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Schmied muss aus seiner Werkstatt

Sven Röschke führt seit 15 Jahren eine Metallbaufirma in Wilthen. Nach dem unfreiwilligen Umzug lädt er in die neuen Räume ein.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Es war ein Schock für Sven Röschke. „Die Kündigung für die Werkstatt kam ganz überraschend“, sagt der Steinigtwolmsdorfer, der seit 15 Jahren in Wilthen eine eigene Metallbaufirma betreibt. Seit Gründung seines Unternehmens arbeitete der gelernte Schmied in Räumen an der Zittauer Straße, in denen dieses Handwerk schon 100 Jahre ausgeübt wurde und die vielen als Mädler-Schmiede bekannt sind. Sie befinden sich im Hof eines Wohnhauses. „Dessen Besitzer wollen endlich mal Ruhe haben. Das kann ich nachvollziehen“, zeigt Sven Röschke Verständnis.

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Mehr Platz, mehr Licht

Neue geeignete Räume zu finden, erwies sich als schwierig. Der Unternehmer befürchtete schon, aufgeben zu müssen. Deshalb ist er sehr froh darüber, dass ihm Gernot Wöhlk in seiner Immobilie am ehemaligen Wilthener Güterbahnhof Platz zur Verfügung stellt. Auf dem Gelände, das von der Weifaer Straße aus zu erreichen ist, befand sich einst ein Kohlehandel. Die jetzt von Sven Röschke genutzten Räume standen längere Zeit leer. Aber das sieht man ihnen nicht an. Der Eigentümer hat sie vor dem Einzug des Ein-Mann-Metallbau-Unternehmens vorgerichtet. Wären da nicht die typischen Gegenstände wie zum Beispiel ein Amboss, würde man kaum vermuten, dass es sich um eine Schmiede handelt. Die Wände strahlen weiß, die Werkstatt wirkt hell und freundlich. „Hier habe ich mehr Platz und richtig viel Licht“, nennt Sven Röschke mit Blick auf die großen Fenster einen Vorteil des neuen Standortes. Ein weiterer ist die gute Erreichbarkeit. Lieferfahrzeuge können problemlos vor die Werkstatt fahren, an die sich ein kombinierter Lager- und Büroraum und ein separater Raum für die Edelstahlbearbeitung anschließen. Bisher ging es eng zu.

Sein Handwerk hat Sven Röschke in einer Schmiede in Neukirch erlernt. Nachdem er dann zehn Jahre lang in Nordrhein-Westfalen lebte und arbeitete, dort den Abschluss als Handwerksmeister im Metallbau erwarb, zog er vor 15 Jahren mit seiner Familie nach Steinigtwolmsdorf in sein Elternhaus zurück. In Wilthen machte er sich durch die Übernahme der traditionsreichen Schmiede selbstständig.

Gute Auftragslage

Zu seinem Angebot gehören sämtliche Leistungen des Metallbaus, Schmiedearbeiten und Edelstahlverarbeitung. Der 45-Jährige fertigt Treppen, Geländer, Garagentore, Zäune und vieles mehr an; aus Stahl oder Edelstahl. Dabei liegt vom Entwurf bis zur Montage vor Ort alles in seinen Händen. Auch Reparaturen führt er aus. „Etliche Baubetriebe bringen ihre Meißel zum schärfen zu mir“, nennt Sven Röschke eine weitere Tätigkeit. Die Auftragslage bezeichnet er als sehr gut. Langeweile habe er in den zurückliegenden 15 Jahren nie gehabt. Im Gegenteil. Oft musste seine Familie auch nach Feierabend auf ihn verzichten. Für das große Verständnis und die Unterstützung seiner Frau sowie von Tochter (20) und Sohn (13) ist der Handwerker sehr dankbar. An seiner Arbeit gefällt dem Schmied, dass es den Beruf heute nicht mehr so oft gibt und dass er etwas Bleibendes schafft. „Wenn wir am Wochenende unterwegs sind, zeigt er oft auf Dinge und sagt stolz: ,Das habe ich gemacht. Das auch. Und das“, erzählt seine Frau schmunzelnd. Sven Röschke fügt an: „Ich finde es schön, dass ich gestalterisch immer wieder vor neuen Herausforderungen stehe und meine Arbeit sehr abwechslungsreich ist.“

Fünf Wochen Schwerstarbeit

In der letzten Zeit hatte er jedoch eine ganz andere Herausforderung zu meistern: den Umzug seines Unternehmens, vor allem das Ausräumen der bisherigen Werkstatt, zu der drei große Lager gehörten. „100 Jahre lang haben dort die jeweiligen Nutzer alles Mögliche rein getan“, beschreibt Sven Röschke. Fünf Wochen schufteten zwei Leute, bis alles leer und der neue Firmenstandort komplett eingerichtet war. Jetzt, wo alles fertig ist, lädt der Metallbau-Meister zu einem Tag der offenen Tür ein. Am Sonnabend dieser Woche können sich alle Interessenten von 10 bis 14 Uhr in seiner neuen Wilthener Werkstatt umsehen.

Tag der offenen Tür in der Metallbaufirma von Sven Röschke in Wilthen, Sonnabend in der Zeit von 10 bis 14 Uhr, Am Güterbahnhof