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Schloss wieder unter der Haube

Mit einem Kran wurde gestern die acht Meter hohe Spitze auf den Turm des historischen Wasserschlosses bugsiert.

Von Dieter Hanke

Ein großer Tag für Oberau: Das Wasserschloss aus dem 13. Jahrhundert hat seine Turmspitze wieder. „Dass ich das noch erleben konnte. Ich freue mich riesig“, sagt Lina Kieschnick, mit 98 Jahren die älteste Einwohnerin von Oberau. Eingehüllt in eine Decke verfolgt sie gestern Vormittag auf einer Bank das Geschehen. Mit ihr sind noch viele Schaulustige bei diesem Ereignis dabei. Genau 11.21 Uhr schwebt die vier Tonnen schwere und acht Meter hohe Haube auf das Betonfundament des Turmrumpfes. Kranführer Rainer Schreckenbach bugsiert gekonnt das Wahrzeichen des Schlosses an Bäumen vorbei bis in 20 Meter Höhe. Der 58-Jährige von der Firma Krandienst Kunze aus Radeberg kennt sich mit solcher Maßarbeit aus. „In Sachsen haben wir schon viele Bau- und Brückenteile eingehoben“, sagt er. Sein gewaltiger Kran, der einen 60 Meter langen Ausleger hat und über 100 Tonnen schwer ist, bildet einen interessanten Kontrast zum Schloss.

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Bevor die Turmspitze nach oben gehievt wird, haben die Männer von der Zimmerei Schlimpert aus Meißen den Transport vorbereitet. Sie bringen vier Ketten des Krangehänges in extra geschnittene Öffnungen an der Schalung der Turmhaube ein. „Am Boden werden sie dann verankert“, sagt Zimmerer Stephan Riegel.

Fünf Minuten dauert dann das luftige Spektakel. Niederaus Bürgermeister Steffen Sang (Unabhängige Wählervereinigung) ist froh. „Oberau hat seine historische Silhouette wieder. Die Turmspitze gehört einfach zum Schloss“, sagt er und dankt allen Bauleuten aus der Region für ihr Engagement. Wenn das Wetter mitspielt, soll noch bis Ende des Jahres die Turmhaube mit Altdeutschen Schiefern gedeckt werden. Zurzeit ist noch Dachpappe drauf. „Falls die Witterung diese Arbeiten nicht zulässt, wird das Ganze im nächsten Frühjahr erledigt“, sagt er. Dann wird auch auf die Haube die neue vergoldete Wetterfahne mit Kugel aufgesetzt. Zurzeit ist die drei Meter hohe Konstruktion, die bereits 2012 vom Niederauer Turmuhrbauer Klaus Ferner angefertigt wurde, eingelagert.

Bürgermeister Sang will das Aufsetzen der Turmhaube als ein Symbol verstanden wissen, dass es mit den Arbeiten an Schloss und Park weitergeht. „Natürlich im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten“, sagt er. Am Schloss, das die Gemeinde 2011 vom früheren Besitzer, dem Arbeitskreis Denkmalpflege aus Weimar, zurückerworben hatte, betreffe das weitere Sicherungsarbeiten. Allein 65 000 Euro haben die Arbeiten für das Projekt „Turm und Haube“ gekostet. Die Statik des Turms musste stabilisiert werden, ehe die Haube aufgesetzt werden konnte. Bauleiter Lutz Fölck: „Wir haben am Turm zwei Ringanker eingezogen. Risse werden noch vernadelt.“

In diesem Jahr wurden im Schlosspark neue Wege angelegt. 2014 soll dort der Dorfbach renaturiert werden. Wenn alles klappt, könnte 2015 Baubeginn an den zwei alten Langscheunen sein. Sang: „Es gibt ein Konzept für Reihenhäuser.“

Die Zukunft des Schlosses ist aber noch offen. „Wir sind noch beim Ausarbeiten eines Konzepts“, sagt Sang. Hotel, Gaststätte, Wohnungen, Kulturtreff, auch ein Teilverkauf des Areals seien Varianten – es stehe aber noch nichts Konkretes fest.

Der Förderverein will aus dem nördlichen Teil des Schlossteiches Erde herausholen, um später wieder Wasser einzulassen. „Auch werden wir einmal im Quartal zu einer öffentlichen Schlossführung einladen“, sagt Vorsitzende Ute Schreiber.

Auch Lutz Wehrschmidt war gestern dabei. Er organisierte vor Jahren die Bauarbeiten im Areal. „2006 haben wir die alte Turmspitze abgenommen. Wir wollten sie eigentlich restaurieren. Aber ihr Zustand war zu schlecht. Es blieb nur eine Neuanfertigung“, sagt er. Zunftgenossen vom Verein „Axt und Kelle“ bauten eine neue Haube, die aber noch sieben Jahre am Boden verblieb, bis sie gestern auf den Turm kam.