merken

Schnellkassen jetzt auch im Supermarkt

Im Edeka haben die Kunden die Wahl zwischen Kassiererin und Selbstbedienung. Der Chef des Centers setzt auf neue Ideen.

Von Lars Kühl

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Misstrauisch schaut die Seniorin zu den neuen Automaten und schiebt ihren Einkaufswagen lieber zur Kasse mit Kassiererin. Wolfgang Morgenstern ist da mutiger. Der Stammkunde des Edeka-Supermarktes „Hofbrauhaus“ an der Hamburger Straße probiert die Schnellkasse mit Selbstbedienung aus. Dabei ist der Rentner bereits 83 Jahre alt. Morgenstern zieht einen Artikel nach dem anderen über den Barcode-Leser. Danach packt er seine Waren auf eine Ablage. Die funktioniere wie eine Waage, erklärt Center-Chef John Scheller. Alle gekauften Produkte müssten dort abgestellt werden. So werde sichergestellt, dass beispielsweise nicht nur eine Tafel Schokolade gescannt wird, aber zwei in der Einkaufstüte landen.

Morgenstern ist fast fertig, nur beim Obst und Gemüse benötigt er Hilfe, um auf dem Berührungsbildschirm die richtige Sorte einzugeben. „Zweimal übe ich es noch, dann habe ich es auch drauf.“

Scheller ist zufrieden, wie das Geschäft mit den Schnellkassen anläuft. Seit November 2014 sind die vier Automaten, die ähnlich wie zum Beispiel im Möbelhaus Ikea funktionieren, in Betrieb. 100 000 Euro hat er investiert, es seien die ersten ihrer Art in einem Lebensmitteldiscounter im Großraum Dresden. Um Platz zu schaffen, hat der Verkaufsprofi eine seiner acht „normalen“ Kassen abgeschafft.

Die Selbstbedienungsgeräte seien aber keine Reaktion auf die Einführung des Mindestlohns. Seine Verkäuferinnen hätte er vorher schon so bezahlt, erklärt Scheller. Auch von den knapp 100 Angestellten müsse nun niemand gehen. „Die Kunden müssen keine Angst haben, dass wir die herkömmlichen Systeme weiter zurückfahren.“ Denn genau das befürchten einige, vor allem ältere Bürger. Das zumindest haben sie Scheller in ihren Beschwerden mitgeteilt. Der Supermarkt hat eigentlich einen guten Ruf als seniorengerecht. Große Schrift an den einzelnen Abteilungen und Regalen, Lupen am Einkaufswagen sowie kompetente Beratung durch die Mitarbeiter – soll das jetzt alles durch moderne Maschinen ersetzt werden?

John Scheller winkt ab. Das werde nie passieren. Er sieht sein 2 500 Quadratmeter großes Edeka-Center, das es jetzt seit fast vier Jahren gibt, als Supermarkt der Generationen. Um vielen gerecht zu werden, ist er immer auf der Suche nach Neuerungen. Kürzlich hat er bereits einen elektronischen Wein- und Whisky-Berater installiert, damit sich die Käufer der edlen Tropfen leichter entscheiden. Die Schnellkassen sind Scheller bei einem London-Besuch Anfang 2014 aufgefallen. Der Umgang mit ihnen wäre dort für die Leute völlig selbstverständlich gewesen. Da hätte es gar keine Kassiererin mehr gegeben. Solche Zustände schließt er hier aus. Aber für Menschen, die nur bis zu zehn Artikel im Korb haben und für die jede Minute zählt, seien die neuen Kassen eine echte Alternative. Inzwischen zählt er an ihnen rund 350 Kunden am Tag, das sind etwa zehn Prozent aller Einkäufer. „Tendenz leicht steigend.“

Damit es Erstnutzer leicht haben und niemand auf die Idee kommt, Waren einfach nicht zu bezahlen, steht immer eine Verkäuferin dabei. Die kontrolliert bei Bedarf auch den Ausweis, wenn Alkoholika oder Zigaretten gekauft werden. Dann leuchtet nämlich beim Scannen ein rotes Lämpchen auf. In der Zukunft werden die Waren bis auf Frisches mit einem Chip versehen sein, sagt Scheller. Dann müssten die Kunden mit ihrem Korb nur noch durch ein Portal laufen und anschließend bezahlen. Das geht jetzt bar, mit Karte, Gutscheinen und neuerdings auch mit dem Smartphone per entsprechender App.

Ulrike Brückner bedient inzwischen schon routiniert den Touchscreen an der Schnellkasse. „Weil ich ungern mit meinen Kindern in der Schlange warte“, sagt sie. Außerdem gebe es hier keine Quengelzone mit Schokoriegeln und anderem Süßkram. „Als Ergänzung finde ich die Kassen gut, als Ersatz wäre es traurig.“

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.