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Mit über 80 schwingt er noch den Hammer

Arnd Ressel leitet seit genau 50 Jahren die Schmiedewerkstatt in Bertsdorf. Die lange Familientradition wird auch nach ihm nicht abreißen.

Arnd Ressel (81) in seiner Werkstatt.
Arnd Ressel (81) in seiner Werkstatt. © Matthias Weber/photoweber.de

Einen Schmied stellt man sich gern als kräftig und muskulös, mit Lederbändern an den Handgelenken, Bart und gegerbter Haut vor. So wie Automatix aus den Asterix-Geschichten. Arnd Ressel entspricht so gar nicht diesem Vorbild. Er ist nicht allzu groß und mit normalem Körperbau. Immer mal wieder bekam er zu hören, dass er ja gar keine Schmiedestatur habe - so wie übrigens auch sein Vater Erich.

Und dennoch ist der Bertsdorfer schon seit fast 70 Jahren Schmied. 1953 fing er mit 14 Jahren in der Schmiedewerkstatt seines Vaters als Lehrling an. Damals stand er vor der Frage, ob er wie sein Großvater und Vater Schmied werden und mal den Familienbetrieb weiterführen wollte. Arnd Ressel entschied sich für den Beruf des Schmieds, während sein jüngerer Bruder in der Kfz-Branche tätig war.

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Mit gerade mal 24 Jahren machte er 1963 seinen Meister und 1970 kam dann der Tag, an dem er den Familienbetrieb übernahm und seitdem weiterführt. Nunmehr genau 50 Jahre. Dafür gab es am Mittwoch auch Glückwünsche von der Handwerkskammer.

Auch wenn er mittlerweile 81 Jahre alt ist, schwingt er noch hin und wieder den Hammer oder entzündet das Schmiedefeuer. Nicht mehr jeden Tag, nur dann, wenn kleinere Aufträge zu erledigen sind - wie zum Beispiel Werkzeuge schärfen oder Schweißarbeiten. Erst jüngst ließ sich der Nachbar einen Holzspaltkeil bei Arnd Ressel schärfen.

Größere Aufträge übernimmt er schon seit gut zehn Jahren nicht mehr. Seine Frau habe damals auch Druck gemacht, dass er kürzer treten soll. Er wäre ja bloß in der Werkstatt, so ihr Vorwurf. Also legte Arnd Ressel den Hammer öfter mal zur Seite. So ganz kann er aber nicht vom Schmiedehandwerk lassen, etwa drei Stunden in der Woche ist er noch in seiner Werkstatt zugange.

Ein schmiedeeisernes Schild weist auf den traditionsreichen Betrieb hin.
Ein schmiedeeisernes Schild weist auf den traditionsreichen Betrieb hin. © Matthias Weber/photoweber.de
Für die Ressel-Schmiede gibt es sogar eine Hinweistafel.
Für die Ressel-Schmiede gibt es sogar eine Hinweistafel. © Matthias Weber/photoweber.de
Die Haltestelle an der Ressel-Schmiede trägt den Namen des Betriebes.
Die Haltestelle an der Ressel-Schmiede trägt den Namen des Betriebes. © Matthias Weber/photoweber.de

Ressel-Schmiede ist eine Institution

Die Ressel-Schmiede ist in Bertsdorf zweifellos eine Institution. Der traditionsreiche Handwerksbetrieb, den Arnd Ressels Großvater 1903 begründete, ist eine Station des Natur- und Kulturpfades von Bertsdorf-Hörnitz mit eigener Hinweistafel und auch die Bushaltestelle vor dem Haus trägt den Namen der Schmiede.

Als Arnd Ressel in den Betrieb einstieg, wurden noch Pferdehufe beschlagen. Das ließ bald nach, denn es gab immer weniger Pferde. Technik löste die Vierbeiner ab. Stattdessen wurden Fenstergitter, Gartentore und Geländer geschmiedet. Viele Jahre machte der Bertsdorfer Schmied für die Robur-Werke Transportkarren für Kurbelwellen. Nach dem Mauerfall investierte Arnd Ressel, der seinerzeit schon über 50 war, noch mal in seinen Betrieb, schaffte sich eine Profilschere und Stanze sowie Drehmaschine an. Diese Anschaffungen lohnten sich für ihn durchaus, auch wenn sie nicht wie in anderen Betrieben ständig im Einsatz waren. Aber in den ersten Nachwendejahren hatte er noch mal gut zu tun, gerade Fenstergitter wurden damals stark nachgefragt.

Ende der 1990er Jahre flaute dann das Nachwendefieber ab. Damals ging auch sein einziger Mitarbeiter und Arnd Ressel stand fortan allein in der Werkstatt. Bei größeren Aufträgen halfen ihm seine Tochter Wenke oder Sohn Matthias. Aber mehr und mehr konzentrierte er sich auf die kleineren Aufträge.

Matthias Ressel wird die Werkstatt weiterführen - allerdings nur als Nebenerwerb. Im Hauptberuf ist er Maschinenbauingenieur. Er will die fast 120-jährige Tradition des Familienbetriebes nicht abbrechen lassen. Wie sein Vater wird der 41-Jährige hier das eine oder andere Werkzeug schärfen oder kleine Restaurierungen vornehmen.

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Arnd Ressel hat es akzeptiert, dass seine Kinder keine Schmiede geworden sind. Denn er weiß, wie hart der Beruf ist - auch aus finanzieller Sicht. Die Aufträge haben immer gerade so das Überleben gesichert. Aber um das große Geldverdienen ging es ihm sowieso nie. Er hat den Beruf aus Liebe gemacht. Deshalb kann er auch mit über 80 noch nicht ganz davon lassen.

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