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Schmerzhafter Biss hinterm Elektrozaun

„Sie brauchen keine Angst zu haben, der beißt nicht.“ Wer Angst vor Hunden hat, kennt diesen Spruch. Wird man dann doch gebissen, hat man aus Sicht der Hundehalter irgendwas falsch gemacht. Etwas anders...

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Von Lars Rischke

„Sie brauchen keine Angst zu haben, der beißt nicht.“ Wer Angst vor Hunden hat, kennt diesen Spruch. Wird man dann doch gebissen, hat man aus Sicht der Hundehalter irgendwas falsch gemacht. Etwas anders liegt der Fall, der derzeit das Oberlandesgericht (OLG) in Dresden beschäftigt: Dieter Hohberger aus dem idyllischen Lengenfeld im Vogtland weiß, dass er einen gefährlichen Hund hat. Auch die meisten Leute im Ort wissen das. Vorsorglich hält Hohberger seinen Rottweiler mit Hilfe eines Elektrozauns in Schach.

Zugebissen hat Hündin Bessy dennoch. Am 31. Oktober vor fünf Jahren gegen 17.30 Uhr. Und zwar in die Wade einer Nachbarin, die kurz zuvor über den Zaun auf das Grundstück von Hohbergers gestiegen war. Sie wollte eigentlich nur einen kleineren Geldbetrag vorbeibringen, den sie ihrem Nachbarn noch schuldig war. Das Ganze war am Ende aber nicht nur eine schmerzhafte, sondern auch teure Angelegenheit. Die Frau musste zwei Wochen lang im Krankenhaus behandelt werden. Die AOK, bei der die 42-Jährige versichert ist, übernahm schließlich die Kosten in Höhe von rund 9 000 Euro und verlangt nun vom Hundehalter das Geld zurück.

Hundebesitzer Hohberger aber stellt sich quer. Seine Nachbarin habe gewusst, dass der Hund gefährlich ist, argumentiert er. Sie hätte wie alle anderen am Gartentor warten sollen. Genau dort, wo ein Schild „Vorsicht bissiger Hund“ hängt. Die Geschädigte sagte gestern als Zeugin vor dem OLG aus, sie sei erst über den Elektrozaun gestiegen, nachdem ihr Nachbar gerufen habe: „Jetzt kannst du reinkommen.“ Der Nachbar bestreitet allerdings diese Version. Auch der Ehemann des Opfers sagte gestern überraschend aus, dass seine Frau nach eigener Schilderung einfach so über den Zaun gestiegen sei und sich im Krankenbett die Schuld für die Misere gegeben habe.

Ob die Krankenkasse wie in der Vorinstanz nun auch beim OLG siegt, ist ungewiss. Nachdem ein Vergleich nicht zu Stande kam, wird das Gericht Ende März ein Urteil verkünden.