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Radebeul

Mundschutz statt Hundemode

Damit die Nähmaschinen nicht still stehen, hat eine Schneiderei aus Coswig eine Idee entwickelt. Die findet guten Absatz.

Carmen Düring entwirft normalerweise Hundemode. Doch die spielt in Krisenzeiten keine Rolle mehr. Jetzt entstehen andere Produkte.
Carmen Düring entwirft normalerweise Hundemode. Doch die spielt in Krisenzeiten keine Rolle mehr. Jetzt entstehen andere Produkte. © privat

Coswig. Das Auftragsbuch ist nach Messen voll. Aber die letzten Messereisen sind ausgefallen oder die Besucher fehlten. Schwierige Zeiten also auch für „RRDog’sWare“. Die Marke näht in Coswig Bekleidung nach Maß für Hunde aller Größen und Rassen. Die Hundebekleidung spielt jetzt in der Krisenzeit jedoch kaum eine Rolle. Damit die Nähmaschinen nicht stillstehen, haben Carmen und Jörg Düring kurzfristig ein neues Produkt aufgenommen, nachdem es eine Anfrage dazu gab: Sie produzieren Mundschutztücher. Not macht erfinderisch.

Die Tücher sind in sechs verschiedenen Farben erhältlich sowie nachhaltig wiederverwendbar, bis zu 90 Grad waschbar und für Desinfektionslösungen geeignet.

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Geliefert wird ein handgenähtes, angenehm tragbares Tuch zur deutlichen Verbesserung der persönlichen Hygiene sowie Unterstützung der Rücksichtnahme gegenüber Dritten, heißt es in der Produktbeschreibung. „Eine Schutzklasse ist nicht ausgeschrieben. Das Tragen schließt regelmäßiges Händewaschen, umsichtiges Verhalten sowie sonst übliche Körperhygiene nicht aus“, betonen Dürings. So ein Schutztuch bringt den großen Vorteil, dass es den versehentlichen Handkontakt mit Nase und Mund unterbindet. „Ein nicht unbedeutendes Risiko weniger“, so Jörg Düring, der noch einmal betont, dass es sich nicht um eine Virenschutzmaske handelt.

Bis zu 1.000 Stück lieferbar

Hygieneartikel sind in Apotheken und Sanitätshäusern häufig ausverkauft, Dürings könnten liefern. Unterdessen gab es sogar schon Anfragen von Firmen und Privatpersonen aus Frankreich, Österreich und den Benelux-Ländern. Allerdings gibt es ein Ausfuhrverbot für medizinische Waren. Daran halten sich Dürings. Auch, weil sie lieber schnellstmöglich Kunden in Deutschland helfen und beliefern wollen.

Bestellbar sind die Mundschutztücher im Onlineshop, per Mail oder Telefon. In kleinen Mengen für Privatpersonen, aber auch über 1.000 Stück sind lieferbar. „Bei größeren Abnahmemengen habe ich eine Preisstaffel kalkuliert“, so Jörg Düring.

Am Montag kam die erste Stofflieferung in Coswig an, das Material ist gut verfügbar. „Wir haben sofort vorproduziert, fügen die Halterungen aber erst bei Bestellung hinzu“, sagt Jörg Düring. Die Kunden können zwischen Gummischlaufen oder Bändern als Verschluss wählen.

Vor sechs Jahren entstand das erste Modell davon. Unterdessen bietet die Marke „RRDog‘sware“ verschiedene Funktionskleidung für Hunde aller Größen an, ver-kauft sie deutschlandweit seh rerfolgreich. Wilma heißt die Hündin, die für alle Ausführungen Modell steht, Ideen- und Namensgeberin ist. Denn der Rhodesian Ridgeback der Dürings geht bei Regen nicht gern vor die Tür. Das Ehepaar suchte deshalb nach der passenden Bekleidung, war mit dem Angebot aber nicht zufrieden, wie Carmen Düring erzählt. Sie entwickelte selbst einen Schnitt. Zufällig landete ein Foto vom Bodywarmer in einer Facebook-Gruppe. Danach stapelten sich die Anfragen von Hundebesitzern.

Ein zweites Fell

Der Anzug besteht aus Laminatstoff, schützt Brust, Bauch und Rücken, ist wind- und wasserdicht und das meistgelieferte Modell. Dabei bietet die Marke unterdessen noch viel mehr an: Regencapes, Warnwesten, Läufigkeitshosen, Bademäntel und Beinlinge zum Beispiel. Was Carmen und Jörg Düring kreieren, ist kein modischer Schnickschnack für Vierbeiner. Es ist mehr ein zweites Fell. Die Mäntel sind sportlich, funktional und an die Anatomie der Hunde angepasst. Gedacht sind sie vor allem für Rassen mit kurzem Fell und fehlender Unterwolle. Wie für Rhodesian Ridgeback, aber auch viele kleine Rassen bibbern im Winter.

Für Besitzer von Hunden mit langem Fell sind die Bademäntel interessant. Damit das Auto nach dem Spaziergang nicht nass wird. Die Rassen mit langen Hälsen, wie Windhunde, können sicher kälten. Für sie wurde der Loop, eine Art Schal, entwickelt. Wer seinen Hund öfter mit in den Pferdestall nimmt und ihn vor Bremsen schützen will, der findet im Sortiment eine Insektenschutzweste aus biss- und stichfestem Material. „Das gibt es auf dem Markt sonst nicht“, sagt Jörg Düring. Und wer es etwas edler mag, der kann seinem Hund einen Mantel aus gewalkter Schurwolle außen und Kaschmir-Mischgewebe innen gönnen. An die heißen Sommer haben Dürings ebenfalls gedacht: mit der Kühlweste. Zwei Spezialpads, die mit Wasser befeuchtet werden, sorgen für Abkühlung, ohne dass der Hund unterkühlt.

Die meisten Hunderassen hat das Paar erst im Laufe der Jahre kennengelernt. Und auch viele Ideen zur Funktionskleidung kamen mit der Zeit. Wie zum Beispiel die Beinlinge, die verhindern sollen, dass sich beim Spaziergang durch den Schnee Eisklumpen im Beinfell bilden.

Lieferung mit Zufriedenheitsgarantie

Bis zu 20 nationale und internationale Messen besuchen Dürings und Wilma unterdessen pro Jahr. Beliefert werden ausschließlich Privatpersonen. Es gibt aber Vermittlungspartner. Das sind zum Beispiel Hundesalons, die ihre Kunden einladen, Modelle zeigen, beim Hundvermessen helfen und dann Sammelbestellungen aufgeben. „Ähnlich wie bei einer Tupperparty“, erklärt Jörg Düring. Damit jedes Teil passt, müssen Brust- und Halsumfang sowie Rückenlänge gemessen werden. Die Jacken und Mäntel kommen in knalligen Farben oder auch mit Knochen, Sternen, gestreift wie eine Hummel oder in Camouflage-Optik.

Die meisten Kunden gibt es in Süddeutschland, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. Dort, wo auch die großen Haustiermessen stattfinden. Genäht wird alles im Souterrain am Wettinplatz in Coswig. Bei Dürings herrscht Arbeitsteilung. Er ist für die Website und die sozialen Medien zuständig. Carmen Düring schneidet zu. Eine Mitarbeiterin näht alles zusammen. Die Lieferzeit liegt im Herbst, zur Hochzeit, wo den meisten einfällt, dass ihr Hund friert oder sie auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk sind für ihren Vierbeiner, bei ungefähr drei Wochen. Dafür ist die Ware „Made in Germany“, worauf Dörings viel Wert legen.

Und es gibt eine Zufriedenheitsgarantie. Wenn nach der Anprobe festgestellt wird, dass es doch nicht passt, wird noch einmal geändert. Und auch wenn der Hund mal ein paar Kilo zulegt, ist eine Änderung möglich.

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Die Marke würde gern noch weiter wachsen. „Aber eine Nähmaschine ist unbesetzt“, sagt Jörg Düring. Es sei schon schwer gewesen, eine Schneiderin für die erste Maschine zu finden. Dabei sei es keine Fließbandarbeit, die geleistet werden muss. Und man darf seinen Hund mit zur Arbeit bringen - sofern Wilma sich mit ihm versteht.

Weitere Infos sind auf der Internetseite der Firma zu finden. Bestellungen können per Mail oder Telefon (035267-55365) abgegeben werden.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.