro Galinsky und Partner sagte, dass noch mehrere Untersuchungen an das Oberbergamt nachgereicht werden müssen, weil es gesetzliche Änderungen gab. Unter anderem Analysen zum Tier- und Pflanzenbestand. Immerhin liegt das Abbaugebiet in mehreren geschützten FFH-Gebieten. Dennoch scheint das Bergrecht über allem zu stehen, hatten die anwesenden Anwohner den Eindruck, darunter viele von der Söbrigener Bürgerinitiative.

Sie kritisierten unter anderem, dass die Kieswerke Borsberg nach vielen Jahren immer noch nicht ihrer Verpflichtung nachgekommen sind, das alte Werk in Birkwitz-Pratzschwitz abzureißen. Die "Rostlaube" verschandele die Landschaft. Man habe wenig Vertrauen in die Versprechen des Unternehmens. Größter Kritikpunkt aber war, dass die Schönheit und der Wert der Kulturlandschaft offenbar überhaupt keine Rolle bei der Genehmigung spiele. "Was hinterlassen wir denn unseren Kindern und Enkeln?", fragte eine Besucherin. "Eine ausgekohlte Landschaft." 

Ob die Stadt Dresden gegen den Kiesabbau klagt, steht noch nicht fest. Bis heute seien  keine überarbeiteten Antragsunterlagen im laufenden Bergrechtsverfahren vorgelegt worden, sagt ein Sprecher. Deshalb wisse man  nicht, ob die von der Stadt vorgebrachten Bedenken berücksichtigt werden.

Nach den Plänen der Kieswerke Borsberg entsteht auf der Fläche nach dem Abbau ein Gewässer mit 15 Meter Tiefe, das an den Rändern begrünt werden soll. Auch eine Flachwasserzone ist vorgesehen sowie mehrere Aufforstungen und Obstbaumpflanzungen in der Umgebung. Dass damit auch der Wasserhaushalt durcheinandergebracht werde, bestritt Planerin Michalek. Lediglich einige Zentimeter senke sich der Grundwasserstand, was zu Gelächter im Saal führte. 

© SZ-Grafik

Die Argumente der Betreiber, dass die Hälfte des Sandes für das Dresdner Transportbeton von den Kieswerken Borsberg geliefert würden,  erkannten viele Anwesende an.  Es sei gut, dass  keine langen Transportwege entstehen. Auch wolle niemand dem Unternehmen absprechen, Gewinn machen zu wollen. Nur sei diese Dresdner Gegend eben etwas sehr Besonderes und nicht nur die Söbrigener würden mit dem Abbau etwas sehr Wertvolles verlieren. Dies müsse zwingend in die Abwägung einfließen. 

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Wenn der Rahmenbetriebsplan genehmigt sei, müsse er einen Monat lang ausgelegt werden. Doch davon erfahren die Bürger meist nichts. Sylvia Günther, die Stadtbezirksamtsleiterin von Loschwitz, bat Lutz Hammer ein Exemplar zur Verfügung zu stellen, damit die Anwohner Einsicht nehmen können.  Er sagte zu. Dass die Kieswerke  in den Startlöchern stehe, daran konnte am Mittwoch kein Zweifel aufkommen, auch wenn das für viele Dresdner unvorstellbar ist. Man dürfe die Bürger nicht unterschätzen, sagte ein Gast des Abends. Im Hambacher Forst habe man gesehen, was machbar ist.

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