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Ein 82-Jähriger und seine Ohrwürmer

Der Schlottwitzer Hanskarl König hat im hohen Alter angefangen, Lieder zu schreiben. Er ist erfolgreich und bald auf größeren Bühnen zu sehen.

Hanskarl König hat vor zwei Jahren mit dem Komponieren angefangen. Seine Lieder sind Ohrwürmer.
Hanskarl König hat vor zwei Jahren mit dem Komponieren angefangen. Seine Lieder sind Ohrwürmer. © Karl-Ludwig Oberthür

Gerade erst feierte Hanskarl König seinen 82. Geburtstag. Während viele Gleichaltrige längst ruhiger treten, hat der rüstige Senior noch einige Pläne. Er möchte noch viele Lieder komponieren. „Ich habe zwar ein Leben lang Musik gemacht, habe mit meiner Gitarre Schlager und Volksmusik gespielt“, sagt König. Aber erst im hohen Alter hat er erkannt, dass ihm auch das Komponieren liegt.

2018 baten ihn Freunde, ein Lied über Klein-Tirol zu schreiben. Klein-Tirol, das war eine im mittleren Müglitztal sehr bekannte Ausflugsgaststätte. Beim Jahrhunderthochwasser 2002 wurde sie beschädigt und danach nicht wieder saniert. Nach jahrelangem Ringen um eine Weiternutzung stand fest: Sie wird abgerissen. Hanskarl König schrieb den musikalischen Abgesang.

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Ein halbes Jahr später folgte mit „Mein schönes Müglitztal“ das nächste Lied. Es ist eine Liebeserklärung an seine Heimat. Wer es einmal gehört hat, dem geht der Text und die Melodie nicht mehr so schnell aus dem Kopf. Ein typischer Ohrwurm. Seine Fans ermutigten ihn, weitere Lieder zu schreiben. Und das tat er. Es folgten „Auf felsigem Grund“, „Schlottwitz meine Heimat“ und „Ein Tal im Sachsenland“.

In "Einmal ganz anders", seinem „Kellerlied“, verrät er, wie er zu seinen Texten und den Melodien kommt. Denn die Ideen kommen ihm im Keller. Dorthin zieht er sich gern zurück, um über die Welt zu sinnieren. „Ich mache mir Notizen, damit ich die Gedanken nicht vergesse“, erzählt der Senior. Später formt er daraus seine Texte und komponiert eine passende Melodie dazu. 

Musiker mit eigener Agentur

Ist ein Song fertig, setzt er sich mit „seiner Agentur“ zusammen. „Wenn ich das anderen erzähle, schauen die mich aber an“, sagt er und freut sich schelmisch. „Ich habe natürlich keine Agentur.“ Wenn er von seiner Agentur spricht, meint er die Familie Müller, die ebenfalls in Schlottwitz wohnt und mit der er seit drei, vier Jahren sehr eng befreundet ist. 

Kennengelernt hat er Ines, Jörg und Stefan Müller bei einem Familienfest in Schlottwitz. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt. Die Müllers unterstützen ihn. „Sie erfassen meine handschriftlich verfassten Texte im Computer und geben mir Tipps.“ Und wenn er mal ein Lied für eine Familienfeier komponiert, gestalten sie ihm ein Blatt Papier mit dem Text, damit König es der Familie schenken kann. Deshalb nennt er sie liebevoll seine Agentur. 

Zuletzt schnitten Jörg Müller und Sohn Stefan mit Eisenbahnfilmen und -fotos aus ihren Archiv ein kleines Video zusammen, zu dem sie Königs Lied „Ein Tal im Sachsenland“ einspielten. Stefan Müller hat dieses Video auf der Eisenbahnfan-Online-Plattform Drehscheibe veröffentlicht. Und dort läuft es erfolgreich: Täglich schauen sich zwischen  200 und 250 Eisenbahnfans den Clip an. Die 10.000er-Marke dürfte Ende der Woche erreicht werden. Die Kombination von guter Musik und tollen Eisenbahnaufnahmen scheint sehr gut angenommen zu werden, mutmaßt Stefan Müller.

Neben den Müllers bekommt König auch aus Dipps Unterstützung. Denn beim Einspielen und Aufnehmen der Lieder hilft das von Gerd Feilotter geführte Dippoldiswalder „Otter-Musik Tonstudio“. Dort werden seine Lieder arrangiert.

Mit seiner vorletzten CD, die er unter dem Titel „Ein letztes Mal mein Müglitztal“ veröffentlicht hat, hat König einen Schlussstrich gezogen. Der 82-Jährige möchte keine neuen Lieder über das Müglitztal mehr schreiben. „Ich habe vier Lieder geschrieben, das reicht.“ 

In seinen neuen Liedern – zwei gibt es schon – möchte er sich den Stimmungen und seinem Alter widmen. Dabei wird er zum Teil sehr persönlich, weshalb er die Videos zu den Liedern – sie heißen „Meine Gitarre“ und „Stimmungsvolle Augenblicke“ - nur im engsten Freundes- und Bekanntenkreis zeigt.

Mit dem durch den Coronavirus verursachten Lockdown kam Hanskarl König ganz gut zurecht. „Ich bin ja kein Künstler, der vor großem Publikum auftritt“, erzählt er. Er spielt für Freunde und auf kleineren Familienfeiern. Und diese Feiern fanden ja statt. Deshalb konnte er fast so weitermachen wie vor der Corona-Pandemie. Nur die Seniorentreffen in der Schlottwitzer Begegnungsstätte Boot, die wegen Corona ausgefallen sind, haben ihm gefehlt.

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Hanskarl König fiebert nun seinen nächsten größeren Auftritten entgegen. Nachdem er vor wenigen Wochen bei einem Museumsfest in Altenberg auftrat, wird er Ende September beim Oktoberfest in Schlottwitz erneut vor einem größeren Publikum spielen. Mit anderen Musikern wird er im Bierzelt das Eröffnungskonzert bestreiten. „Darauf freue ich mich schon“, sagt der Schlottwitzer. Seinen zweiten großen Auftritt wird er auf dem Weihnachtsmarkt in Glashütte haben.

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