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Schlusspunkt hinter dem Nürburgring-Debakel

Wegen Untreue muss Ingolf Deubel, einst Finanzminister in Rheinland-Pfalz, für dreieinhalb Jahre in Haft.

© picture-alliance/ dpa

Von Christian Schultz, Koblenz

Ein juristisches Grollen ging vom Schwurgerichtssaal des Koblenzer Landgerichts aus. Dort fielen gestern die mit Spannung erwarteten Urteile im Untreueverfahren zum Nürburgringausbau – und sie haben es in sich: Der ehemalige rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) muss für dreieinhalb Jahre in Haft. Ex-Ringchef Walter Kafitz und der ehemalige Ring-Controller erhielten Bewährungsstrafen. Zwei wegen Beihilfe zur Untreue angeklagte Bankmanager wurden verwarnt. Die von allen Verteidigern geforderten Freisprüche blieben aus.

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Deubel nahm die Entscheidung äußerlich gefasst auf. Während der Vorsitzende Richter Winfried Hetger wortreich die Urteile begründete, wurde ein Schaubild an die Wand geworfen, das die komplexen Verflechtungen zwischen Nürburgring GmbH, Finanzvermittlern, Land und Förderbanken illustriert. Ihnen war das Gericht auf den Grund gegangen. Ob der vielen Pfeile und Kästchen wurde auf den Zuschauerbänken geschmunzelt – es war eine der letzten Anekdoten des Verfahrens.

Laut Gericht gab es 64 Verhandlungstage, 86 Zeugen wurden vernommen, hinzu kamen Sachverständige. Nun schlug die Stunde von Richter Hetger. Er war monatelang der ruhende Pol in bisweilen hitzigen Debatten. Lange ließ er Prozessbeobachter nicht in seine Gedankenwelt blicken, während Anklage und Verteidigung Spitzen austauschten.

Auch am Urteilstag trug Hetger detailliert, aber ohne Polemik vor – und setzte dem Verfahren, das Koblenzer Justizkreise gerne als „ganz hartes juristisches Brot“ bezeichneten, ein sachliches Ende. Es wird klar, wie intensiv sich die Kammer mit dem rund 330 Millionen Euro teuren Ausbau des Freizeitparks an der Rennstrecke, der 2009 gescheiterten Privatfinanzierung, Zahlungen der landeseigenen Nürburgring GmbH an damalige Finanzvermittler und mit der möglichen Gefährdung von Steuergeld beschäftigt hat.

Ex-Ringgeschäftsführer Walter Kafitz schwieg lange, erst am vorletzten Termin ergriff er das Wort. Er habe das Projekt nach bestem Wissen und Gewissen gefördert. „Ich habe mich immer im Rahmen von Aufsichtsratsbeschlüssen bewegt.“ Dem folgte das Gericht nicht, sah auch bei ihm Pflichtverletzungen.

Monatelang hieß es auf den Gängen des Koblenzer Landgerichts regelmäßig: „In der Sache Deubel und andere bitte eintreten.“ Damit ist es nach den deutlichen Urteilen nun vorbei. (dpa)