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Dippoldiswalde

Schmiedeberger Häuser ohne Wasser

Die Diskussion in den letzten Trockenjahren dreht sich oft um die Brunnendörfer, doch es gibt auch Brunnen-Stadtteile.

Sabine Weidner (re.) und Jutta Voigt kämpfen darum, dass ihre Grundstücke im Schmiedeberger Pöbeltal an das Trinkwassernetz angeschlossen werden.
Sabine Weidner (re.) und Jutta Voigt kämpfen darum, dass ihre Grundstücke im Schmiedeberger Pöbeltal an das Trinkwassernetz angeschlossen werden. © Egbert Kamprath

Vergangene Woche wurde der Hochwasserschutzdamm im Pöbeltal bei Schmiedeberg eröffnet. Auf dem Weg dorthin sind alle Teilnehmer an zwei Transparenten vorbeigefahren. „Wir haben kein Wasser“ hing an Häusern  an der Straße. Unter den Gästen war auch Ulrich Kraus, im sächsischen Umweltministerium zuständig für Wasser, Boden und Wertstoffe, also genau der Richtige, um den Brunnendörfern zu helfen. Wobei es in Niederpöbel um einen Brunnen-Stadtteil geht, der zu Dippoldiswalde gehört.

Aber in Niederpöbel haben 13 Grundstücke keinen Anschluss an das öffentliche Wassernetz der Weißeritzgruppe, und einige davon ein großes Problem. Sabine Weidner spricht für sechs der Betroffenen. Die 47-Jährige hat das Grundstück ihrer Familie übernommen. Dort hat einst der Urgroßvater in den 1890er-Jahren vom Königreich Sachsen eine Quelle im Wald gekauft, eine Leitung durch den Wald gebaut und daran haben sich insgesamt sechs Häuser angeschlossen. Sie haben all die Jahre ihre kleine Wasserversorgung gemeinsam bewirtschaftet. „Wenn etwas zu tun war, gab es gemeinsame Arbeitseinsätze. Finanzielle Fragen hat Jutta Voigt abgerechnet. Dafür brauchten wir keinen Verein. Das haben wir untereinander geregelt“, erzählt Sabine Weidner.

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Von August bis Dezember auf dem Trockenen

Der Brunnen hat auch immer ausreichend Wasser gebracht. Im Trockenjahr 2003 musste sich jeder etwas einschränken, aber die Quelle ist nie ganz versiegt, erinnert sich Frau Weidner. Das funktionierte problemlos - bis 2018. „Da hatten wir von August bis Dezember kein Wasser“, erzählt die Betroffene.

Sie haben sich dann an viele Stellen gewandt, an die Oberbürgermeister der Stadt Dippoldiswalde, an die Wasserversorgung Weißeritzgruppe, an Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretzschmar (CDU), an die Bundesregierung oder die Fraktion der Grünen. Es gab schon Reaktionen darauf, aber bisher keine Lösung.

Die Stadt hat 2018 eine Wasserzapfstelle am ehemaligen Gemeindeamt in Schmiedeberg eingerichtet. „Da konnten wir mit Kanistern uns versorgen. Das war schon hilfreich. Aber betreiben sie mal mit Kanistern eine Waschmaschine“, sagt Weidner.

Hoffen auf eine Härtefallregelung

Das Wasserversorgungsunternehmen Weißeritzgruppe hat sich die Situation vor Ort angesehen und eine grobe Planung gemacht. Dabei kamen allerdings ernüchternde Zahlen heraus. Die Kosten für einen Wasseranschluss der betroffenen Grundstücke in Niederpöbel wären so hoch, dass sowohl das Unternehmen als auch die Eigentümer überfordert wären. Um die 30.000 Euro pro Grundstück sollten es allein für die Eigentümer werden, erinnert sich Weidner. Damit läge dann die Leitung an der Grundstücksgrenze. Der weitere Anschluss bis ins Haus käme noch dazu. 

Für den Wasserversorger ist damit klar, Niederpöbel ist so wie manche andere Brunnendörfer auch ein Fall, wo mit der derzeitigen Förderung die Erschließung zu teuer wird. "Zu teuer für das Versorgungsunternehmen und für die einzelnen Privatbesitzer", sagt Frank Kukuczka, Geschäftsführer der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH. Es gibt fünf Dörfer, die mit dem aktuellen Fördersatz zu vertretbaren Kosten angeschlossen werden könnten. Das sind die Glashütter Ortsteile Dittersdorf und Johnsbach, die Klingenberger Ortsteile Friedersdorf und Pretzschendorf sowie Herzogswalde, das zu Wilsdruff gehört. Die anderen Brunnendörfer und eben auch der Stadtteil Niederpöbel brauchen eine Härtefallregelung.

Das will Sabine Weidner möglichst vielen Verantwortlichen immer wieder nahebringen. Sie hoffte deshalb, dass prominente Besucher zur Dammübergabe auch auf ihre Transparente aufmerksam werden. Schließlich hat sie von Wolfram Günther von der grünen Fraktion im vergangenen Jahr eine ganz nette Antwort bekommen, wie sie sich erinnert. „Er hat damals aber bedauert, dass er nur in der Opposition ist, und deshalb wenig Einfluss hätte“, sagt die Schmiedebergerin. Doch das hat sich inzwischen ja geändert. Günther ist jetzt Umweltminister, und vielleicht hat ihm sein Abteilungsleiter für Wasser, Boden und Wertstoffe ja von dem Problem in Niederpöbel berichtet.  

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