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Großenhain

Schmetterlingswiesen – kein Zeichen von Faulheit

Jens Tomasini betreut vier Grünflächen an Gymnasium und Sportpark. Was dort passiert, soll die Insektenvielfalt erhöhen.

Biologielehrer Jens Tomasini kümmert sich ehrenamtlich um Rasenflächen im Großenhainer Norden. Sie werden nur eingeschränkt gemäht – für mehr Falter.
Biologielehrer Jens Tomasini kümmert sich ehrenamtlich um Rasenflächen im Großenhainer Norden. Sie werden nur eingeschränkt gemäht – für mehr Falter. ©  Kristin Richter

Großenhain. Den Hallenwart im Husaren-Sportpark Andreas Kotte konnte Jens Tomasini noch nicht so recht überzeugen. Um die zentral gelegene Testfläche am Verkehrsgarten muss Lehrer und Naturfreund Tomasini noch kämpfen. Dort sieht es für Kottes Geschmack zu wild aus. 

Doch dass hier nicht gemäht wird, hat Sinn und ist kein Zeichen von Faulheit. Jens Tomasini will damit dem Widderchen und der italienischen Schönschrecke, dem Ochsenauge und dem Kohlweißling eine Überlebenschance geben – Schmetterlingen eben.

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Schon vor fünf Jahren sagte der Großenhainer in einem SZ-Interview, dass Wildblumenwiesen nicht unzählige Male im Jahr gemäht werden müssen, um die Vielfalt der Insekten zu erhalten. Nun hat auch die Stadt dieses Ziel erkannt. Acht Blühwiesen meldete Großenhain dieses Jahr auf der Internetseite Schmetterlingswiesen.de

Jens Tomasini hat dort schon seit 2016 seine vier Flächen stehen: die Grünfläche an der Gymnasiums-Außenstelle, den Bereich um die Handballer-Eiche, einen Streifen hinter der Rödertalhalle und die Nordkurve der Rollsportbahn. Dass diese Flächen u. a. die Nummern 76, 77 und 91 haben, zeigt, dass der Großenhainer bei der sächsischen Aktion zeitig dabei war. Aktuell sind es 356 Flächen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass auch Blühwiesen nicht immer voller üppiger Wildblumen stehen – gerade jetzt in der Trockenheit. Doch Falter lassen sich durchaus beim Foto-Termin blicken. „Ich habe mit der Stadt und dem Gymnasium vereinbart, dass ich als Kompromiss überall wenigstens einen Umrandungsschnitt mache“, sagt Tomasini. 

Auch die Absperrung mit Flatterband und große bunte Schilder zu den Schmetterlingswiesen zeigen an, dass sich hier jemand kümmert, obwohl das Unkraut hochsteht. Jens Tomasini bewirtschaftet die Flächen freiwillig und ehrenamtlich. Einmal die Woche oder aller 14 Tage sei er vor Ort, sagt er.

Die Rasenflächen mit insgesamt rund 2000 Quadratmetern werden natürlich irgendwann doch einmal gemäht – aber gestaffelt und nicht alles auf einmal. „Ein Drittel bleibt immer stehen, damit sich die Falter entwickeln können“, so Tomasini, der auch Mitglied im Nabu und bei Pro Natura ist. 

Dass er den Grünstreifen am Gymnasium bewirtschaftet, hat damit zu tun, dass seine Frau Simona hier Lehrerin ist. „Sie hat auch schon Schüler ihres Leistungskurses zum Mähen mit herangezogen“, sagt der Großenhainer. Das soll sich bald wiederholen. Schulleiter Klaus Liebtrau dulde die Aktivität. Zu den Flächen im Husarensportpark kam Tomasini, weil Tochter Paula hier Leichtathletik trainierte.

Jens Tomasini hat für seine Schmetterlingswiesen einen Vertrag mit der Stadt gemacht. Immerhin darf er das Mähgut auf einer Kompostfläche am Gymnasium ablagern, von wo es die Stadt dann entsorgt. Auch am Alberttreff gibt es eine weitere versteckte Ablagerungsfläche.

Das Absperrband um die Wiesen ist auch ein Zeichen für den Bauhof, dass hier nicht gemäht werden soll. Ein Hinweisschild ist nämlich schon geklaut worden. „Doch auch kleine Flächen reichen aus, bestimmte Arten zu schützen“, begründet der Aktivist. 130 Schmetterlingsarten gäbe es in Sachsen, davon 80 in der Großenhainer Pflege und zehn bis 12 auf seinen Wiesen. Dafür führt Jens Tomasini Buch. Und er wünscht sich, dass die anfangs genannte Testfläche zur Akzeptanzfläche wird.

Gemeldete Wiesen liegen auch am Flugplatz, Katharinenplatz, Stadtpark, Tal der Gräser, Park Walda, Verkehrsinsel Skäßchen und Treugeböhla, Park Zabeltitz (Matthias Schmieder) und Streuobstwiese Zabeltitz (Ingo Schwaar)

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