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Schlossbesitzer will Masken produzieren

Ein Holländer bewohnt Herrenhäuser in Wendischbora und Bobersen - und möchte dort lieber heute als morgen Maschinen aufbauen.

Schutzmasken und Einweghandschuhe hat Hans Ramp gerade aus China importiert. Noch lieber aber würde er sie in einem seiner Herrenhäuser selbst für den Freistaat herstellen.
Schutzmasken und Einweghandschuhe hat Hans Ramp gerade aus China importiert. Noch lieber aber würde er sie in einem seiner Herrenhäuser selbst für den Freistaat herstellen. © privat

Nossen/Zeithain. Der Bedarf an Masken dürfte in Sachsen sprunghaft steigen: Wie der Freistaat am Freitag mitteilte, ist in Bus und Bahn und in Einzelhandelsgeschäften das Tragen einer "Mund-Nasenbedeckung" nun Pflicht, in der Öffentlichkeit wird es "dringend empfohlen". 

Sachsen braucht Schutzmasken? Ein Holländer will helfen. 10.000 Masken hat sich Hans Ramp bereits diese Woche aus China kommen lassen. Der Besitzer von Schloss Bobersen bei Riesa und Schloss Wendischbora bei Nossen hat gute Kontakte nach Asien. Seit mehr als zehn Jahren importiere er verschiedene Produkte aus China - von LED-Leuchten über Wind-Solar-Systeme und Heizkörper bis hin zu Traktoren.

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"Ich habe die Kontakte in China, um schnell zahllose Maske liefern zu können", sagt der 59-Jährige. Noch besser wäre es allerdings, Maschinen zu kaufen - und hier vor Ort zu produzieren. Schloss Wendischbora sei bestens geeignet für eine Rund-um-die Uhr-Produktion von Schutzkleidung. "Innerhalb von einem Monat ab heute könnte die Produktion von Handschuhen und Mundschutz-Masken stattfinden unter Leitung von unsere Familie", schrieb er nach eigenen Angaben bereits am 3. April ans Finanzministerium.

In Tschechien, auch dort hat Familie Ramp ein Schloss, fange man bereits dieser Tage mit der Produktion von Masken an. In Sachsen allerdings, und das wundert den Chef der Schloss Wendischbora GmbH, habe er nach anderthalb Wochen noch keine Reaktion vom Freistaat bekommen.

Das Paket mit frisch aus China importierten Schutzmasken kam diese Woche in Bobersen an.
Das Paket mit frisch aus China importierten Schutzmasken kam diese Woche in Bobersen an. © privat

Die SZ fragt nach. Im Sozialministerium ist das Angebot von Hans Ramp nicht bekannt, heißt es - schließlich sei es ans Finanzministerium gegangen. Man erfasse aber alle konkreten Angebote und leite sie an die Mitglieder der "Task Force Beschaffung" im Innenministerium weiter. Allein im Sozialministerium seien in den vergangenen sechs Wochen mehr als 700 derartige Angebote eingegangen.

Mittlerweile hat der Freistaat reagiert - und online eine Liste mit Informationen für Anbieter von Schutzausstattung veröffentlicht. Demnach benötige Sachsen "dringend" Ausstattung, vor allem FFP3-Masken, Schutzkittel, FFP2-Masken, aber auch Einmalhandschuhe, OP-Masken, Schutzbrillen, Ganzkörperschutzanzüge.

Schloss Wendischbora böte den perfekten Platz für eine Fertigung von Schutzmasken - findet der Besitzer.
Schloss Wendischbora böte den perfekten Platz für eine Fertigung von Schutzmasken - findet der Besitzer. © Claudia Hübschmann

Der Freistaat verlangt von Anbietern aber auch einen exakten Lieferplan: Wie viel Stück können nach wie viel Tagen geliefert werden? Wie sieht es mit den Zahlungsmodalitäten aus? Können die Produkte bis nach Leipzig zum Zentrallager geliefert werden?

Nur, wer die Ansprüche erfüllt, hat Chancen, dass sich der Freistaat näher mit seinem Angebot befasst. Zudem müssten Medizinprodukte zugelassen sein, bei Schutzausrüstung die Wirksamkeit nachgewiesen. "Sehr viele der Angebote erfüllen diese Voraussetzung nicht", heißt es aus dem Sozialministerium.

Hans Ramp verweist auf die Zertifikate, die seiner ersten Lieferung beilagen. Und er offeriert dem Freistaat, bis zur Eröffnung einer eigenen Produktion "Millionen Masken" zum Stückpreis von 19 US-Cent  importieren zu können - "innerhalb einiger Tage".

Das Schloss Bobersen (im Hintergrund) haben Hans und Anneke Ramp in kürzester Zeit wieder bewohnbar gemacht. Derzeit arbeiten sie an den davor gelegenen früheren Stallanlagen.
Das Schloss Bobersen (im Hintergrund) haben Hans und Anneke Ramp in kürzester Zeit wieder bewohnbar gemacht. Derzeit arbeiten sie an den davor gelegenen früheren Stallanlagen. © Sebastian Schultz/Archiv

Einfacher wäre eine Produktion vor Ort. Das sieht man im Sozialministerium ähnlich. "Mittel- bis langfristig besteht großes Interesse daran, dass in Sachsen für die Zukunft Produktionskapazitäten aufgebaut werden", heißt es auf Nachfrage. Das  betreffe vor allem Produkte, bei denen Sachsen aktuell nahezu ausschließlich auf den chinesischen Markt angewiesen sei.

Der Freistaat erarbeitet dafür gerade eine Strategie. "Wir gehen davon aus, dass bei der Umsetzung dieser Strategie am ehesten bestehende Unternehmen z. B. aus der Textilbranche einen großen Beitrag mit relativ zeitnaher Umsetzung leisten können", so eine Sprecherin. Wichtig sei auch hier, dass die Produkte die notwendigen Zertifizierungen für den Einsatz im medizinischen Bereich erhielten.

Aktuell laufe es noch so, dass das Bundesgesundheitsministerium die nötige Schutzausstattung zentral beschafft und anschließend an die Bundesländer verteilt; die organisieren dann die Weiterleitung an die Akteure im Gesundheitswesen. Parallel bemühe sich die Sächsische Staatsregierung um weiteres Material.

Hans Ramp will sich nicht von der Bürokratie abschrecken lassen. "Es geht darum, dass Sachsen weiterkommt." Seine ersten 10.000 Masken seien bereits verteilt - an die Gemeinde Zeithain, den Landkreis  Meißen und die eigene Familie. "Weitere sind bestellt und unterwegs."

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

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