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Schlossrisse unter der Lupe

Das historische Gemäuer weist Risse auf. Ein Dresdner Institut untersucht diese jetzt mit feinfühliger Technik.

Vom Boden aus sind Risse am Renaissancegiebel des Strehlaer Schlosses gut zu sehen.
Vom Boden aus sind Risse am Renaissancegiebel des Strehlaer Schlosses gut zu sehen. © E. Weser

Strehla. Das Strehlaer Schloss steht unter Beobachtung. Nicht nur, dass ein Förderverein sich künftig verstärkt mit dem Erhalt des markanten historischen Baus beschäftigen will. Auch der Denkmalbehörden schauen genauer hin. Sehr genau sogar: Das Landesamt für Denkmalschutz hat das Dresdner Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt – kurz: IDK – mit einer Rissmessung am Strehlaer Schloss beauftragt.

Das erklärt IDK-Mitarbeiter Thomas Löther auf Nachfrage der SZ. Nach seinen Worten laufen die Messungen seit Oktober vorigen Jahres. Um zu registrieren, was an den Rissen passiert, kommt ein elektrisches Messverfahren zum Einsatz. Dabei kommen Sensoren zum Einsatz, die auf Längenveränderungen reagieren. Ein sich verändernder elektrischer Widerstand wird laut Thomas Löther in ein Längenmaß umgerechnet. Schon minimale Bewegungen reichen aus, um registriert zu werden. „Da reden wir von Mikrometern.“ Also tausendstel Millimetern.

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Im Innenbereich des Schlosses seien zwei solcher Sensoren oberhalb der zwei Fenster angebracht worden. Eine Messung pro Stunde gibt es laut Thomas Löther. Zusätzlich zur Rissmessung gebe es noch einen Klimamesspunkt, der Daten zu Temperatur und Luftfeuchtigkeit registriere. Durch die verschiedenen Parameter sollen sich einmal besser Rückschlüsse ziehen lassen, warum sich die Risse wie im Zeitverlauf verändert haben. Das gehe bei anderen Rissmessverfahren wie Gipsmarken nicht. „Die würden nur knack machen. Man kann dann zwar sehen, dass etwas passiert ist, aber nicht, wann“, so Thomas Löther.

Auch wenn in Strehla jetzt schon reichlich sieben Monate gemessen wird: Riss- und Klimadaten vom Strehlaer Schloss liegen dem Ingenieur derzeit noch nicht vor. „Wir bekommen keine Fernmeldung oder einen Datensatz aufs Handy“, so Thomas Löther. Das sei an der Stelle leider nicht möglich. Es gehe darum, das Ganze über einen längeren Zeitraum zu beobachten. „Wenn wir dann nach einer gewissen Zeit merken, der Riss geht weiter auf – da reden wir aber maximal von Millimetern – dann wüsste man, dass schneller gehandelt werden müsste.“ Die ersten Messdaten will das Dresdner Institut aber vielleicht noch diesen oder nächsten Monat in Strehla abholen. „Dann haben wir ein erstes halbes Jahr ordentlich gemessen“, so Thomas Löther. Wirklich belastbare Aussagen seien eigentlich aber erst Ende des Jahres möglich. „Dann hat man Winter und Sommer drin, und es ergibt sich eine Messkurve.“

Für das IDK sind Messungen wie in Strehla Routine. So etwas finde an vielen Objekten statt, die Bewegungen aufweisen, sagt Thomas Löther. Eine ähnliche Messung gebe es zum Beispiel an der Kathedrale der Dresdner Hofkirche. Der Grund: die Sanierungsarbeiten an der Augustusbrücke gleich nebenan.

Dass die Risse am Strehlaer Schloss relativ groß ausfallen, liegt laut Experten unter anderem daran, dass an einigen Gebäudeteilen seit relativ langer Zeit keine Unterhaltungsmaßnahmen mehr stattgefunden haben. Ob sich daran etwas ändert, wenn Ergebnisse der Rissmessungen vorliegen? Diese Entscheidung dürfte am Ende bei Schlosseigentümer Georg Thaler liegen. (SZ/ewe)