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Wie eine Erzieherin zur Fachautorin wird

Eine Kindergärtnerin aus Schmiedeberg hat eine Tradition der DDR aufgegriffen und einen Westverlag überzeugt. Daraus ist mehr entstanden, als sie je dachte.

Kerstin Barthel, Leiterin der Kita „Spatzennest“ in Schmiedeberg, gestaltet Fachmaterial für Kitas, hier mit dem neuesten Erzählbild „Bauernhof“
Kerstin Barthel, Leiterin der Kita „Spatzennest“ in Schmiedeberg, gestaltet Fachmaterial für Kitas, hier mit dem neuesten Erzählbild „Bauernhof“ © Karl-Ludwig Oberthuer

Eine Erzieherin aus dem Osterzgebirge veröffentlicht deutschlandweit Fachmaterialien für die Spracherziehung in einem Verlag an der holländischen Grenze. Hier haben sich gute Traditionen der DDR mit einer engagierten Kindergärtnerin aus Schmiedeberg und einem unternehmungsfreudigen Verlag aus dem Rheinland getroffen.

Kerstin Barthel, der Leiterin der Kita "Spatzennest" im Dippoldiswalder Ortsteil Schmiedeberg, liegt die sprachliche Erziehung der 77 Kinder in ihrer Einrichtung besonders am Herzen. Dafür hat sie in der Bavaria-Klinik in Kreischa 2003 eine Fortbildung gemacht, und danach Material gesucht, um die Kinder zum Erzählen zu bringen. Im Kindergarten gab es Wandbilder dafür. "Aber die Kinder fanden die irgendwie komisch. Kein Wunder, die waren ja im Jahr 1954 gemalt", sagt Kerstin Barthel. "Das müsste man in die heutige Zeit übertragen, war mein Gedanke.“ Den schilderte sie einmal dem Außendienstmitarbeiter des M.K. Verlags, der Lehr- und Lernmittel anbietet. Der meinte, sein Verlagsdirektor wäre für solche Anregungen immer offen. "2011, zwei Tage vor Weihnachten, kamen die nach Schmiedeberg", erinnert sich Kerstin Barthel noch genau. Sie ließen sich ihre Ideen schildern und luden Kerstin Barthel in den Verlag ein.

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Mit Fahrer in Düsseldorf am Flughafen abgeholt

"Ich, die kleine Erzieherin aus Schmiedeberg, bekam dann einen Flug nach Düsseldorf und wurde mit Fahrer am Flughafen abgeholt", erzählt sie. Sie hat dann neun Stunden mit Birgit Hess, der Grafikerin des Verlags zusammengesessen, und sich mit ihr über die Vorstellungen ausgetauscht. Am Abend kam dann der Verlagschef mit einem Autorenvertrag.

Kerstin Barthel hat sich dann mit ihrem Arbeitgeber geeinigt. Damals war es noch die Gemeinde Schmiedeberg, die ihr freie Hand für diese Nebentätigkeit gegeben hat. „Das läuft in der Freizeit, ist sozusagen mein Hobby“, sagt Barthel.

Sie hat dann ihre Gedanken umgesetzt in eine Landschaft, so wie sie heute aussieht, in der ein Traktor fährt, Kinder in heutiger Kleidung spielen oder sich Windräder am Horizont drehen. Sie gibt der Grafikerin ihre Ideen durch, schickt auch mal Fotos aus dem Kita-Alltag oder skizziert selbst etwas auf dem PC und bekommt dann die künstlerische Umsetzung zurück. Das erste fertige Produkt war eine Herbstlandschaft. Davon ließ der Verlag 200 Stück drucken und die gingen weg wie nichts, aber vor allem in Ostdeutschland. Hier kannten die Kindergärtnerinnen diese Art von Bild und begrüßten die zeitgemäße Umsetzung.

Im Westen Deutschlands lief es ein wenig anders. Kerstin Barthel hat zwei Enkel in München, die helfen ihr, die Ideen zu testen. Sie haben das Material auch in ihren Kindergarten mitgenommen, und dort kam es beim ersten Mal nicht richtig an. „Da musste ich einiges nacharbeiten und vor allem die Erklärungen verbessern“, berichtet die Autorin.

Jedes große Wandbild wird mit weiterem Material ergänzt. Handreichungen mit Erklärungen, Liedern, Gedichten oder Rezepten geben den Erzieherinnen Anregung. Karten zum Suchen regen die Kinder an, selbst aktiv zu werden.

Kerstin Barthel ist zwar noch mit Büchern aufgewachsen, nimmt aber Anregungen aus der digitalen Welt auf. Ihre Serie mit Stadtbildern wird mit Lupenkarten ergänzt, die beispielsweise die Tür zum Krankenhaus zeigen. Die Kinder suchen diese, drehen die Lupe um, und sehen in die Notaufnahme, ähnlich wie wenn sie auf dem Computer auf einen Punkt klicken und weitergehende Infos bekommen. Geplant ist auch, Videos für Youtube zu produzieren, die den Erziehern den Umgang mit dem Material erläutern.

Die ganze Familie und halb Schmiedeberg helfen mit

Das ist alles auch ein Gemeinschaftswerk. Die ganze Familie hilft mit, halb Schmiedeberg und der Verlag. Die jüngste Tochter, Jenny Barthel, die Kommunikationspsychologie studiert hat, ist Co-Autorin. Und das Fachwissen ihres Mannes, der Maurer und Gärtner ist, fließt ebenfalls ein. „Ich darf nicht auf dem Herbstbild etwas Anderes ernten lassen als im Frühjahr angepflanzt wurde – sein Tipp“, erzählt Kerstin Barthel. Schmiedeberger Tischler haben Leisten gebaut, welche die Karten halten, oder einen Kasten, in dem man sie präsentieren kann. Und alle neuen Materialien gibt Barthel ihren zwölf Kolleginnen im Spatzennest. Die können so mit dem Neuesten arbeiten, die Autorin bekommt dafür wertvolle Rückmeldungen. Der Verlag sorgt für eine gute Qualität der Produkte, die alle in Deutschland hergestellt werden.

Darauf kommt es Barthel auch an. Die Kinder sollen alles anfassen dürfen. Die Wandbilder müssen abwaschbar sein und es auch aushalten, wenn man sie auf den Boden legt. Es geht ihr darum, die Kinder dazu zu bringen, aktiv damit umzugehen.

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Drei Jahre wird sie das noch im Spatzennest in Schmiedeberg erleben, dann steht ihr Ruhestand bevor. Da sie aber mit Leib und Seele Erzieherin ist, kann sie sich gut vorstellen, weitere Materialien zu gestalten. Das Neueste, das gerade fertig geworden ist, hat das Thema Bauernhof. Und das Nächste ist in Vorbereitung, darin geht es um den Wald. 

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