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Schluss mit der Geheimniskrämerei

Nun müssen vor allem die Kommunen und Beschäftigen wissen, woran bei der Bombardier-Fusion sind, kommentiert SZ-Wirtschaftsredakteur Michael Rothe.

© Paul Zinken/dpa

Wenn jemand Einwände gegen diese Ehe hat, dann sollte er jetzt sprechen – oder für immer schweigen.“ Auf eine solche Aufforderung hin regt sich in Lovestorys aus Hollywood, der Spannung wegen, mitunter Widerstand. Und manchmal auch bei den EU-Wettbewerbshütern. Nicht so am Freitag. Mit deren Segen ist der milliardenschwere französisch-kanadische Bund zwischen den Bahnherstellern von Alstom und Bombardier so gut wie perfekt – ob fürs Leben, muss sich zeigen. Es ist eher eine Zweckehe als eine Liebesheirat, ging es doch für Bombardier zuletzt ums eigene Überleben.

Das neuerliche Hochzeitsbegehren von Alstom war ein gewagtes Unterfangen. Immerhin hatte Brüssel im vergangenen Jahr eine Übernahme des TGV-Herstellers durch Siemens’ Zugsparte verboten. Jenes Tandem wäre vor allem in der Signaltechnik zu stark geworden, so die Befürchtung.

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Welche Standorte und Jobs haben eine Chance?

Diesmal zog die Furcht im Sinne des Brautpaars: Angst vor der Konkurrenz aus China, denn der dortige Branchenprimus CRRC drängt auch nach Europa. Zudem wurde mit Auflagen nachgelegt. Dass Alstom sein Coradia-Werk im Elsass abgeben muss und Bombardier die Talent-3-Fertigung in Hennigsdorf samt zugehöriger Teile aus Bautzen, ist schon länger bekannt. Dass in Reichshoffen und Hennigsdorf bei Berlin 400 Beschäftigte weiter um ihre Zukunft bangen, gehört zum Geschäft – ist aber das kleinste aller Übel.

In Sachsen sorgt die Brüsseler Entscheidung ansonsten für Erleichterung. Mit dem Grünen Licht scheint die Zukunft der gut 2.200 Waggonbauer in Bautzen und Görlitz gesichert. Die Landesregierung hatte kein Hehl daraus gemacht, dass sie in dieser Konstellation auch die Bund-Länder-Bürgschaft für Bombardier in guten Händen weiß.

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Nun ist es am neuen Branchenvize, den Vertrauensvorschuss nicht zu verspielen. Gemessen an der 200-Millionen-Landesbürgschaft, die NRW dem verschuldeten Schalke 04 mit teuren Kickern und Schlachterkönig Tönnies als Ex-Aufsichtsrat bewilligt hat, ist diese Staatshilfe gut angelegt. Allerdings sollte die Geheimniskrämerei um Standort- und Jobgarantien ein Ende haben. Die Auflagen für Sachsens Mitgift müssen auf den Tisch – auch, um den Bräutigam an die Sorgepflicht für seine Stiefkinder zu erinnern. Darauf haben Beschäftigte und Steuerzahler ein Recht.

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