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Schnelles Internet für Löbtau

Die schlechte Verbindung stellt vor allem Studenten und Ladenbesitzer vor Probleme. Ab April soll sich das ändern.

© dpa

Von Jana Mundus

Löbtaus Ruf als Studentenviertel leidet. Wer heute studiert, muss ins Internet. Bei Recherchen für Hausarbeiten, für das Herunterladen von Seminarmaterialien oder zum Anschauen von Vorlesungsvideos. Als Cindy Wiedemann und ihr Mitbewohner Michael Binner im Juni 2014 ihre Studenten-WG in der Stollestraße bezogen, waren sie guter Dinge. Die Sache mit dem Internetanschluss sollte kein Problem sein, dachten sie. Schließlich hatte der Vormieter eine schnelle Verbindung. Doch aus diesem Traum wurde nichts. Über ein Jahr kämpften sie dafür, dass sie überhaupt einen Anschluss bekommen. Den haben sie zwar seit September. Doch die Verbindung ins Netz ist miserabel. Im vermeintlichen Studenten-Stadtteil kein Einzelfall.

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Auf ihre Prüfungen hat sich Cindy Wiedemann bei ihrer Oma in Naußlitz vorbereitet. „Die hat eine schnelle Internetverbindung“, sagt die 23-Jährige, die Wirtschaftswissenschaften studiert. Wenn sie von ihrer Odyssee in Sachen Internetzugang erzählt, verdreht sie oft die Augen. „In heutigen Zeiten ist das echt ein Unding“, resümiert sie. Nach ihrem Einzug im Sommer 2014 fragten sie und ihr Mitbewohner als Erstes beim Anbieter O2 nach einem Vertrag für Telefon und Internet. Dort winkte man ab. „Aus technischen Gründen erhielten wir eine Absage.“ Bei Vodafone wenig später das Gleiche. Also wandten sie sich im Februar direkt an die Telekom, der die Leitungen eigentlichen gehören. „Dort lehnte man uns mit der Begründung ab, dass es zu wenig sogenannte Ports gibt.“ In den Verteilerkästen an den Straßen sind das die Anschlüsse für die einzelnen Haushalte. Davon gibt es wohl zu wenig.

Die Studenten suchten deshalb Hilfe im Bürgerbüro der SPD-Landtagsabgeordneten Eva-Maria Stange. „Uns hat nicht erst die Bitte von Frau Wiedemann auf das Problem aufmerksam gemacht“, sagt die Politikerin. Das flächendeckende Angebot von Breitband-Internetverbindungen sei in Löbtau derzeit mangelhaft und ein großes Problem. Nicht nur für Privatleute. Auch die vielen Gewerbetreibenden in Löbtau leiden schon seit Jahren unter der Situation. „Ich unterstütze deshalb auch den Gewerbeverein bei seinen Bemühungen, die Telekom zu einem schnelleren Ausbau zu bewegen.“ Andreas Hirtes, Vorsitzender des Vereins, bestätigt Gespräche mit der Telekom. „Uns wurde gesagt, dass es ab 1. April 2016 schnelles Internet für Löbtau geben wird.“ Er hofft, dass der Telekommunikationsriese dieses Versprechen auch einhält.

Die Aussagen von Telekom-Sprecher Hubertus Kischkewitz könnten Hirtes zumindest positiv stimmen. „Wir investieren jährlich bis zu vier Milliarden Euro in den Netzausbau“, erklärt er. Dennoch könnte nicht überall gleichzeitig reagiert werden. „Aber Dresden hat und wird weiterhin von unseren Investitionen profitieren.“ So läuft der Ausbau derzeit in Striesen, Blasewitz und Strehlen. „In Kürze werden wir auch schon über Inbetriebnahmen schneller Internetanschlüsse in weiteren Gebieten berichten können. Darunter werden auch Teile von Löbtau sein.“

Ob die Studenten-WG in der Stollestraße davon profitiert, wird sich zeigen. Über den Anbieter 1&1 ergatterten sie Ende September doch noch einen Internetanschluss. „Die haben einfach immer wieder bei der Telekom nachgehakt, ob sie doch noch einen freien Port für uns haben“, erzählt Cindy Wiedemann. Ganz ideal ist die Situation aber auch jetzt nicht. Versprochen wurde den beiden eine Verbindung, bei der in der Sekunde 6 000 Kilobits übertragen werden. Ein Test ergab allerdings: Es kommen nur 2 000 Kilobits pro Sekunde an. Zu langsam für so manche Internetseite oder Video auf der Plattform Youtube. „Die tatsächlich ankommende Bandbreite ist von vielen Faktoren abhängig“, so Hubertus Kischkewitz von der Telekom. Unter anderem von der Art der Leitung ins Haus und in die Wohnung oder der Entfernung von den Straßenverteilern zum Hausanschluss. Den vollen Preis fürs Internet von 20 Euro in den ersten drei Monaten darf die WG trotzdem zahlen. Danach kostet es sogar 25 Euro. „Die Alternative wäre ein Umzug“, fügt die Studentin hilflos hinzu.

Eva-Maria Stange sieht in der Lösung der Internet-Probleme für Löbtau auch eine wichtige Standortfrage. Mit der kommenden Zentralhaltestelle wird die Kesselsdorfer Straße wirtschaftlich wiederbelebt. Dass das auch junge Leute anlockt, ist klar. Damit die sich langfristig an den Stadtteil binden, ist eine ordentliche Internetversorgung wichtig. „Die darf der in anderen Stadtteilen Dresdens in nichts nachstehen.“ Die Landesregierung will mit ihrem Förderprogramm „Digitale Offensive Sachsen“ bis zum Ende des Jahres eine neue Möglichkeit schaffen, diese Strukturen aufzubauen. „Die Gelder dafür werden noch einmal deutlich aufgestockt“, so Stange. Sollte die Telekom ihre Versprechen nicht wahr machen, will sich die Politikerin dafür einsetzen, dass Löbtau bei diesem Programm zum Zuge kommt.