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Niesky

Naturschützer haben große Pläne für altes Stasi-Schloss 

Ein Landschulheim für die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft soll hier bei Niesky entstehen. Doch zuvor sammeln die Initiatoren Geld für die Ideen.

Planerin Kati Wuttke und Annett Hertweck als Leiterin der Naturschutzstation vor dem Naturschutzzentrum Schloss Niederspree bei Quolsdorf. Es soll wieder als Schulungszentrum für den Naturschutz dienen.
Planerin Kati Wuttke und Annett Hertweck als Leiterin der Naturschutzstation vor dem Naturschutzzentrum Schloss Niederspree bei Quolsdorf. Es soll wieder als Schulungszentrum für den Naturschutz dienen. © André Schulze

Das Schloss in Niederspree wird wieder zu dem, was es viele Jahrzehnte in jüngster Vergangenheit war: ein Zentrum für den Naturschutz. 

Der Förderverein für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ist dabei, das Schloss zu kaufen und der neue Schlossherr zu werden. Und das in einem besonderen Jahr. Vor 100 Jahren wurde das Schloss fertiggebaut und eingeweiht. 100 Jahre später zieht nun neues Leben ein. „Wir als Naturschutzstation haben uns entschlossen, dieses Gebäude wieder für den Naturschutz zu nutzen“, begründete Annett Hertweck als Leiterin der Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“ den Entschluss, das Objekt zu erwerben.  

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Konkrete Vorstellungen gibt es bereits, die Annett Hertweck und Kati Wuttke vom Architekturbüro Weise in Görlitz schon zu Papier gebracht haben. Das Schlosskonzept stand nach vier Wochen, nachdem der Förderverein im Oktober erfahren hatte, dass das Schloss wieder verkauft werden soll. „Wir wollen das Schloss wie ein Landschulheim führen. Nach unserem Konzept können hier bis zu zwei Schulklassen übernachten, sich verpflegen und Veranstaltungen durchführen. Wobei das Hauptaugenmerk unserer Tätigkeit der Naturschutz sein wird. Schon im kommenden Jahr wollen wir die ersten Veranstaltungen hier durchführen“, erläutert Annett Hertweck. Die Naturschutzstation und der Sitz der Verwaltung sollen aber wie bisher in Förstgen bleiben.

Doch bevor es soweit ist, muss einiges an dem Schloss getan werden. Das zeigte ein Rundgang durch die Räume in dieser Woche. Der Förderverein übernimmt nicht nur das Schloss als Gebäude mit seinem Inventar, sondern auch das nebenstehende ehemalige Gärtnerhaus. Wo einst der Gärtner wohnte, soll eine Wohnung für die Leute geschaffen werden, die in dem Schulungszentrum tätig werden. "Uns ist schon wichtig, dass hier jemand da ist. Nicht nur, um die Schulklassen und Gäste in Empfang zu nehmen, sondern auch für die Sicherheit in dem Objekt", betont  die Leiterin der Naturschutzstation.   

Räume bieten gute Voraussetzungen

Das Innere des Schlosses gleicht jetzt mehr einem DDR-Museum als einer Schulungsstätte nach heutigen Ansprüchen. Von der modernen Heizungsanlage mal abgesehen. Kati Wuttke schätzt die Voraussetzungen als gut ein, um das Schloss in seine neue Funktion überführen zu können. Neben einer eigenen großen Küche stehen zahlreiche Sanitärräume und sogar eine Sauna in dem Haus zur Nutzung bereit. Nur muss das alles an die heutigen Bedingungen und Vorschriften angepasst werden, insbesondere was den Brandschutz betrifft.

Das Schloss selbst hat eine wechselvolle 100-jährige Geschichte. Bis 1945 in Privatbesitz, wurde es nach dem Krieg enteignet. Die ersten fünf Jahre diente das Schloss als Frauengefängnis. Danach, und bis 1957 war hier eine Forstschule untergebracht. Anschließend diente es bis 1974 als Pilotenunterkunft für den Armeeflugplatz in Rothenburg sowie bis 1989 dem Ministerium für Staatssicherheit. Das MfS veranlasste 1984 eine dreijährige Sanierung des Gebäudes. Dass dabei kein billiges Material verbaut wurde, zeigt sich noch heute. So sind beispielsweise die Wand- und Bodenfliesen von auserlesener Qualität und überlebten die anschließende Nutzung. Am 5. Juni 1990 wurde ein Naturschutzzentrum eingerichtet. Dieses arbeitete bis 2005 in Trägerschaft des Vereins Naturschutzzentrum Schloss Niederspree.

Mehr Sorgen macht dabei der Keller, wo sich die Feuchtigkeit breitgemacht hat, aufgrund jahrelanger unregelmäßiger Nutzung. Aber der neue Eigentümer zeigt sich zuversichtlich, das in den Griff zu bekommen. Dabei sollen hier nicht nur Projekte zur Umweltbildung stattfinden. Annett Hertweck sieht in diesem "Schätzchen" auch die Möglichkeit ein Kompetenzzentrum für Konfliktlösungen zu etablieren und jungen Leuten die Möglichkeit zu geben, hier den Jugendfischereischein zu machen. Denn um das Schloss herum gibt es Natur pur: Große Wälder, kleine Teiche und eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt prägen das Naturschutzgebiet Niederspree.     

Ohne Fördergelder geht das nicht

Doch bevor es in die Natur geht, muss der Förderverein erst die Finanzierung dieser Vorhaben auf die Reihe bekommen. Denn ohne Fördergelder lassen sich weder das Haus sanieren, noch Angebote machen. Geld zu aquirieren, ist die nächste Aufgabe für den Förderverein. Zu dem bereits vorliegenden Konzept für das unter Denkmalschutz stehende Objekt muss nun noch eine Kostenkalkulation aufgestellt werden. Wie Annett Hertweck versichert, tragen sowohl die Obere Denkmalbehörde des Landes Sachsen als auch der Landkreis Görlitz das Vorhaben mit, junge Leute in Niederspree die Natur nahe zu bringen. (mit bd)

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