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Schönes Gefühl, anderen zu helfen

Seit Mai 2006 arbeitet Sebastian Bock ehrenamtlich bei der Pirnaer Tafel in Heidenau.

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Von Mareike Huisinga

Donnerstagnachmittag, Pirnaer Tafel, Ausgabestelle Heidenau. Mindestens 20 Personen stehen auf dem Flur in der Haeckelstraße und warten geduldig, bis sie dran sind. Jetzt betritt eine ältere Dame den Raum, in dem die Lebensmittel ausgeteilt werden. Der junge Mann begrüßt sie mit einem fröhlichen „Guten Tag“ und packt ihr auch schon die Tasche mit Äpfeln, Birnen, einer Papaya sowie einem Kopfsalat voll. Sie will wieder gehen, da steckt er ihr noch schnell einen Bund mit lecker aussehenden Bananen dazu. Dankbarkeit leuchtet in dem Gesicht der Dame auf.

Immer ein offenes Ohr

Seit Mai 2006 arbeitet Sebastian Koch aus Pirna ehrenamtlich bei der Pirnaer Tafel in der Ausgabestelle Heidenau mit. Das heißt, er klappert abends oder frühmorgens mit dem Tafel-Kleintransporter die Supermärkte und Bäckereien ab, um die Lebensmittel heranzuholen, sortiert diese dann und verteilt sie mit den Kollegen an den beiden Ausgabetagen jeweils dienstags und donnerstags. Warum der 23-Jährige sich engagiert? „Ich lebe selber von Hartz IV und freue mich, wenn ich den Leuten helfen kann, die Hilfe brauchen.“ Sein Engagement bei der Tafel sieht er als sinnvolle Alternative, denn: „Das ist doch besser als zu Hause rumzusitzen und vielleicht vor dem Fernseher abzuhängen. Hier werde ich gebraucht.“ Und zwar nicht nur, um Bananen, Äpfel, Gemüse und Brot auszuteilen. Der Pirnaer hat außerdem noch ein offenes Ohr für die Probleme der Kunden. „Manche erzählen mir von ihren Sorgen oder wollen einfach auch nur ihren Ärger loswerden, dass zum Beispiel alles teurer wird.“

Dabei empfindet er die Tätigkeit bei der Tafel nicht ausschließlich als ein Geben. Sebastian Bock bekommt auch viel zurück. „Viele Menschen sind sehr dankbar und sagen mir das auch.“ Nicht selten, dass er ein kleines Geschenk erhält. Zum Beispiel neulich die selbstgemachte Johannisbeermarmelade. „Die hat ganz prima geschmeckt“, so sein Urteil.

Nicht nur Sebastian Bock freut sich. Auch Marlies Petzold, die Leiterin der Ausgabestelle Heidenau, ist froh über die Hilfe des jungen Mannes. Dabei war sie zunächst etwas skeptisch: „Ich dachte, so ein junger Mann, ob der auch durchhält?“ Frau Petzold musste umdenken, was sie nur allzu gerne tat: „Sebastian ist ein Mensch, auf den man sich 100 Prozent verlassen kann. Er springt immer ein, wenn jemand ausfällt, außerdem hat er die Gabe, sehr offen und freundlich auf die Menschen zuzugehen. Für viele ist die Hemmschwelle hoch. Wenn sie direkt angesprochen werden, hilft ihnen das sehr.“ Zwar würde der Betrieb ohne Sebastian auch laufen, aber wie Marlies Petzold schmunzelnd zugibt: „Nicht so gut.“

Gelernt hat er Tischler

Dabei kommt der Pirnaer beruflich aus einer ganz anderen Ecke. 2003 schloss er erfolgreich seine Lehre als Tischler ab. Es folgte eine kurze Zeit der Arbeitslosigkeit, bis er eine ABM-Maßnahme bei den Sächsischen Sandsteinwerken Pirna bekam. Diese lief nach zwei Jahren aus, sodass er 2005 als „Ein-Euro-Jobber“ im Christlichen Jugenddorf in Heidenau anfing. „In dieser Zeit musste ich ein Praktikum machen und habe die Pirnaer Tafel in Heidenau gewählt. Die Arbeitsatmosphäre gefiel mir von Anfang an.“ Deshalb entschloss er sich auch nach dem Ein-Euro-Job, ehrenamtlich bei der Tafel in Heidenau weiter mitzumachen.

Eine schöne Tätigkeit, aber sein größtes Ziel ist und bleibt eine richtige Arbeitsstelle zu finden. „Ich möchte mein eigenes Geld verdienen und nicht bei jedem Wunsch erstmal auf den Preis schauen. Es ist nicht schön als junger Mensch auf die Unterstützung des Staates angewiesen zu sein“, überlegt Bock laut. Jeden Monat schreibt er Bewerbungen, bisher allerdings ohne Erfolg. Kein Grund für Sebastian Bock den Kopf in den Sand zu stecken. Voller Zuversicht sagt er: „Ich gebe nicht auf. Irgendwann wird es schon klappen.“