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Schöne Aussicht ist versperrt

Natur. Das Belvedere ist ein idyllischer Ort im Wald von Meusegast. Das wird aber seinem Namen nicht mehr gerecht.

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Von Gabriele Schrul

Sie kennen das Belvedere nahe Meusegast nicht? Dann nichts wie hin, denn unter Wanderfreunden gilt das Ziel, angesichts des geschichtsträchtigen Terrains, als Geheimtipp. Der hat allerdings einen Makel. Denn schon lange wird das Belvedere nicht mehr seinem Namen gerecht. Die schöne Aussicht ins Müglitztal und besonders aufs Schloss Weesenstein ist zugewachsen. Große und kleine Bäume sowie starkes Buschwerk versperren den Blick. „Wer schneidet denn nun die Aussichten frei?“, fragt Robert Lange aus Dohna. Er schätzt den Ort, der endlich wieder sein soll, was er verspricht: ein Belvedere – eine schöne Aussicht.

Forst horcht sich um

Um dahin zu gelangen, lässt der Wanderer die Teichlandschaft am Dorfrand von Meusegast links liegen. Angesteuert wird der nahe Wald. Die Ausschilderung dahin macht es leicht, das Ziel zu finden. Auf einem kurzen alleeartigen Weg geht es bis zum Belvedere. Das verkörpert ein Stück Heimatgeschichte mitten im Bünau-Jahr 2006. Denn dort stand einst das Jagdschlösschen der Herren zu Bünau. Das wurde 1750 erbaut und war einst vermutlich von einer barocken Parkanlage umgeben, weiß Lutz Hennig, Kustos auf Schloss Weesenstein. Doch von der Jagdresidenz künden heutzutage nur noch ein paar Steine nebst einer Tafel. Auf der wird dem Wanderer erklärt, wo er gerade steht. Im Untergeschoss des Jagdschlösschens befand sich die Wohnung des herrschaftlichen Jägers, im Obergeschoss gab es einen großen Festsaal. Ein etwa 25 Meter hoher Turm gab dem Schloss das prägnante Aussehen.

Gut 200 Jahre wurde daran nichts verändert. Nach 1945 wohnten Flüchtlinge darin. „Die letzte Familie nutzte das Schlösschen als Kuhstall“, sagt Hennig. Anfang der Fünfziger Jahre sei das Gemäuer unter Protest der Bevölkerung abgerissen und die Steine zum Bau einer Neu-Bauernhofes verwendet worden. Damit war das Schicksal des Schlösschen besiegelt.

Das Grundstück, auf dem es stand, gehört Schloss Weesenstein. Und da an einen Wiederaufbau nicht zu denken war, sollte wenigstens der Platz ordentlich hergerichtet sein. So wurde Mitte der Neunziger Jahre die Grundfläche saniert. Doch während von da der weite Blick ins Müglitztal aufgrund der Größe der Bäume unwiederbringlich ist, lässt sich vielleicht nur wenige Schritte weiter, an einem anderen Aussichtspunkt – ebenfalls mit dem Namen Belvedere – doch etwas machen. Schließlich listet der Forstbezirk Neustadt gerade solche Stellen auf. Und zwar gilt das Augenmerk der Forstleute all jenen Aussichtspunkten in der Region, die wie der im Meusegaster Wald zugewachsen sind, teilt der Weesensteiner Revierförster Lutz Winkler mit. Ist die Liste vorhanden, soll geprüft werden, was konkret für die Mitarbeiter der Waldwacht machbar ist und was nicht.

Der Wald am Hang am kleinen Belvedere steht allerdings unter Hoheit mehrerer privater Waldbesitzer. Sie signalisierten bereits ihre Zustimmung zum Freischneiden des Terrains, jedoch nicht auf ihre Kosten. Konkretes, vor allem die finanzielle Seite des Unterfangens, muss damit noch geklärt werden. Das aber ist dann erst möglich, wenn die Auflistung komplett ist. Schloss Weesenstein jedenfalls ist nicht abgeneigt, den praktischen Part zu übernehmen.