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Schlumpfenhausen ist jetzt Kneipp-Kita

Das Konzept der Gesundheitslehre steht in der ASB-Kindertagesstätte im Vordergrund. Das ist einmalig in der Region.

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Von Kristin Wolf

Entspannt sitzen die zehn Mädchen der Gruppe „Lila Schlümpfe“ auf dem Stuhl, den Rücken etwas nach vorn gebeugt, und lassen sich von den Jungen massieren. Nicht irgendwie, sondern nach dem Pizza-Prinzip: „Bevor der Teig geknetet werden kann, wird die Arbeitsfläche mit Mehl eingestreut“, sagt Gruppenleiterin Zappe. Die Sechsjährigen kreisen mit ihrer Handfläche über die Rücken, streuen Salz, indem sie mit den Fingern ganz sachte auf die Nacken trommeln, und streichen mit festem Händedruck den gesamten Rücken entlang.

Die Vorschulkinder der ASB-Kindertagesstätte „Schlumpfenhausen“ in Sebnitz wissen aber auch genau, wie eine richtige Pizza gebacken wird, und vor allem, welche leckeren Zutaten auf den Teig kommen. Denn ab und zu kochen die Knirpse auch selbst ihr Mittagessen. Frühstück und Vesper bereiten die Kinder mithilfe der Erzieher jeden Tag frisch zu. In der Einrichtung steht die gesunde Ernährung ganz oben. All das beruht auf der Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp. Gestern erhielt das Haus am Lessingweg das Zertifikat als Kneipp-Kindereinrichtung.

Konzeptidee vor sechs Jahren

Im Frühjahr 2006 suchte die Leiterin Birgit Papst mit den Mitarbeitern nach einem passendem Konzept. „Schon damals verfolgten wir das Thema Kräuter, Bewegung und gesundes Leben“, erklärt sie. Zwei Mitarbeiterinnen besuchten in Dresden eine Ausbildung im Kneipp-Grundkurs und berichteten von den positiven Erfahrungen. „Wir haben uns dann in einigen bereits existierenden Kitas sachsenweit umgeschaut und waren begeistert.“ Im Herbst 2006 absolvierten alle Mitarbeiter schließlich die Kneipp-Ausbildung. „Wir haben vorher natürlich auch das Thema in Elternabenden und im Elternbeirat angesprochen und stießen auf Interesse.“ Das offizielle Zertifikat sei nicht das große Ziel gewesen, „vielmehr wollten wir mit den Kindern danach leben.“

Das Konzept basiert auf den fünf Kneippschen Säulen: Bewegung, Wasser, Lebensordnung, Ernährung und Kräuter. All diese Komponenten finden sich auch in der Einrichtung nieder. Ein großer Kräutergarten lädt im Sommer zum Entdecken und Verweilen ein. Der Außenbereich bietet für die derzeit 174 Kinder viel Platz zum Toben und im Tau laufen. Und inzwischen hat fast jeder Gruppe ihre eigene kindgerechte Küche. „Hier backen die Kinder selber Brot oder stellen Marmelade her“, sagt Birgit Papst. Jeden Dienstag gibt es zudem ein sogenanntes Gesundheitsfrühstück. Seit einigen Jahren können die Kinder auch im Wassertretbecken im Erdgeschoss herumstapfen. „Das wird täglich genutzt und steht natürlich auch für die Hortkinder zur Verfügung. Den Kindern macht es viel Spaß.“ Wechselfußbäder und Armgüsse runden das Säulenprogramm Wasser ab.

In der Bevölkerung werde der Kindergarten mit seinem Konzept gut angenommen, sagt die Leiterin. „Über Kindermangel können wir uns nicht beschweren. Wir mussten sogar schon Kinder ablehnen, weil wir einfach nicht den Platz haben“, so die Sebnitzerin.

Eltern lernen vom Kind

Neben der Gesundheitsförderung beschäftigt sich die Kita intensiv mit der Integration von Kindern, beispielsweise bei Entwicklungsstörungen. Mehrere Mitarbeiterinnen sind spezialisiert um Sprachdefizite zu korrigieren. „Die Kinder sind normal in die Gruppe integriert und lernen somit miteinander und voneinander.“ Elf Kollegen von Birgit Papst verfügen zudem über eine Zusatzausbildung als Entspannungspädagoge. Das Engangement der Erzieherinnen kommt nicht nur bei den Kindern an: „Ich finde das Kneipp-Konzept ideal. Gesunde Ernährung wird den Kindern von klein auf beigebracht. Und ich lerne dabei auch noch etwas, zum Beispiel wusste ich nicht, dass Schneetreten gut für die Gesundheit ist“, sagt ein Sebnitzer Vater.