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Schöner Hüter irgendeiner Ordnung

Wenn es auf Roms Straßen eng zugeht, helfen sich Italiener selbst. Manchmal mit brachialer Gewalt. Die Polizei schaut zu.

© dpa

Von Paul Kreiner

In der Kurve hat sich ein Touristenbus verkeilt. Die Straße ist eng, sie verläuft wie ein Hohlweg zwischen hohen, alten Mauern. Und natürlich – wir sind ja in Rom – ist sie auf beiden Seiten zugeparkt, auch wenn’s auf der einen streng verboten ist. Hinter dem Bus stauen sich Hunderte von Autos. Heiß ist’s.

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Trendmarken in der Centrum Galerie
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Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Der letzte Fiat vor dem Weg in die Freiheit reckt sein Hinterteil entscheidende zwanzig Zentimeter zu weit von der linken Wand weg. Um ihn wegschieben zu können, um an Handbremse und Ganghebel zu kommen, hat sich ein junger Italiener irgendwo eine Art Brechstange besorgt; mit dieser drischt er so professionell auf die Seitenfenster ein, dass man sich denkt: Junge, du hast bei der letzten Antikapitalismusdemo garantiert auch ein paar Fensterscheiben einer Filiale der Deutschen Bank zertrümmert.

Jedenfalls kommt nach einer Viertelstunde, aus vielen Handys zu Hilfe geholt, eine Polizeistreife vorbei. Ein schöner Mann steigt aus. Gut gebräunt. Geile Sonnenbrille. Aber nicht zuständig. „Wir sind die Staatspolizei, ihr müsst die von der Stadt rufen.“

„Haben wir schon“, sagen die Menschen. „Von denen kommt keiner!“ „Dann müsst ihr sie halt noch mal drängeln!“, sagt der Polizist. Zuckt mit den Schultern und wendet sich ab. Dass der junge Mann mit der Brechstange weiter das Auto demoliert und ein anderer mit seinen Stiefeln inzwischen auch schon gegen die Scheiben tritt, das stört den Hüter der Ordnung (welcher?) in keiner Weise.

Irgendwann kommt die immer größere Menschentraube auf die Idee, man könnte den störenden Fiat ja gemeinsam wegwuppen. Hau-ruck-hau-ruck! Es geht. Der Wagen wackelt, bebt, kracht mit der linken Flanke gegen die Mauer, der Außenspiegel zerklirrt. Und der schöne Polizist peilt über Auge und Daumen, ob der Bus vielleicht schon durchpasst.

Hinter seinem Lenkrad sitzt in aller Ruhe der Busfahrer. Mümmelt ein Brötchen. Telefoniert. Und wartet. Stößt zehn Zentimeter vor, sieben zurück, es geht doch noch nicht; jetzt  verweigert der schwarze Alfa Romeo auf der anderen Straßenseite die nötigen Zentimeter. Und sie wuppen auch den Alfa. Der kracht nach sieben, acht Versuchen dann nicht  gegen die Mauer, aber gegen die Stoßstange seines Hintermanns. Auch recht. Super. Die Kurve ist frei.

Die Touristen entern ihren Bus, der Fahrer lacht und winkt in die Schar der Zaungäste. Doch genau in der Sekunde, in der er seinen Motor anmacht, sieht er, wie sich an seiner linken Flanke eine merkwürdige Gestalt entlangdrückt. Selten hat man einen Römer so kleinlaut zu seinem Auto schleichen sehen: Es ist der Fahrer des ramponierten Fiat.  Zwängt sich durch die Beifahrertür, startet seinen Wagen und räumt die Engstelle.

Was er und der schöne Polizist danach miteinander besprochen haben, wird man nie wissen. Der eine war ja nicht zuständig, der andere hatte sein kleines Parkvergehen schon teuer genug bezahlt.