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Schneider volljährig: 18 Jahre in Görlitz

Tagesgespräch mit Matthias Schneider

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Herr Schneider, als Görlitzer werden Sie heute 18 Jahre alt. Wie feiern Sie die Volljährigkeit?

Eher besinnlich. Vielleicht gehe ich mal bei Johannes Witoschek auf ein Bier vorbei – er war damals einer der ersten Görlitzer, denen ich bei meinem ersten Besuch hier begegnet bin. Aber am 19. Dezember blättere ich auch gerne mal in dem Buch, das ich über die ersten Jahre nach der Wende geschrieben habe.

Das heißt, dieses Datum ist bis heute ein besonderes?

Auf jeden Fall. Am 19. Dezember 1989 kam ich als recht junger Journalist aus der Partnerstadt Wiesbaden nach Görlitz, kurz nach dem ersten Besuch des damaligen Wiesbadener Oberbürgermeister Achim Exner. Ich habe dabei das Rathaus besucht, das Theater, die Stadthalle. Und ich hätte natürlich nie gedacht, dass ich dort überall einmal arbeiten würde.

Damals war die Stadt neu und aufregend für Sie. Wie hat sich diese große Liebe entwickelt?

Wie das so ist in Beziehungen im Jugendalter. Es gab euphorische Zeiten, es gab die Rüpeljahre – damit meine ich, dass es durchaus nicht immer einfach war. Am Anfang waren doch viele Görlitzer skeptisch, was da für ein Wessi kommt. Und es gab richtige Frustphasen.

Was hat Sie frustriert?

Ich hatte nicht die Stadthalle als Geschäftsführer übernommen, um sie zu schließen. Und ich wollte keine Tourismus- und Marketinggesellschaft leiten, um etliche Mitarbeiter zu entlassen. Das war besonders bitter, weil ich wusste, dass sie über viele Jahre eine gute Arbeit gemacht hatten und dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt für sie sehr schwierig werden würde.

Aber jetzt blühen Sie unterm Dach des Theaters wieder auf?

Es macht mir Spaß, wieder mehr Zeit für kreative Sachen und für die Organisation von Veranstaltungen einsetzen zu können. Es ist schön, das Altstadtfest, das ViaThea oder auch den Christkindelmarkt mit organisieren zu können.

Sind sie „mit 18“ auch voll und ganz Görlitzer?

Früher habe ich immer gesagt, ich sei ein Wieslitzer oder Görbadener. Wenn ich nun zu Weihnachten in Wiesbaden bin und zum Abschied sage: Ich fahre nach Hause – dann meine ich Görlitz. Ich bin nicht mehr der Zugereiste.

Mit 18 darf man auch bis dahin verbotene Entdeckungen machen. Reizt die Stadt noch Ihre Neugier?

Auf jeden Fall. Insofern bin ich wirklich noch ein junger Görlitzer, denn wenn ich durch die Stadt laufe, entdecke ich immer wieder Neues, Erstaunliches, auch Aufregendes.

Als Volljähriger dürfen Sie auch in der Öffentlichkeit rauchen. Was ist Ihr Lieblingsplatz dafür?

Im Sommer die Bänke auf dem Untermarkt. Das ist ein herrlich mediterranes Flair, das ich immer wieder sehr genieße.

Gespräch: Frank Seibel