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Schloss Schleinitz öffnet sich

Seit Monaten stand das Hochzeitsschloss leer. Die neuen Pächter wollen mit dem alten Adelssitz einiges anders machen.

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© hübschmann

Von Christoph Scharf

Zufrieden sitzen die beiden vor dem Schloss Schleinitz: Silke Langer und Peter Heilsberg. Die neuen Pächter wollen hier aber nicht einziehen – sie haben ja schon ein außergewöhnliches Zuhause, den Appenhof in Rothschönberg. „Schleinitz soll unser zweites Standbein werden. So was haben wir immer schon gesucht“, sagt Peter Heilsberg. Das Paar will das seit Monaten leerstehende Schloss zwischen Lommatzsch und Döbeln zu einem Seminarzentrum machen.

Platz für Seminare bieten die beiden zwar schon im Appenhof. Aber die Nachfrage macht Mut, ein zweites Objekt bewirtschaften zu können. „Besser als Interessenten absagen zu müssen ist es, ihnen eine Alternative anzubieten“, sagt der 45-Jährige, der in Radebeul als Sozialarbeiter arbeitet. Auch seine Partnerin hat noch eine andere Tätigkeit – sie praktiziert als Chirurgin in der Notaufnahme eines Leipziger Krankenhauses. Als sie in der Zeitung las, dass Schleinitz einen neuen Pächter sucht, konnte sie trotzdem nicht Nein sagen. „Ich habe hier vor einigen Jahren die Hochzeit einer Freundin mit gefeiert und war schon damals vom Ambiente begeistert.“

Keine Asylbewerber

Und auch künftig sollen die historischen Gewölbe, die denkmalgeschützten Säle und das beeindruckende Gelände rundrum nicht nur Raum für nüchterne Seminare bieten. „Heiraten kann man bei uns natürlich nach wie vor“, sagt Peter Heilsberg. Die Vorgängerin hatte Schloss Schleinitz als Hochzeitsschloss vermarktet – allerdings mit einem durchwachsenen Ruf, den die neuen Pächter schnell hinter sich lassen wollen. Für die Stadt Nossen, der das Ensemble seit der Eingemeindung von Leuben-Schleinitz gehört, war das Paar aus Rothschönberg jedenfalls die erste Wahl – auch wenn es noch andere Bewerber gab. Das Konzept überzeugte die Stadträte, die lediglich noch eine wesentliche Änderung im Pachtvertrag verankern ließen: Damit ist künftig die Nutzung des Schlosses als Unterkunft für Asylbewerber explizit ausgeschlossen. Solche Befürchtungen gab es schon länger im Dorf – nachdem im benachbarten Perba die Einquartierung von Asylbewerbern bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte. „Aber solche Pläne hatten wir ohnehin nicht“, sagt Peter Heilsberg. Die insgesamt 60 in Schloss und benachbarter Herberge zur Verfügung stehenden Betten wolle man lieber für Familientreffen nutzen. „Auch da gibt es Nachfragen.“ Und wer wolle, könne für kleinere Feierlichkeiten auch nur die Pension ohne das Schloss nutzen. Genauso wie im Schloss auch parallel zwei kleinere Tagungen stattfinden könnten, ohne dass sich die Teilnehmer dabei zu Gesicht bekommen.

Eines soll sich aber grundlegend ändern – und zwar zum Positiven: die Zusammenarbeit mit den Nachbarn. Gleich gegenüber betreibt der Förderverein Schloss Schleinitz ein Museum über das Leben auf dem Land und richtet zudem regelmäßig Feierlichkeiten wie das Kinderfest oder den Handwerkertag aus. „Wir sind in Gesprächen, wie wir uns dabei zum gegenseitigen Nutzen einbringen können“, sagt Peter Heilsberg. Schon beim anstehenden Kinderfest am 14. Juni wolle man sich mit einem Tag der offenen Tür beteiligen.

Ohnehin wird künftig die Öffentlichkeit mehr Möglichkeiten bekommen, sich im Schloss umzusehen. So ist für die Sommermonate ein Café-Betrieb an den Wochenenden geplant. „Auch wenn man damit nicht viel Geld verdient, wäre es doch für den Tourismus hier wichtig“, sagt der neue Pächter. Ebenfalls öffentlich sollen Weihnachtsfeiern werden, die einerseits für Anfang Dezember, andererseits für Mitte Januar – als Nachfeier – geplant sind. „Dort wollen wir kabarettistisch die Erfindung des Porzellans nachstellen“, sagt Silke Langer. Dazu kommen Musik, Tanz und das Angebot eines Pendelbusses. Die neuen Pächter haben große Pläne.

Kontakt: 035245 70723, bei Facebook als „Event-Schloss-Schleinitz“ zu finden.