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Der Schnitzelkönig

Leonhard Fuß brät bis zu ein Kilogramm schwere Fleischberge. Bald hat er viele neue Nachbarn.

Leonhard Fuß ist Inhaber und Küchenchef im „Schnitzelhaus No. 1“ in Riesa-Weida.
Leonhard Fuß ist Inhaber und Küchenchef im „Schnitzelhaus No. 1“ in Riesa-Weida. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Riesenschnitzel, überbackene oder gefüllte Schnitzel. Von klein über „normal“ und XL bis zum Kilo-Schnitzel. Ob Schwein, Kalb oder Pute – hier ist für jeden etwas dabei, verspricht Leonhard Fuß. Jedenfalls für fast jeden. Von vegetarischen oder veganen Schnitzeln hält der Inhaber und Küchenchef vom „Schnitzelhaus No. 1“ in Riesa-Weida nämlich nichts – hat für Anhänger der fleischlosen Ernährung aber Salate oder frisch zubereitetes Gemüse in der Karte.

Er selbst isst gern mal ein Knoblauchschnitzel. Seine Gäste favorisieren Braumeister-, Hirten-, oder Au-four-Schnitzel. „Das variiert aber sehr stark, immerhin haben wir circa 30 Schnitzelvarianten im Angebot“, sagt der 63-jährige und betont: „Ich verarbeite grundsätzlich frischen Schweinerücken, weil der sich besser portionieren und kalibrieren lässt als Fleisch aus der Keule.“

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Seit fast 40 Jahren arbeitet Leonhard Fuß bereits in dem Gasthaus an der Erfurter Straße. 1963 erbaut, diente das Haus zunächst der Versorgung der Bauarbeiter, die Weida hochzogen. Danach war dort die Verkaufsstelle und seit 1973 das von der HO-Riesa geführte Café „Treffpunkt“ untergebracht. 1980 übernahm Leonhard Fuß die Leitung – dabei hatte er ursprünglich ganz andere Berufswünsche. „Ich wollte Förster werden, irgendwas mit Wald und Natur zu tun haben. Aber der Heuschnupfen ließ das damals nicht zu“, sagt er. „Da ich zu Hause aber auch gern mal mit in der Küche gewerkelt habe und Essen zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählte, fiel die Berufswahl letztlich auf Koch.“

Nach der Lehre in den damaligen Ausbildungsstätten „Am Humboldtring“ und „Sachsenhof“, der Armeezeit und einem Gastronomie-Studium in Leipzig machte er schließlich ein einjähriges Berufspraktikum im „Schwan“ in Riesa-Merzdorf. „Vor allem durch den Chef des Hauses, Rolf Buchheim, gab mir dieses Jahr das Rüstzeug für meine künftige Tätigkeit“, erinnert sich Leonhard Fuß.

1980 übernahm er den „Treffpunkt“, 1991 machte er sich mit der Gaststätte selbstständig. Er pachtete das Haus von der Stadt Riesa, kaufte es 1995 und baute danach komplett um. Zunächst gab es dort typisch amerikanische Speisen und Getränke, Tanz und Thanksgiving-Partys mit Livemusik und – dank der Sammelleidenschaft des Küchenchefs – bis zu 120 verschiedene Whisky-Sorten.

Ringsherum wird zurzeit viel abgerissen und Platz für ein Neubaugebiet geschaffen. Das Schnitzelhaus aber bleibt, sagt der Riesaer und widerspricht damit nicht enden wollenden Schließungsgerüchten.
Ringsherum wird zurzeit viel abgerissen und Platz für ein Neubaugebiet geschaffen. Das Schnitzelhaus aber bleibt, sagt der Riesaer und widerspricht damit nicht enden wollenden Schließungsgerüchten. ©  Sebastian Schultz

Ende der 1990er ließ das Interesse am American Style aber spürbar nach, so Leonhard Fuß. Eine neue Idee für sein Lokal fand er eher zufällig auf einer Gastro-Messe – in Form des „Schnitzelmasters“. Das ist eine Art Wäschemangel für Schnitzelfleisch, durch die das Fleisch mürbe und zart wird. Dank finanzieller Unterstützung durch die Eltern konnte er das kostenintensive Gerät schließlich erwerben, und nach der erfolgreichen Testphase öffnete das Gasthaus „Treffpunkt“ im Februar 2004 unter neuem Namen: „Das Schnitzelhaus No. 1“.

Das Konzept wurde gut angenommen, erinnert sich Leonhard Fuß. Dazu beigetragen haben auch werbewirksame Aktionen wie Schnitzel-Meisterschaften oder auch die Durchsetzung eines generellen Rauchverbotes im ganzen Haus im Juni 2006 – also weit vor der Einführung per Gesetz, glaubt der Koch. Aber auch der Schnitzel-Boom relativierte sich mit den Jahren. Während im Winterhalbjahr oft genug die Plätze nicht ausreichen, bleiben die Sommermonate trotz neu gestalteten Biergartens deutlich hinter den Erwartungen zurück, sagt Leonhard Fuß. „Es ist halt Garten-, Urlaubs- und Open-Air-Event-Saison, jetzt bekommt die Ausflugsgastronomie ihr Stück vom Umsatzkuchen.“

Deswegen macht das Schnitzelhaus derzeit Sommerpause, erst ab 2. August brutzelt dort das Fleisch wieder in der Pfanne. Gut möglich, dass in absehbarer Zeit die Nachfrage steigt: Genau vor seinem Restaurant soll Riesas neues Eigenheim-Gebiet an der Segouer Straße entstehen.

200.000 Schnitzel gebraten

Insgesamt hat Leonhard Fuß bislang bereits etwa 200.000 Schnitzel gebraten, wie eine interne Statistik des Gasthauses zeigt. Dabei möchte der Küchenchef mit einem Irrglauben aufräumen: „Wenn aus der Küche kein Hämmern und Klopfen zu hören ist, das man allgemein mit der Schnitzelproduktion verbindet, bedeutet das nicht etwa, dass wir Tiefkühl-Fertigschnitzel verarbeiten.“ Der „Schnitzelmaster“, der mittlerweile schon mehr als 15 Jahre im Einsatz ist, arbeitet noch immer lautlos. (SZ)

www.schnitzelhaus-no1.de

Freitag bis Sonntag ab 17 Uhr geöffnet. Sommerpause 1. bis 31. Juli und 30. August bis 1. September 2019.

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