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Schmerzloser Knochenkiller

Gesundheit. Osteoporose löst die Knochensubstanz auf. Im Landkreis Bautzen könnten 15 000 Menschen davon betroffen sein.

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Von Heiko Engel und Helga Koch

Immer mehr Menschen leiden an Knochenschwund. „Osteoporose ist eine Volkskrankheit“, sagt der Bautzener Orthopäde Dr. Carsten Pfeifer. Wissenschaftler schätzen die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf acht Millionen Menschen, gut 15 000 dürften es im Landkreis Bautzen sein. Doch genau weiß das niemand. Allein Knochendichtemessungen zeigen , welche Teile des Skeletts befallen sind.

Aber Vorsorgeuntersuchungen wie bei Krebs gibt es nicht. Ärzte dürfen auf Kassenkosten nur bei Osteoporose-Verdacht mit Knochenbrüchen ohne Unfall messen oder dann, wenn der Patient die 40 Euro teure Untersuchung selbst bezahlt. Hinzu kommt, dass die Substanz im Innern des Knochens zunächst ohne Schmerzen über Jahre schleichend abschmilzt. So lange, bis der Knochen bricht. 80 Prozent der Schenkelhalsfrakturen seien auf Osteoporose zurückzuführen, so Orthopäde Pfeifer. In solchen Fällen müssten Ärzte wie bei Handgelenksbrüchen ab dem 50. Lebensjahr sofort an Osteoporose denken. Auch ein Rundrücken, der Menschen um mindestens vier Zentimeter schrumpfen lässt, könnte auf die Volkskrankheit hindeuten. Rechtzeitig erkannt, hätte es in vielen Fällen gar nicht dazu kommen müssen. „Heute haben wir optimale Medikamente, die den verstärkten Knochenabbau bremsen“, sagt Pfeifers Bautzener Kollege Dr. Dieter Gamerdinger.

Doch der Therapie-Erfolg hängt auch vom Alter des Patienten ab. „Je älter man wird, um so schwerer ist Osteoporose zu behandeln.“ Wichtig sei zudem eine „knochenbewusste Ernährung“ mit viel Kalzium und ohne Phosphate, die zum Beispiel in Cola oder Fastfood enthalten seien (siehe Kasten) - und das schon ab dem Kindesalter. Denn 80 Prozent der Knochensubstanz würden bis zum 18. Lebensjahr aufgebaut, so der Facharzt.

Seit zwei Jahren weiß Gudrun S. aus einem Dorf bei Bischofswerda, dass sie Osteoporose hat. Sie ging damals wegen ihrer Kniebeschwerden zum Orthopäden. „Der Arzt hat die Knochendichte gemessen und meine Wirbelsäule geröntgt. Der zweite und der dritte Rückenwirbel haben sich verschoben. Eventuell muss ich ein Korsett tragen“, sagt die 75-Jährige. „Mein Arzt hat mir gute Tipps gegeben.“ Gudrun S. steigt seitdem nicht mehr auf einen Stuhl, um Gardinen aufzuhängen oder die Lampe zu putzen und läuft auch vorsichtiger. Schließlich hat sie in den vergangenen Jahren schon drei Knochenbrüche hinter sich. Sie versucht, sich täglich eineinhalb bis zwei Stunden im Garten zu bewegen und geht auch selbst einkaufen. Manchmal hat sie überlegt, ob sie vielleicht als Kind zu wenig Milch getrunken hat. „Seit ich ein Jahr alt war, habe ich keine Milch mehr angerührt. Dafür habe ich aber viel Pudding und Quark gegessen oder Kakao getrunken.“ Jetzt nimmt Gudrun S. verschiedene Calziumpräparate und isst sehr viel Käse. „Ich weiß von Leuten, die mit knapp 40 Jahren an Osteoporose erkrankt sind.“

Seit über zehn Jahren leidet Marianne Adamek an Knochenschwund. Bei der Bautzenerin ist besonders die Wirbelsäule betroffen. Die Krankheit macht sie krumm. „Das verursacht tüchtige Schmerzen.“ Die 80-Jährige arbeitet mit aller Kraft dagegen. „Ich gebe mir Mühe, gerade zu gehen.“ Sie schloss sich der Bautzener Osteoporose-Selbsthilfegruppe an. Die Mitglieder wandern, basteln, helfen sich gegenseitig. Von der Krankheit lässt sich Marianne Adamek jedenfalls nicht unterkriegen. „Man muss immer positiv denken, darf nicht den Kopf hängen lassen.“