merken
PLUS

Schmuggel-Welpen werden aufgepäppelt

Das Interesse an den ungarischen Hundebabys im Tierheim ist groß. Die Mitarbeiter sorgen sich aber derzeit noch um andere Dinge.

Von Maria Trixa

Anfassen können Sie die Tiere heute nicht. Die Welpen kurieren einen Schnupfen aus“, sagt Kerstin Löbel gleich zu Beginn. Sie läuft einen engen dunklen Gang entlang. Gleich links ruhen zwei große ausgewachsene Hunde friedlich in ihrem gemeinsamen Zwinger. Glasscheiben trennen den Gang vom helleren Bereich, in dem die Hunde untergebracht sind. Die stickige Luft im Tierheim Pirna-Krietzschwitz saugt die verschiedenen tierischen Gerüche in sich auf. Am Ende des Ganges schließt Kerstin Löbel eine Tür auf. „Hier hinten haben die Neuankömmlinge ihre Ruhe“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Pirna die Unterbringung. Mit vier Wochen brauchen Welpen noch besonders viel Schlaf.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Gerade wirken die sieben Welpen alles andere als schläfrig. Beim Eintreten der Zweibeiner stürmen die Hundebabys an das Eingangsgitter, stellen sich auf die Hinterbeine, geben quietschende Laute von sich und stolpern beim Versuch, so viel Aufmerksamkeit wie möglich zu erlangen, übereinander. Die drei Möpse reichen kaum bis zum Knöchel. Der Kleinste hat in dem Gewusel auch bald das Nachsehen. Etwas Abseits erholt er sich.

Skrupellose Schmuggler

Von den acht Welpen, die Zollbeamte am 14. Oktober an der A 17 im Kofferraum eines ungarischen Alfa Romeo fanden, sind heute nur sieben im Heim. „Einer war so schwach, der ist jetzt zur Pflege bei einer unserer Mitarbeiterinnen“, erklärt Kerstin Löbel. Ob das kleine Wesen durchkommt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. „Abgesehen von dem Schnupfen machen die Welpen bisher einen guten Eindruck.“ Wie zur Bestätigung, stürzen sich die sieben auf das gerade hereingereichte Futter.

Gleich bei ihrer Ankunft im Tierheim machten die Welpen Bekanntschaft mit dem Tierarzt, der alle notwendigen vorbeugenden Maßnahmen ergriff: Sie erhielten eine Grundimmunisierung, wurden entwurmt und gechipt. „Wir wussten nicht, was sie bereits erhalten hatten.“ Denn trotz des relativ guten Allgemeinzustandes der Tiere ließen sich aus den mitgeführten ungarischen Impfpässen keine brauchbaren Informationen ablesen. Auch weiß niemand, wie die Hundebabys lebten und ob sie die Veranlagung für bestimmte Krankheiten haben.

Rassehunde wie diese werden oft zu auffällig billigen Preisen angeboten, manchmal direkt aus dem Kofferraum heraus. Tierschutzorganisationen raten davon ab, Hunde auf diese Weise zu kaufen. Beim Kauf sei es immer wichtig, das Muttertier kennenzulernen und sich ein Bild von der Tierhaltung zu machen, rät der Deutsche Verband für Hundewesen (DVH).

Über die Herkunft der Welpen kann Kerstin Löbel nur Vermutungen anstellen. „Das ist wahrscheinlich die gleiche Hundemafia.“ Bereits im April dieses Jahres nahm das Tierheim zehn geschmuggelte Welpen auf, die, wie die Neuankömmlinge, viel zu früh von der Mutter getrennt wurden. Auch damals waren es die Rassen Mops und Spitz. Auch sie wurden in engen Boxen im Kofferraum eines Wagens mit ungarischem Fahrer transportiert und von Zollbeamten an der A 17 in Breitenau aufgegriffen. Gegen die Ungarn wurde jeweils ein Strafverfahren wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet. Für die Welpen haben sich inzwischen Interessenten aus ganz Deutschland gemeldet. Die Nachricht vom Welpenschmuggel verbreitete sich über das Internet, und der MDR berichtete. „Wir sammeln noch Adressen“, so Kerstin Löbel. Frühestens in sechs Wochen sind die Welpen zur Abgabe bereit.

In der Zwischenzeit werden sie weiter aufgepäppelt. Von den im April aufgegriffenen Welpen schaffte es einer nicht. Die anderen neun leben heute in Familien. „Dort machen wir dann auch Kontrollbesuche.“ Die Vorgaben für die Weitergabe sind streng. „Die Kleinen hier müssen noch alles lernen. Das erfordert Zeit und viel Geduld.“