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Görlitz

Schneekoppe-Postbüro ist umgezogen

Das historische Häuschen steht jetzt nicht mehr im Riesengebirge, sondern in der Nähe von Prag.

Das alte Postamt von der Schneekoppe ist schon vor Jahren in Richtung Prag umgezogen. Nun musste es erneut ein neues Zuhause finden.
Das alte Postamt von der Schneekoppe ist schon vor Jahren in Richtung Prag umgezogen. Nun musste es erneut ein neues Zuhause finden. © Foto: Areál Monínec

Auf dem halben Weg zwischen Prag und Ceské Budìjovice (Budweis), im Ski- und Erholungsareal Monínec steht seit kurzem das alte Postamt von der Schneekoppe. Es dient auch wieder seinem ursprünglichen Zweck. Das Ski-Areal ist der neue Besitzer des Postbüros, das vorher schon zweimal vom Prager Unternehmer Tomáš Trnka aus Achtung vor der Tradition gerettet worden war. Das rund 120 Jahre alte Gebäude, das bei vielen Wanderern sehr beliebt gewesen ist, hat jetzt sogar feste Öffnungszeiten. „Täglich von 10 bis 18 Uhr. In dem historischen Interieur werden Postkarten und Briefmarken verkauft“, sagt Jaroslav Krejčí, Direktor des Skigebietes Monínec. Damit knüpfe man an die Tradition an, die mit dem Postamt einst gestartet worden war – auf der mit 1 603 Metern höchsten Erhebung des Riesengebirges .

Im Postamt konnte man seit September 1899 Ansichtskarten mit einem Gruß von der Schneekoppe abstempeln lassen. Nun kämpft der neue Besitzer mit der Bürokratie, um für das alte Postgebäude wieder einen Gedenkpoststempel zu bekommen. „Es wird noch ein paar Monate dauern, man muss halt Geduld haben“, sagte er. Das Büro wird aber nicht mehr klassisch als Post dienen, sondern fand eine neue Bestimmung – als Infozentrum für die touristische Region Toulava. Die Wanderer können sich dort zudem eine Ausstellung über den Werdegang des historischen Gebäudes anschauen. Auch ein kleiner Imbiss steht zur Verfügung. „Bestimmt wird es für viele Rad- und Skifahrer ein interessanter Zwischenstopp sein“, meint Krejčí. Das Postamt kann man auch mit Seilbahn ansteuern. Ein Ausflug ist also auch für Familien mit kleinen Kindern machbar.

Der Garten ruft

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Auf der Schneekoppe war das alte Postamt überflüssig geworden, denn man hatte ein neues Gebäude errichtet. Das alte sollte 2009 abgerissen werden. Unternehmer Tomáš Trnka wollte das aber nicht hinnehmen. Gemeinsam mit Freunden nahm er das Holzfachwerkhäuschen auseinander und stellte es auf einem Campingplatz unter dem Berg Javorová Skála in der Region Monínec wieder auf. Das Gebiet liegt südlich von Prag, unweit der Stadt Sedlec-Prčice – also schon ein ganzes Stück von der alten Heimat entfernt.

Jedes Holzstück und jeder Nagel hatten zuvor einen Code bekommen, damit alles originalgetreu wieder zusammengesetzt werden konnte. „Es wäre schade, wenn so ein Unikat im Ofen landet“, kommentierte Trnka seine Aktion.

Nun rettete er das Gebäude zum zweiten Mal. Der Campingplatz war in Insolvenz. Die Anlage wurde von einem neuen Besitzer übernommen, der aus dem historischen Holzbau eine Werkstatt machen wollte. Trnka setzte sich dann ein, um einen neuen – hoffentlich endgültigen – Standort zu finden. Das gelang, rund 700 Meter entfernt steht das Häuschen nun. Für den Umzug und Neuaufbau zahlte das Skigebiet rund 500 000 Kronen (etwa 20 000 Euro).

Karten bei Sammlern begehrt

Die ersten Ansichtskarten und Briefe mit dem runden Stempel der „kaiserlich und königlich österreichischen Post“ mit der Anschrift „Schneekoppe – Böhmen“, die für die Briefmarkensammler heute sehr wertvoll sind, wurden am 11. September 1899 abgeschickt. Das erste Postgebäude entstand im Jahr 1872. Der Initiator war wahrscheinlich der damalige Inhaber von zwei Gipfelbauden, Friedrich Sommer. Er erreichte, dass eine Handelsvertretung der Deutschen Reichspost in der Preußischen Baude an der Stelle der heutigen polnischen Baude eröffnet wurde. Im Jahre 1890 wurden vom Gipfel 130 Pakete abgeschickt, wobei das Postamt nur während der Sommersaison, von Mitte Mai bis Ende September, geöffnet war.

Während des Zweiten Weltkrieges war nur das Postamt auf der deutschen Seite der Schneekoppe in Betrieb, die Sendungen wurden in Ober-Krummhübel (Karpacz-Horní) abgestempelt. Schließlich waren alle Postämter auf der Schneekoppe geschlossen und wurden nicht genutzt. Lange glaubte man, das sei endgültig. Doch zur Freude vieler Postfans wurde das Tschechische Postamt 1994 wiedereröffnet.

Seit 2007 steht auf dem Schneekoppe-Gipfel ein neues, modernes Gebäude des Tschechischen Postamtes. Das Objekt aus Holz mit Stahlzugbändern wurde nach den Plänen der Architekten Martin Rajniš und Patrik Hoffman gebaut.

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