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Schnelle Hilfe nach dem Sturm

Der Taifun Haiyan hat 2013 weite Landstriche der Philippinen zerstört. Richard Kupke hilft beim Wiederaufbau.

© Norbert Neumann

Von Juliane Richter

Schritt für Schritt

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Für einen Moment glimmt ein Fünkchen Hoffnung auf. In Palo, einer kleinen Stadt an der Ostküste der Philippinen-Insel Leyte, haben sich die Bewohner in der Nacht zum 8. November 2013 auf einen starken Sturm vorbereitet. Zwar peitschen heftige Winde über die Inselgruppe, die mitreißen, was nicht gut genug verankert ist. Doch unerwartet flaut der Sturm wieder ab. Alles scheint glimpflich überstanden – bis das Wasser kommt.

Im Dezember 2013 beherrschen noch Trümmer das Bild in der Stadt Palo. © privat
Ein Jahr danach gibt es für die Bewohner eine Perspektive. Den Spenden aus Dresden danken sie mit einem speziellen Namen. © privat

Palo liegt fast 1,5 Kilometer von der Pazifikküste entfernt. Trotzdem reißen die Fluten, die der Taifun „Haiyan“ mit sich bringt, Autos fort, zerstören Häuser und fordern Menschenleben. Mehr als 7 000 sind es auf den ganzen Philippinen. 400 sollen es allein in dem kleinen Ortsteil San Joaquin sein, sagt Richard Kupke. Sechs Wochen nach der Katastrophe ist der 29-jährige Ingenieur aus Dresden dort vor Ort. Immer an seiner Seite ist seine Freundin Annie Peralta. Sie stammt selbst von den Philippinen. Ihre Familie in Manila ist nicht vom Sturm betroffen, dafür aber die einer guten Freundin in Palo, die drei nahe Angehörige verliert. „Ich selbst habe nie Krieg erlebt. Deshalb war es eine ungeahnte Art der Zerstörung“, erinnert sich Richard Kupke an die ersten Eindrücke vom Besuch in der betroffenen Region.

250 Euro für ein Haus

Düster sei der Weg nach Palo gewesen. Alle Kokosnusspalmen, die in großen Plantagen vor dem Dorf standen, sind quasi geköpft. Kaum ein Palmenblatt hat sich an den Stämmen gehalten. Die Hauptstraßen haben die Philippiner nach dem Taifun schnellstmöglich freigeräumt, doch an deren Rändern türmen sich noch immer die Trümmer. Für den Wiederaufbau der Häuser fehlt den meisten Menschen das Geld. Deshalb wollen Richard Kupke und seine Freundin helfen.

Schon von Deutschland aus haben sie mit einem Bekannten, der in San Joaquin lebt, Kontakt aufgenommen. „Joel wohnt in einem stabil gebauten Haus und war selbst nicht betroffen. Er wollte deshalb auch helfen und hatte einen genauen Plan entwickelt, wie das Dorf wieder aufgebaut werden könnte“, sagt Richard Kupke. Denn einen Großteil der Holzhütten hat der Sturm, der bis zu 300 Kilometer pro Stunde erreicht hat, einfach mitgerissen.

Zunächst werden weitere Notunterkünfte benötigt, später sollen neue Häuser aus Zement gebaut werden, die kommenden Stürmen besser standhalten. Umgerechnet 250 Euro kostet ein solches Haus. Mit diesem Betrag wirbt Kupke in Dresden bei Arbeitskollegen und Bekannten um Spenden. Auch sein Vater, der als Arzt arbeitet, spricht seine Kollegen an. In einer ersten Sammelaktion kommen so 2 000 Euro zusammen, die Kupke in San Joaquin an seinen Bekannten Joel übergibt.

Bedenken, dass das Geld falsch eingesetzt werden könnte, hat er keine. „Es gibt eine genaue Auflistung, wie viel Geld die Bewohner bekommen haben und was damit gemacht wurde“, sagt Kupke. Sein Bekannter Joel hat sich Kriterien überlegt, welche betroffenen Bewohner des Ortes von den Spenden aus Deutschland profitieren können. Demnach dürfen sich Familien bewerben, bei denen entweder mindestens ein Elternteil gestorben ist, drei oder mehr Kinder im Haushalt leben oder die über kein Einkommen mehr verfügen. Denn viele von den Dorfbewohnern haben auf den Kokosnussplantagen gearbeitet. Taifun „Haiyan“ hat ihnen zunächst die Lebensgrundlage entzogen.

Bis zum März 2014 entstehen 14 neue Hütten, zwei Monate später sind es bereits 25. Kupke setzt seine Sammelaktion fort und trägt am Ende rund 12 000 Euro zusammen. Ein Teil des Geldes wird auch für einen Grundstückskauf genutzt, auf dem weitere Häuser entstehen. Die dortigen Bewohner sind für die Hilfe aus Deutschland überaus dankbar, sagt Kupke. „Weil wir das Geld direkt geben konnten, ohne eine zwischengeschaltete Organisation, waren wir quasi die Ersten, die geholfen haben“, sagt er. Die Bewohner des neu entstandenen Ortsteiles wollen diese Hilfsbereitschaft nicht vergessen – und haben ihr neues Zuhause deshalb „Dresden Ville“ genannt. Von den Fortschritten hat sich der junge Ingenieur mit seiner Freundin dort etwa ein Jahr später noch einmal überzeugt. Neben viel Dankbarkeit schlägt ihnen auch pure Freude entgegen. „Die Philippiner sind wahre Stehaufmännchen und von Grund auf ein zufriedener Menschentyp. Sie brauchen nichts Großes“, sagt Kupke.

Er ist von ihnen sichtlich beeindruckt – und will weiter Geld sammeln. Denn während sich deren Wohnsituation verbessert hat, mangelt es noch an der medizinischen Versorgung. Zwar wurde eine Art Krankenstation gebaut, bisher ist deren Ausstattung jedoch eher karg. Sein Vater Torsten Kupke weiß als Arzt, was dort alles benötigt wird. Er unterstützt das Engagement seines Sohnes in vollem Umfang und dankt auch den Spendern. „Diejenigen, die ihr Geld gegeben haben, wollten gar keine Spendenquittung. Ihnen ging es wirklich nur darum, das Leid der Menschen zu lindern“, sagt er.

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