merken
PLUS Zittau

Schneemangel: Skilift noch keinen einzigen Tag gelaufen 

Der milde Winter bringt einen Skiverein bei Zittau in Existenznot. Denn Kosten in vierstelliger Höhe entstehen auch ohne Liftbetrieb.

Zur Untätigkeit verdammt: Frank Hirschmann vom ASVL Waltersdorf konnte den Skilift an der Lausche noch keinen einzigen Tag in Betrieb nehmen.
Zur Untätigkeit verdammt: Frank Hirschmann vom ASVL Waltersdorf konnte den Skilift an der Lausche noch keinen einzigen Tag in Betrieb nehmen. © Matthias Weber/photoweber.de

Frank Hirschmann steht mit verschränkten Armen. Der Liftwart vom Alpinen Skiverein an der Lausche (ASVL) ist zur Untätigkeit verdammt. Es ist zum Haareraufen. Hirschmann zieht die Stirn in Falten. Normalerweise ist der 54-Jährige den Winter über dazu da, den Skilift zu bedienen. Dafür hat der Verein ihn in der Saison angestellt. 

In diesem Winter aber ist der Lift noch keinen einzigen Tag gelaufen. Und wie es aussieht, wird er das auch in den kommenden Tagen nicht. So eine Situation, sagt Hirschmann, gab es noch nie. "Es liegt nicht ein einziger Zentimeter Schnee, da können wir auch nicht beschneien", erklärt er. Für eine komplette Schicht Kunstschnee von Null an würden weder das Wasser noch die Anlage reichen. "Und das würde  ja auch wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn machen", erklärt der Liftwart. "Und selbst wenn jetzt noch mal Schnee käme, macht eine Beschneiung wahrscheinlich keinen Sinn mehr", sagt er. 

Anzeige
Deine Chance auf Heimspiele:
Deine Chance auf Heimspiele:

Jetzt DSC-Saisonkarte 2020/21 sichern!

Es sieht ganz danach aus, dass Hirschmanns Einsatz in diesem Jahr überhaupt nicht gebraucht wird. Am kommenden Wochenende und in der nächsten Woche ist das besonders bitter. "In Brandenburg sind Ferien. Da brummt es hier normalerweise", sagt der Liftwart. "Das sind für uns immer die Wochen mit den höchsten Einnahmen."

© SZ Grafik

In diesem Jahr hat der Skiverein noch keinen einzigen Cent eingenommen. Und wie es jetzt aussieht, wird er das auch nicht. Es sei denn, es käme jetzt noch mal Naturschnee in Massen. Aber auch, wenn der Lift steht, entstehen laufende Kosten: Allein die Abschläge für den Strom machen knapp 1.000 Euro pro Monat aus. Der Verein muss den Tüv bezahlen und Versicherungen für Gebäude, Liftbetrieb und Maschinen. Normalerweise wären auch noch zwei Mitarbeiterinnen an der Kasse angestellt, auf die hat der Verein bereits verzichtet.

Am Dienstagabend hat es eine Krisensitzung gegeben beim Vorstand des Skivereins. Und Vereinsvorsitzender Tilo Knöbel sagt es, wie es ist: "Das Geld ist alle. Sämtliche Rücklagen sind aufgebraucht. Wir leben ab sofort auf Pump." Der Schneemangel hat den Skiverein in Existenznot gebracht. 

"Doch von nirgendwoher bekommen wir in so einer Situation Hilfe", sagt Knöbel. Kein Geldinstitut gewährt einem Verein in dieser Lage einen Überbrückungskredit. Und es gibt auch nirgendwo so etwas wie einen Nothilfefonds, aus dem der Verein unterstützt werden könnte. "Vereinsmitglieder geben jetzt privat Geld - in der Hoffnung, dass wir es irgendwann wieder einnehmen können.

Kunstschnee brächte zusätzliche Kosten

Doch darauf ist immer weniger Verlass. Seit 30 Jahren führt Tilo Knöbel penibel Statistik. Die zeigt: Selbst mit der Beschneiungsanlage - der Verein besitzt drei Schneekanonen - hat sich der Lift in den letzten Jahren gar nicht oder höchstens nur gerade so gerechnet. "Wir brauchen mindestens 45 Lift-Tage, damit sich der ganze Aufwand für uns auch rechnet", sagt der Vereinsvorsitzende. "Aber die hatten wir in den letzten sechs Jahren nicht. "Wenn wir zusätzlich auf Kunstschnee angewiesen sind, entstehen ja auch noch zusätzliche Kosten."  

Wie es weitergeht, ist für den Verein jetzt offen. Tilo Knöbel ärgert sich: "Wir arbeiten das ganze Jahr auf diese paar Wochen hin, rühren alles ein, bereiten alles vor, betreiben einen Riesenaufwand. Und dann?" Der Vereinsvorsitzende winkt ab. Es ärgert ihn vor allem, dass der Verein in dieser Situation völlig alleingelassen wird. "In den schönen Prospekten vom Zittauer Gebirge werben die Touristiker prächtig mit dem Skifahren am Lauschehang. Wie wir das machen, das scheint aber keinen zu interessieren."

Wenn die Saison vorüber ist, kündigt Tilo Knöbel an, will er das Problem thematisieren. "Ich werde die politisch Verantwortlichen fragen, wie es mit dem Wintertourismus denn nach ihren Vorstellungen weitergehen könnte, wenn wir dann nicht mehr können."

Weiterführende Artikel

Wird der Lausche-Lift je wieder laufen?

Wird der Lausche-Lift je wieder laufen?

Der letzte Winter war ein Totalausfall - mit schlimmen Folgen für den Waltersdorfer Skiverein. In der Corona-Krise aber hat dafür niemand mehr ein Ohr.

Lausche lädt erstmals zum Skifahren ein

Lausche lädt erstmals zum Skifahren ein

Der kleine Lift an der Rübezahlbaude in Waltersdorf hat seit Donnerstag geöffnet. Doch wie sieht's mit dem großen nebenan aus?

Wintersport ohne Schnee - geht das?

Wintersport ohne Schnee - geht das?

Sachsens Wintersportregionen müssen sich in diesem Winter einiges einfallen lassen, um auch ohne Schnee Besucher anzulocken.

Die für den 7. Februar geplante Veranstaltung "Rock am Hang" hat der Verein abgesagt. Die für den 15. Februar geplante Rocknacht an der Raupengarage soll auf jeden Fall  stattfinden - auch ohne Schnee.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Löbau und dem Oberland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau