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Schmierereien in Bischofswerda

Fronfeste und Tierpark gehören zu den Zielen. Die Polizei ermittelt. Sie vermutet keinen politischen Hintergrund.

© Regina Berger

Von Ingolf Reinsch und Carolin Menz

Mit dem ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt, der verfallenen Fronfeste, macht Bischofswerda schon lange keinen Staat mehr. Nun sind Teile des Mauerwerkes und die Tür, die in den Keller führt, auch noch mit Farbe besprüht worden. Unter anderem „Hassrap“ und ein Strichmännchen mit einem Strick um den Hals sind dort zu sehen. Daneben findet sich ein verschlungenes Zeichen, das man durchaus als 88 interpretieren könnte. Könnte, nicht muss, wohl gemerkt. Diese Ziffern markieren den achten Buchstaben im Alphabet – das H. In der rechtsextremen Szene stehen sie für den Hitlergruß.

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Zwischen Steinweg und Altmarkt wurden in der Nacht zum Mittwoch mehrere Mauern mit diesem und anderen Zeichen besprüht. Dazu gehören Teile der Tierpark-Umzäunung, einschließlich des Wandbildes am Verbindungsweg zwischen Steinweg und Sinzstraße. Betroffen sind nach Angaben der Polizei auch zwei Wohngrundstücke sowie mehrere Stromkästen.

Ob die Täter das Datum der nächtlichen Sprühaktion zufällig oder mit Vorsatz gewählt hatten, war gestern eine von vielen Fragen. Der 17. Juni, der Tag des Volksaufstandes in der DDR, wird seit Jahren von der rechtsextremen NPD missbraucht , um „Demokratie und Meinungsfreiheit“, wie sie sie versteht, zu fordern. Doch wahrscheinlich passen die Täter in kein Schubfach. Worte wie das mehrmals gesprühte „Rapelite“, aber auch „Hassrap“ sind der Jugendmusikszene, vor allem dem Hip-Hop, zuzuordnen. Hassrap bringt dabei eine klare Protesthaltung zum Ausdruck – gegen wen oder was auch immer. Eine andere Botschaft vermittelt die Schmiererei im Zugang zu einem Haus an der inneren Dresdener Straße: Dort wurden ein fünfstrahliger Stern und die Zahl 666 auf den Fußboden gesprüht. Letztere gilt als „Satanszahl“. Am Tierpark liest man unter anderem das englische Wort „Gay“ – Schwule.

Die Polizei gehe bei ihrem Ermittlungen nicht von einem politischen Motiv aus, sagte Thomas Ziegert Pressesprecher der Polizeidirektion in Görlitz, gestern auf Anfrage der SZ. Die Ermittlungen führe deshalb nicht der Staatsschutz, sondern das Revier in Bautzen – wegen Sachbeschädigung. Im Zuge der Ermittlungen werde auch geprüft, ob in der Region schon einmal die gleichen oder ähnliche Zeichen gesprüht worden sind.

Nicht nur für die unmittelbar Betroffenen ist es ärgerlich. Das Stadtbild leidet durch solche Aktionen. Dass die Fronfeste bewusst als Ziel gewählt wurde, denke er nicht, sagte Robert Geburek, Vorstandsmitglied im Förderverein zum Erhalt des Gebäudes. Darauf deute hin, dass auch andere Objekte beschmiert worden sind. Trotzdem sollten die Graffiti wieder beseitigt werden. Der private Eigentümer sei hier als Erster in der Pflicht, sagt Robert Geburek. Der aber lässt die Fronfeste seit Jahren verfallen. Letztendlich könnte die Aufgabe so doch am Verein hängenbleiben.

„Unmöglich“ findet Tierparkleiterin Silvia Berger die Sprühaktion. Sie vermutet, dass es keine Bischofswerdaer waren. „Wir brauchen jeden Euro. Und nun müssen wir noch sehen, wie wir die Schmierereien wieder wegbekommen“, sagt sie. Der Bauhofleiter will sich den Schaden noch in dieser Woche anschauen. Dann soll entschieden werden, wie man die Farbe von den Zaunwänden bekommt.

„Eine Schweinerei“, sagt Hans Euler, dessen Grundstücksmauer ebenfalls besprüht worden ist. Bei ihm war schon einmal ein Graffiti gesprüht worden. Es dauerte Jahre, bis es der Regen zu großen Teilen abgewaschen hat.

Wenn die Täter nicht ermittelt werden, bleiben die Eigentümer auf dem Schaden sitzen. Im vergangenen Jahr sind in der Stadt Bischofswerda 30 Schäden durch illegales Sprühen angezeigt worden. Von Januar bis Mai 2014 waren es fünf. Aufgeklärt wurde kein einziger Fall. Für die ganze Polizeidirektion, die für die Landkreise Bautzen und Görlitz zuständig ist, sieht die Statistik besser aus: Von den 790 Beschädigungen 2013 wurde knapp ein Viertel aufgeklärt. Dabei spiele oft der „Dominoeffekt“ eine Rolle, sagt Thomas Ziegert. Werden in einem Fall die Täter gefunden, können ihnen oft weitere Taten zugeordnet werden.