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Schmuckstück Alte Schmiede

Wo früher das Feuer brannte, können nun Gäste geschmackvoll frühstücken.

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Von Susanne Plecher

Die Börners haben in Zabeltitz ganze Arbeit geleistet. Früher hätte man dafür vielleicht eine Auszeichnung im Wettbewerb „Schöner unsere Städte und Gemeinden“ bekommen. Nun ist es am Gast, das Engagement zu entlohnen. Fakt ist, dass die Familie zusammen mit vielen fleißigen Freunden aus dem alten Dreiseithof an der Waldaer Straße ein Schmuckstück gemacht hat. In fünf Doppelzimmern und zwei Ferienwohnungen, auf dem gepflasterten Hof, im traditionell angelegten Bauerngarten oder auf der Streuobstwiese können nun Urlauber Erholung finden.

Was die Börners in der Alten Schmiede geleistet haben, macht der Foto-Vergleich deutlich: Das große Bild zeigt Carola, Marek und Martha-Lina im neuen Frühstücksraum, der vor drei Jahren noch Schmiede und Werkstatt war (links oben). Der Kachelofen war 35 J
Was die Börners in der Alten Schmiede geleistet haben, macht der Foto-Vergleich deutlich: Das große Bild zeigt Carola, Marek und Martha-Lina im neuen Frühstücksraum, der vor drei Jahren noch Schmiede und Werkstatt war (links oben). Der Kachelofen war 35 J © Anne Hübschmann
Was die Börners in der Alten Schmiede geleistet haben, macht der Foto-Vergleich deutlich: Das große Bild zeigt Carola, Marek und Martha-Lina im neuen Frühstücksraum, der vor drei Jahren noch Schmiede und Werkstatt war (links oben). Der Kachelofen war 35 J
Was die Börners in der Alten Schmiede geleistet haben, macht der Foto-Vergleich deutlich: Das große Bild zeigt Carola, Marek und Martha-Lina im neuen Frühstücksraum, der vor drei Jahren noch Schmiede und Werkstatt war (links oben). Der Kachelofen war 35 J © Anne Hübschmann

Drei Jahre sind ins Land gegangen, seit Carola und Marek Börner sich an den Bau gewagt haben. Seither ist jede freie Minute der Familie in die Sanierung des Schmiedehofes geflossen. Etwa 50 Prozent der Arbeiten sind in Eigenleistung entstanden, den Rest haben Handwerker aus der Region gemacht. „Allein mein Vater hat rund 3 000 Arbeitsstunden reingesteckt“, sagt Bauherr Marek. Harald Börner ist gelernter Maurer und hat schon vor über 46 Jahren an der Schmiede gebaut. Damals, 1969, hatte er die Backofenwand im Wohnhaus abgeputzt und verschönert – und eine Botschaft versteckt in einer Flasche eingemauert. Spruchrolle und Zeitungsbild vom VII. Parteitag der SED hat er selbst beim Umbau wieder aus dem Putz geholt.

Bruder Nico, gelernter Dachdecker, hat auf dem Hof ebenfalls diverse Betätigungsfelder gefunden. Arbeit gab es bei dem großen Projekt schließlich mehr als genug. Auch die Freunde der Börners sind in verschiedenen Arbeitseinsätzen zum Zuge gekommen, zuletzt am Himmelfahrtstag. „Da haben wir unsere 30 Helfer in eine Innen-, eine Versorgungs- und eine Gartenbrigade eingeteilt“, sagt Carola Börner. „Ohne sie alle hätten wir das nicht stemmen können“, schiebt sie dankbar nach. Was in solcher Gemeinschaftsarbeit entstanden ist, kann sich nicht nur sehen, sondern auch gut bewohnen lassen. Das ehemalige Wohnhaus, das um 1800 gebaut worden war, ist schon im vergangenen Juli fertig geworden. Am 31. Mai folgt nun das Schmiedegebäude mit großzügigem Frühstücksraum. Das Herzstück darin ist der Kamin. Er steht an exakt der gleichen Stelle, an der früher das Schmiedefeuer loderte. Altes Werkzeug und ein Sandsteintrog, in dem der Schmied die glühenden Werkstücke abkühlte, haben heute zwar nur dekorativen Charakter, binden aber die traditionelle Nutzung des Gebäudes an seinen neuen Zweck. Denn die Börners bieten modernen Komfort in historischen Räumen, und das ist durchaus zu sehen. Viel Energie ist deshalb zum Beispiel in die Erhaltung alter Bruchsteinmauern geflossen, die in wochenlanger Arbeit liebevoll geputzt und verfugt worden sind. Auch Fachwerk und Deckenbalken sind aus dem Dornröschenschlaf geholt worden. Das Holz wurde geschliffen, gebürstet, mit Leinöl gestrichen, das Fachwerk mit alten Ziegeln und Lehm aufgemauert. Was die ursprüngliche Bausubstanz nicht hergab, hat Marek Börner gebraucht erworben. Sandsteine stammen vom Gut in Grödel, Pflastersteine aus Dresden. Das gilt auch für einen großen Teil der Möbel. Carola Börner hat die Einrichtung der vier Doppelzimmer im Wohnhaus über viele Jahre zusammengesammelt. Gäste schlafen auf neuen Matratzen, aber in solide aufgearbeiteten alten Betten. Auch die geschmackvoll ausgewählten Tische, Stühle und Schränke stammen von anno dunnemals. In den beiden Ferienwohnungen und dem Doppelzimmer im Schmiedegebäude haben die Börners jedoch komplett auf neue Holzmöbel gesetzt. „Wir wollten unseren Gästen die Wahl lassen, mancher mag das Historische vielleicht nicht so gern“, erklärt die Bauherrin. Ganz auf der Höhe der Zeit sind Fußbodenheizung und Haustechnik. Die Wärme stammt aus der Erde: Die Börners haben dafür eine Tiefenbohrung vornehmen lassen, fünfmal je 60 Meter in den Boden hinein. Gäste können über WLAN im Internet surfen. Auch an Gehbehinderte ist gedacht: Im Erdgeschoss des Schmiedegebäudes gibt es eine behindertengerechte Ferienwohnung mit breiten Schiebetüren und ebenerdiger Dusche. Ein besonderes Schmuckstück befindet sich im lichtdurchfluteten Treppenhaus. Dort hat Harald Börner einen alten Kachelofen mit floralen Motiven aufgebaut. 35 Jahre lang hat er ihn in seiner Garage aufbewahrt, nachdem er ihn in der Wohnung seiner Tante in Gröditz selbst abgetragen hatte. Lilien und Osterglocken winden sich im Ofenkranz, die Kacheln zeigen reife Kastanien im Laub. Der Ofen hat in all den Jahren einige Begehrlichkeiten geweckt, aber Harald Börner hat ihn aufgespart für den ganz besonderen Ort, wo er ab sofort in voller Pracht zur Geltung kommt.

www.alte-schmiede-zabeltitz.de

Eröffnung und Tag der offenen Tür am Sonntag, 31. Mai von 10 bis 17 Uhr mit Kuchen, Bratwurst, Livemusik und Feldschmiede Kretschmar aus Frauenhain.