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Schneidern für Individualisten

Eine Waldheimerin verwirklicht einen Lebenstraum. Sie eröffnet eine Schneiderei für nicht alltägliche Kostüme.

Von Helene Krause

An einer Stange hängen Abendkleider in verschiedenen Größen. Auf einem großen Schneidertisch stapeln sich neben einem Stecknadelkissen und einer Schere mehrere Faschingskostüme. Zwei Nähmaschinen stehen vor einer Wand und eine Dritte, ein uraltes Modell, dient in einer Ecke zur Dekoration. All die Gegenstände befinden sich in der Schneiderwerkstatt von Maria Laub.

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Mit einem Tag der offenen Tür eröffnete die 51-Jährige am 1. Juni ihre Schneiderwerkstatt an der Talstraße. „Ich habe lange überlegt“, sagt Maria Laub, „ob ich mich selbstständig machen soll. Der Entschluss hat mich zahlreiche schlaflose Nächte und auch Tränen gekostet.“ Ihr Mann, die drei Töchter und ihr Sohn, unterstützten ihr Vorhaben von Anfang an. So halfen sie bei der Vorbereitung für die Werkstatteröffnung mit.

Gelernt hat Maria Laub Buchhalterin und Schneiderin. Geschneidert hat sie ursprünglich nur für sich selber. Der Buchhalterberuf ging vor. Den hat sie sechs Jahre lang in einem Großbetrieb ausgeübt. „Büroarbeit war nichts für mich“, sagt sie. Deshalb ging sie in einen Kindergarten als Erzieherin. Als ein Gesetz herauskam, dass nur ausgebildete Fachkräfte als Erzieherin zugelassen wurden, musste sie im Kindergarten aufhören. „Noch einmal studieren wollte ich nicht“, erklärt sie. „Ich hatte Familie. Das war mir zu viel.“ Weil sie gern nähte, lernte sie Schneiderin. Ihr erstes selbstgenähtes Kleid fertigte sie aber schon in Kindertagen. Damals zerschnitt sie ein Kleid der Mutter. Aus dem Stoff fertigte sie ein Puppenkleid an. Ihre Mutter war darüber traurig und weinte sogar.

1994 siedelte die Familie nach Deutschland über. Maria Laub fand bei Florena in Waldheim ein neues Tätigkeitsfeld. 18 Jahre arbeitete sie dort am Band. Dann musste sie aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Sie fiel in ein Loch. Für eine Berufsunfähigkeitsrente war sie nicht krank genug und für einen schweren Job, zu krank. In der Kurklinik brachte man sie auf die Idee, sich mit dem Schneidern selbstständig zumachen. Im Nebengewerbe fing sie an. „Ich wollte sehen, wie es läuft und mich ausprobieren“, sagt sie.

Ungeliebte Änderungen

Zuerst nähte sie nur für sich, Familie und Freunde, Nachbarn und Bekannte. Von denen erhielt sie für ihre Arbeit Pralinen oder andere kleine Geschenke. „Das zeigte mir, was ich will“, erklärt sie. Und auch, was sie nicht will, nämlich eine Änderungsschneiderei. „Das fördert meine Kreativität nicht. Auch feste Öffnungszeiten gibt es in ihrer Werkstatt nicht, sondern Termine nach Vereinbarung.

Maria Laub will vor allem für Damen arbeiten, Abendkleider, Kostüme und Brautkleider nähen. Auch auf Übergrößen hat sie sich spezialisiert. Des Weiteren möchte sie Faschingskostüme nähen. „Abendkleider und Faschingskostüme gibt es im Geschäft jede Menge von der Stange“, findet sie. „Das ist nichts Individuelles dabei.“Auch für Leute, die Themenhochzeiten planen, will sie die entsprechende Garderobe nähen. Neben den Kunden, die in ihre Werkstatt kommen und ihre Modelle erwerben, will sie ihre Kleider und Kostüme auch über das Internet verkaufen. Später soll noch eine Ausleihe für Festkleider und Faschingskostüme dazu kommen. Ob sie die ungeliebte Änderungsschneiderei oder die Reparaturarbeiten noch zusätzlich anbieten muss, wird die Zeit zeigen.