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Schlossteile werden in Großenhain saniert

Der Renaissance-Erker gehört eigentlich zum Schloss Hartenfels in Torgau. Bis nächstes Jahr wird er an der Röder aufwendig restauriert.

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Sandstein reagiert überaus sensibel. Gelangen Industriegase in die Luft, lösen sich diese im Regen und fressen sich regelrecht in das Material hinein. Hartmut Witschel hat solch einen Fall jetzt vor sich liegen: Vor zwei Wochen nahm der Großenhainer Steinmetz die Jahrhunderte alten Sandsteine des Schönen Erkers von Schloss Hartenfels entgegen.

„Das Schloss wurde zwar in der Frührenaissance erbaut - also im 15. und 16. Jahrhundert“, sagt Witschel. Doch im 19. Jahrhundert erhielt der Erker schon einmal eine Verjüngungskur. Zwischen damals und heute liegen mehr als 100 Jahre und das Zeitalter der Industrialisierung. Besonders Braunkohlepartikel hinterließen über die Jahrzehnte tiefe Spuren an den Steinen.

Mitte Oktober begannen Witschels Mannen mit Rückbau des Erkers. Nun lagern mehr als 105 Teile luftdicht und unter Regalen abgedeckt an der Röder. Das sind alle Fragmente bis auf den Sims. Fast eine Tonne wiegt das schwerste von ihnen. Welche tatsächlich restauriert werden können und welche neu gegossen werden müssen, darüber sprechen die Experten des Landesdenkmalschutzes nächste Woche mit Witschel.

Doch selbst im Falle eines Neugusses müssten alle Teile zunächst in einen Top-Zustand gebracht werden. Denn sie dienen als Muster. „Wir werden Anfang des nächsten Jahres beginnen und die Steine reinigen. Danach werden sie entsalzt, bevor wir uns an die Wiederherstellung der Oberflächenstruktur machen.“ Dabei soll auch mineralischer Mörtel als Sandsteinersatz zum Einsatz kommen. Der Sandstein für die neuen Bauelemente kommt aus der Sächsischen Schweiz - genauer gesagt aus Reinhardtsdorf. Bis zu vier Mitarbeiter der Werkstatt werden das Projekt begleiten.

Den Aufwand betrachtend schätzt Witschel das Projekt als „mittelgroß“ ein. Schon die Altanbrüstung des Dresdener Stadtschlosses lag in den fähigen Händen des Steinbildhauer-Meisters. Ebenso die Obergeschossbrüstung im Hof des Japanischen Palais‘. Dennoch: Die Restaurierung des Schönen Erkers ist etwas besonderes, sagt Witschel. „Schloss Hartenfels ist als größtes vollständig erhaltenes Schloss der Frührenaissance in Deutschlands mit viel Ansehen verbunden.“

Schon im Mai 2010 soll mit dem Wiederaufbau in Torgau begonnen werden. Mit einem Lkw werden die hochsensiblen, mit Schaumstoff gepolsterten Sandsteine zurückgebracht. Im Spätsommer soll das Schmuckstück schließlich in neuem Glanz erstrahlen. Die Aufarbeitung des Bauwerks kostet einen mittleren sechsstelligen Betrag. Finanziert wird das Projekt unter anderem vom World Monuments Fund - eine gemeinnützige Organisation mit Hauptsitz in New York, die sich weltweit für die Erhaltung von Denkmälern stark macht.

Sandro Rahrisch