merken
PLUS

Schnäppchen aus der Kleiderspende

Für den schmalen Geldbeutel ist der DRK-Fair-Kauf nach wie vor eine beliebte Anlaufstelle.

© André Wirsig

Von Felix Schackert

Vor der Eröffnung inspiziert Ines Kaltofen noch einmal den Laden. Sind die Waren in Ordnung? Muss etwas nachgelegt werden? Was haben wir noch auf Lager? Für die Leiterin des Fair-Kauf vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist das morgens Routine. Ist alles in Ordnung, öffnet die 45-Jährige dann um 10 Uhr die Türen. Vor dem Laden in der Osterbergstraße 26 stehen dann häufig schon ein paar Leute. Gerade am Anfang des Monats, wenn wieder Geld da ist. Einige suchen nach Schnäppchen. Die meisten aber sind auf den Fair-Kauf angewiesen.

Anzeige
Trendmarken in der Centrum Galerie
Trendmarken in der Centrum Galerie

Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Beim DRK arbeitet Kaltofen schon lange. 20 Jahre hat sie im Clara-Zetkin-Heim für die Senioren gekocht. Als die Dresdnerin aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, übernahm sie eine neue Aufgabe in der Kleiderkammer. Daraus entstand der Fair-Kauf. Bei dessen Eröffnung vor fünf Jahren war Kaltofen noch auf sich gestellt. Mit einer festen Mitarbeiterin, zwei 400-Euro-Jobbern und Praktikanten ist ihr Team mit der Zeit stark gewachsen. Waren es am Anfang nur 20 bis 30 Kunden pro Woche, sind es mittlerweile 80 jeden Tag. Dabei gehen im Schnitt 250 Artikel über die Ladentheke. Hartz-IV-Empfänger oder Inhaber eines Dresden-Passes erhalten eine Kundenkarte. Auf die ohnehin sehr niedrigen Preise bekommen sie dann noch einmal 50 Prozent Rabatt. 2 000 Menschen nutzen nun schon dieses Angebot. Die Hälfte davon ist regelmäßig hier. Und jede Woche kommen zwei neue dazu.

Die meiste Ware stammt aus den Kleidercontainern. Einiges bringen private Spender aber auch persönlich vorbei. Nicht nur Kleidung, sondern auch Lego, Holzbauklötze, Spielautos sowie Bücher. „Die Spielsachen sind kaum da und schon wieder weg“, sagt Kaltofen. Neben Spielzeug ist aber auch Herrenmode stark nachgefragt.

Jedes Stück wird von Kaltofen genau geprüft. Erst dann kommt es in den Verkauf. Die Preise legt die Chefin aus Erfahrung fest. Schließlich spricht sie täglich mit den Kunden. Nicht nur über Geld. Oft gehe es auch um Familie und Gesundheit. Und um das, was die Menschen in ihre schwierige Lage gebracht hat. „Die brauchen ja nicht nur Klamotten“, deutet Kaltofen an.

Es freut sie, wenn die Menschen etwas finden, „und sei’s nur ein T-Shirt“. Beim Verkauf hat sie auch schon viel erlebt. Einmal habe eine Frau im Laden fast entbunden und musste ins Krankenhaus. Sie ist Stammkundin. Ihre Tochter mittlerweile auch. Sie wird nun das Ladenkind genannt.