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Schönfeld barockt

Am 8. Dezember kommen Historienfans aus Deutschland und Übersee zum Winterball ins Traumschloss.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Alle Achtung: Schloss Schönfeld hat Pillnitz abgelöst! Weil die ersten beiden Winterbälle der Dresdner Barocktanzgruppe „Les amis de la danse baroque“ in einer Pillnitzer Villa so große Resonanz erfuhren, musste in diesem Jahr ein geeigneter größerer Veranstaltungsort her. Den fanden die Historienfreunde auf Schloss Schönfeld bei Großenhain. Im Mai hatte es Bernd Angermann und seine Herrschaften schon hierher verschlagen, als zum Tag der Parks und Gärten getanzt wurde. Nun reisen am 7. Dezember 48 Historienfreunde aus ganz Deutschland an, unter anderem aus Hamburg, Berlin und Hannover. Selbst ein Herr aus Amerika, der den Kontakt zur Historiengemeinschaft „Der Dreispitz“ gesucht hatte, hat sich angemeldet.

Henzell Baumann und Christa Behrmann aus Hamburg frönen wie die anderen dem Hobby Barockzeit, veranstalten in Hamburg sogar einen venezianischen Ball. „Wir kommen gern nach Sachsen, weil hier nahezu eine familiäre Atmosphäre herrscht und die Veranstalter nicht dem Geld hinterherjagen“, so die Hamburger. 65 Euro Eintritt pro Person werden erbeten. Ihnen gefalle der Winterball der Dresdner als authentische Zeitreise, weit weg von oberflächlichem Kostümball. Seit Langem bereiten sie sich deshalb auf den Ball vor. Ähnlich sehen es Detlef und Gabriele Hänsel aus Berlin. Das Ehepaar interessiert sich für die Zeit, die Kleidung, das herrschaftliche Benehmen. Dies selbst zu spielen, macht ihnen Freude. Quartier werden die Ballgäste in Pensionen der Umgebung nehmen: bei Krause und Schönborn in Schönfeld, im Landgasthof Tanner, im Lindenhof Thiendorf.

Bevor sie sich in edler Robe im Schloss einfinden, wird ein Tanzkurs stattfinden. Denn die Damen und Herren drehen sich beim Menuett, wie es zu Augusts Zeit getanzt wurde, nach Musik aus der Konserve. Tanzmeisterin Margret Just kennt bei den „Les amis“ die höfischen Tänze genau und kann die Tanzschritte weitergeben. Für die Gaumenfreuden beim Winterball ist das Großenhainer Schützenhaus zuständig. Serviert wird den edlen Gästen ein Drei-Gänge-Menü, die Kuchentafel wurde bei Bäckermeister Tobollik bestellt. „Wir dürfen auch ein Schokoladenbuffet genießen, das Freunde unserer Tanzgruppe, Familie Taraba aus Krauschütz, gestalten werden“, freut sich Bernd Angermann.

Womit sich die Winterballgäste noch die Zeit vertreiben? Mit historischen Spielen und – bei angenehmem Wetter – Flanieren im Schlosspark. Und natürlich mit Gesprächen über die Hofetikette, höfischen Umgang, Mode und Geschmack im 18. Jahrhundert. Da wird sicher auch so manche „Depesche“ ausgetauscht – sprich Klatsch und Tratsch aus der Barockszene.