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Schönfeld vergibt Breitband-Auftrag

Angesichts der Corona-Krise will die Gemeinde den Glasfaser-Ausbau festklopfen und die dafür erforderlichen Fördermittel sichern.

Die Enso verlegt Leerrohre für Glasfaserkabel. Sie dienen dem Breitband-Netzausbau.
Die Enso verlegt Leerrohre für Glasfaserkabel. Sie dienen dem Breitband-Netzausbau. © Symbolfoto: Uwe Soeder

Schönfeld. Nur sieben Schönfelder Gemeinderäte fanden zur März-Sitzung noch den Weg in die Mehrzweckhalle, um den Haushalt 2020/21 zu verabschieden und den 3,2 Millionen Euro schweren Auftrag für den Breitbandausbau zu vergeben. Das entsprach gerade einmal der von der Gemeindeordnung vorgegebene Mindestanzahl. Die Aktion war angesichts der tags zuvor verkündeten Ausgangsbeschränkungen umstritten. Aber sie könnte sich im Nachhinein noch als weitsichtig erweisen.

Denn niemand kann im Moment sagen, wie viel die Corona-Krise Bund und Länder noch kosten wird und ob sie in der Lage sind, ihre großzügigen Breitband-Förderprogramme auf Dauer durchzuhalten. Deshalb machten die Schönfelder lieber Nägel mit Köpfen und schufen mit der Auftragsvergabe an den regionalen Energieversorger Enso Tatsachen. Da die Förderung noch nicht endgültig bewilligt ist, hatte sich die Gemeinde zuvor beim Freistaat das Okay für die Vergabe eingeholt.

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Gesamtzeitraum: vier Jahre

Dass die Schönfelder auf Tempo drücken, hat noch einen zweiten Grund. Die Enso plant, den Ort 2021 an ihr Gasversorgungsnetz anzuschließen. Im Zuge dessen sollen die Glasfaserkabel gleich mit in die Erde gebracht werden. Die ersten Arbeiten könnten bereits in den nächsten Wochen beginnen.

 Ab 31. März bekommt die Schönfelder B 98-Ortsdurchfahrt einen neuen Asphaltbelag, und es wäre günstig, die Querungen für Gas und Internetleitungen bereits im Zuge des Straßenbaus einzubringen. Ansonsten stehen die Planungsdetails für den Breitbandausbau noch nicht endgültig fest. Die Gemeinde veranschlagt einen Gesamtzeitraum von vier Jahren, wobei einzelne Abschnitte sicher früher fertiggestellt werden können.

Schönfeld hat wie viele andere Kommunen ein Problem mit seinen kleineren Ortsteilen. Hier ist, wie überall, der Platzhirsch Telekom präsent, und der Kommunikationsriese fährt auf dem Lande eine andere Strategie. Er bringt zwar Glasfaserkabel bis ins Dorf, schließt aber meist nur die bereits vorhandenen Kupferkabel an seine Verteiler an.

 Die Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Megabit wird dann über sogenanntes Vectoring gewährleistet. Das funktioniert aber nur wirklich gut, wenn die betreffenden Grundstücke relativ nahe am Glasfaser-Endpunkt liegen.

 Etwas abgelegenere Straßenzüge müssen mit langsameren Internetverbindungen klarkommen. Will ein anderer Anbieter Glasfaser bis zum Haus legen, wie jetzt die Telekom in Schönfeld, muss er quasi einen Flickenteppich an „weißen Flecken“ versorgen. Das ist auch der Grund, warum der Breitbandausbau in einer kleinen Gemeinde wie Schönfeld so teuer wird.

Im Ortsteil Kraußnitz zum Beispiel soll eine Hälfte des Dorfes von der Telekom über Vectoring versorgt werden, die andere bekommt Glasfaseranschlüsse von der Enso. Im Hauptort Schönfeld ist das Gebiet um die örtliche Telekom-Zentrale bereits ausreichend versorgt; die Enso wird nun den Rest übernehmen. Ebenso den kleinen und damit für die Telekom unattraktiven Ortsteil Liega. 

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Böhla wiederum soll komplett über Vectoring versorgt werden. Ganz verworren ist die Situation im Ortsteil Linz. Hier hat sich ein Funkanbieter bei der Bundesnetzagentur angemeldet und der Telekom damit ein Argument gegeben, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Da nicht anzunehmen ist, dass eine kleinere Firma den teuren Glasfaserausbau stemmen will und kann, ist die zukunftsträchtige Technologie für Linz erst einmal passé.

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