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Schnelles Internet kommt langsam

Thiendorf hat nun den Breitbandausbau für seine südlichen Ortsteile an die Telekom vergeben – eine teure und langwierige Angelegenheit.

Im Juni 2017 war Baubeginn für das schnelle Internet in Thiendorf, das dort jetzt schon verfügbar ist. Hier: pac-Chefin Martina Feindura und Thiendorfs Bürgermeister Dirk Mocker (re.) sowie Frank Sparmann von der Telekom.
Im Juni 2017 war Baubeginn für das schnelle Internet in Thiendorf, das dort jetzt schon verfügbar ist. Hier: pac-Chefin Martina Feindura und Thiendorfs Bürgermeister Dirk Mocker (re.) sowie Frank Sparmann von der Telekom. © KD BRUEHL

Tauscha. Klaus Haupold versteht die Welt nicht mehr. Er bewohnt ein hübsches Anwesen am Ortsrand von Kleinnaundorf, bei dem alles stimmt, nur nicht die Internetverbindung. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist unterirdisch, manchmal regt sich für Stunden gar nichts. Das soll sich nun zwar ändern. 

Der Thiendorfer Gemeinderat hatte am Mittwochabend die Vergabe des Breitbandausbaus auf der Tagesordnung – aber eins stieß Haupold bitter auf: Die Telekom, die den Zuschlag erhielt, gibt als Realisierungszeitraum 48 Monate an. „Dann bin ich 72 Jahre alt“, sagt der agile Kleinnaundorfer. „Ein Gigabit pro Sekunde brauche ich da wohl nicht mehr.“

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Thiendorfs Gemeinderäte hätten den Ausbau wohl auch gern schneller gehabt, aber ihnen blieb letztlich keine Wahl. Die Telekom war bei der europaweiten Ausschreibung des Breitbandausbaus für Tauscha, Dobra, Kleinnaundorf und Würschnitz als einziger Anbieter übrig geblieben. 

Zunächst hatte noch die Enso Interesse bekundet, sprang dann aber wieder ab. So mussten die Volksvertreter letztlich zustimmen und die Vorgaben des Kommunikationsriesen akzeptieren. Entweder schnelles Internet auf lange Sicht oder gar keins. Das nennt man wohl alternativlos.

Ursache für die angekündigte lange Wartezeit sind die Fördermodalitäten von Bund und Freistaat. Geldzuschüsse gibt es nur noch für die Verlegung von Glasfaserkabel bis zum jeweiligen Grundstück. Die fließen zwar reichlich – momentan ist eine 90-prozentige, ziemlich unbürokratische Förderung usus. Aber auf dem Lande bedeutet das: Der Anbieter muss über weite Strecken Kabel in die Erde bringen – im Falle von Thiendorf etwa 16 Kilometer. 

Außerdem muss er mit jedem Grundstückseigentümer über den Anschluss verhandeln. Das sind in den vier Ortsteilen 550 Parteien. Ob viele davon einen Glasfaseranschluss mit einem Gigabyte pro Sekunde haben wollen, darf bezweifelt werden. Alles in allem ist die Glasfaser-Verlegung bis ins kleinste Dorf für Anbieter nicht attraktiv, und so verwundert es nicht, dass am Ende nur die Deutsche Telekom übrig blieb.

Ob es nicht möglich gewesen wäre, die Sache so zu regeln wie in den nördlichen Ortsteilen von Thiendorf geschehen? fragt Klaus Haupold. Dort hatte die Telekom 2017/18 Glasfaser nur bis zu den örtlichen Verteilern gelegt und dann die Übertragungsgeschwindigkeit über die vorhandenen Telefon-Kupferkabel mittels Vectoring aufgepusht. 

Das funktioniere heute nicht mehr, hielt Bürgermeister Dirk Mocker entgegen, weil es schlichtweg keine staatlichen Gelder dafür gibt. Für Glasfaser hingegen werden allein für die vier Dörfer und ein paar weiße Flecken andernorts drei Millionen Euro ausgeschüttet. Sollte die Gemeinde diese nicht nehmen, auch wenn sie ein paar Jahre warten muss?

Dass für so wenige Anschlüsse so viel Geld ausgegeben werden muss, hat mit einer zweiten Entwicklung zu tun. Die deutschlandweite Breitband-Offensive ließ die Tiefbau-Marktpreise nach oben schnellen. 

Kostete ein Meter Kabelgraben vor zwei Jahren noch 20 Euro, liege er heute im Schnitt bei 60 Euro, so Mocker. Also: Billiger werde es nicht. Besonders die internetaffinen jungen Thiendorfer Gemeinderäte wollten deshalb auch keine Luft an den Glasfaser-Ausbau lassen.

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Nur bei zwei Prozent der Haushalte liegt derzeit eine Glasfaserleitung an. Im Rest des Freistaates ist man da schon deutlich weiter.

„Was wissen wir denn, wie weit sich in fünf Jahren Nutzungsfelder wie die Telemedizin entwickelt haben?“ gab der Tauschaer Christoph Schempp zu bedenken. „Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird man uns vorwerfen, wir hätten die Entwicklung verschlafen.“

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