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Schnell in Pirna – und dann?

Pirnas Oberbürgermeister Markus Ulbig (CDU) unterbricht heute seinen Urlaub. „Das ist ein ganz wichtiger Tag für Pirna, da muss ich da sein“, sagt er: Schließlich wird die Autobahn 17 am Mittag bis zur Anschlussstelle Pirna freigegeben.

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Von Jana Klameth

Pirnas Oberbürgermeister Markus Ulbig (CDU) unterbricht heute seinen Urlaub. „Das ist ein ganz wichtiger Tag für Pirna, da muss ich da sein“, sagt er: Schließlich wird die Autobahn 17 am Mittag bis zur Anschlussstelle Pirna freigegeben. Damit verkürzt sich die Autofahrt zwischen der Kreisstadt der Sächsischen Schweiz und Dresden um rund 30 Minuten. Pendler, Pirna-Besucher und Touristen wird es freuen.

„Aber nur, wenn sie nicht von Pirna aus weiter wollen in die Sächsische Schweiz, dann stehen sie nämlich im Stau“, erzählt der Heidenauer Günter Herbrich aus eigenem Erleben. Er kann deshalb absolut nicht verstehen, warum Kommunal- und andere Politiker nur allesamt über die Autobahneröffnung jubeln, statt konsequent zu fordern, dass der Verkehr auch ordentlich weiterrollen kann. Wie es an Ort und Stelle konkret aussieht, hat die SZ untersucht:

Lockwitztalbrücke

Die erste Engstelle befindet sich auf der Autobahn selbst. Die Lockwitztalbrücke ist vorerst in jede Richtung nur einspurig befahrbar. Wegen einer Firmenpleite sind die Arbeiten an dem Bauwerk in Verzug geraten, so dass jetzt nur eine Hälfte befahrbar ist. Komplett fertig gestellt wird die Brücke erst Mitte Dezember 2005.

Abfahrt Pirna

Der Pirnaer Autobahnzubringer ist schon seit Oktober 2004 in Betrieb. Die vierspurige Straße verbindet zudem das Müglitztal mit der B 172 in Pirna. In beiden Richtungen ist man mit Tempo 100 schnell vor Ort. Doch dann hakt es.

In Pirna muss man sich auf der B 172 meist sofort in eine lange Autoschlange einreihen: Das Straßenbauamt Dresden baut noch bis Ende Oktober/Anfang November die Bundesstraße aus. Bis dahin sind Wartezeiten an den Baustellenampeln die Regel. „Wir werden deshalb bereits am Autobahnzubringer die Kraftfahrer vor dem Stau warnen und Pirna-Besuchern empfehlen, über die neue Sachsenbrücke bis Pirna-Copitz und über die Altstadtbrücke ins Zentrum zu fahren“, sagt Steffen Martin, Ordnungsleiter der Stadt Pirna. Wer allerdings weiter in die Sächsische Schweiz wolle, der müsse sich wohl oder übel in den Stau einreihen.

Ganz schlimm für alle Besucher der Sächsischen Schweiz wird es in den zwei Wochen ab dem 12. September. Dann wird auch noch die Fahrbahn der serpentinenreichen Sonnensteinauffahrt erneuert. Der Verkehr kann dann nur in einer Richtung auf der B 172 rollen, die andere Richtung wird über Neundorf umgeleitet, kündigt das Straßenbauamt Dresden an.

Doch auch wenn die Arbeiten an der B 172 beendet sind, bleibt Pirna eine Staufalle. Abhilfe kann erst die geplante Südumgehung schaffen, die vom Autobahnzubringer über den Feistenberg zum Sonnenstein führen soll. Das Vorhaben steht zwar mit dem Vermerk vordringlich im Bundesverkehswegeplan, doch bis heute gibt es noch nicht einmal eine Vorplanung. „Wir warten auf den Startschuss“, sagt Reinhard Zehler, Projektleiter bei der Deges, die die Straße bauen soll. Er rechnet frühestens mit einem Baubeginn 2007, eher 2008 und mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren.

Auch wer künftig von der A 17, Abfahrt Pirna, in Richtung Radeberg will, muss sich nach wie vor durch viele kleine Orte quälen. Die Pirnaer Westumfahrung, die zugleich die Dresdner Ostumfahrung ist, wurde bisher erst bis Pirna-Jessen ausgebaut. Der Baubeginn für den nächsten Abschnitt bis Wünschendorf steht 2007 im Plan. Der Ausbau der Strecke Wünschendorf – Eschdorf soll voraussichtlich 2008 begonnen werden.

Abfahrt Heidenau

Kurz nach der Lockwitztalkreuzung biegt die A17-Zufahrt zur Anschlussstelle Heidenau von der B 172 ab. Diese ist dreispurig ausgebaut und komplett fertig gestellt. Allerdings nur aus dieser Richtung. Geplant ist außerdem eine Zufahrt aus Richtung Borthen/Röhrsdorf. Dafür erwartet das Straßenbauamt Dresden in den nächsten Tagen den Planfeststellungsbeschluss. Im Frühjahr 2006 sollen die Arbeiten beginnen. Borthener Anwohner haben jedoch bereits eine Klage gegen diese Baumaßnahme angekündigt.

Abfahrt Prohlis

Aus Richtung Dresden ist diese Zufahrt seit Oktober freigegeben. Doch auch hier klemmt es in der anderen Richtung. Für die Ortsumgehung Goppeln, Hänichen und Rippien läuft immer noch das Planfeststellungsverfahren. Fertig wird die Straße frühestens 2008. Ursprünglich geplant und von den Anwohnern gefordert wurde eine zeitgleiche Öffnung mit der Autobahn …

Fazit

Autofahrer können sich freuen, dass sie ab heute Mittag 13 Uhr auf insgesamt 25,3 Kilometern der A17 schnell und bequem ein gutes Stück rund um Dresden vorankommen werden. Sie sollten aber auch damit rechnen, nach der Abfahrt von der Autobahn bald wieder im alltäglichen Stau zu stecken.