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Schönfelder genervt vom Schleichverkehr

Der Ausbau der Ortsdurchfahrt wird mindestens ein Vierteljahr länger dauern als geplant – und der Gemeinde ungeahnte Kosten bescheren.

Den Weinbergsweg in Schönfeld nutzen die Transporter von Amazon zur Umgehung der gesperrten B 98.
Den Weinbergsweg in Schönfeld nutzen die Transporter von Amazon zur Umgehung der gesperrten B 98. © Foto: Kristin Richter

Schönfeld. Irgendwann in der Nacht vom 13. zum 14. Juni drängelte sich trotz des Einfahrverbotes ein Lkw in die Schönfelder B 98-Straßenbaustelle. Beim Versuch zu wenden, riss er sich wohl den Tank auf und verlor Hunderte Liter Diesel. Kurz darauf setzte ein Starkregen ein, der den Sprit durch den halben Ort in den Dorfteich und von dort in einen Ablaufgraben spülte. Es entstand ein immenser Umweltschaden, und es ist noch immer nicht geklärt, wer für die Kosten aufkommen wird. 

Der Verursacher hatte sich nämlich unbemerkt aus dem Staub gemacht. Er war zwar von etlichen Schönfeldern gehört und gesehen worden, aber niemand hatte das Fahrzeug fotografiert oder sich die Autonummer aufgeschrieben. Weil der Dieselkraftstoff abgesaugt, Uferbewuchs und Boden abgetragen und entsorgt werden mussten, geht der Schaden in die Tausende. Für den Baustellenbereich haftet die Baufirma, aber der größere Teil, die Teich- und Grabenreinigung, soll bei der Gemeinde hängenbleiben. „Das sehe ich überhaupt nicht ein“, ärgert sich Bürgermeister Hans Joachim Weigel. „Warum sollen wir für einen Unfall bezahlen, der auf der Straßenbaustelle passiert ist.“ 

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Der Diesel-Auslauf ist nur eins der Ärgernisse, die die Straßenbaustelle den Schönfeldern bereitet. Am meisten genervt sind sie vom Schleichverkehr, der sich trotz der ausgeschilderten Umleitungen durchs Dorf wälzt. Eigentlich soll der überregionale Verkehr, der sonst über die Bundesstraße zur A 13 rollt, über Radeburg fließen. Die Ortschaften in „Ostautobahnien“ können auch über die Anschlussstelle Schönborn erreicht werden. 

Für die Einwohner von Schönfeld gibt es ein paar enge Nebenstraßen, über die sie zu ihren Grundstücken kommen. Diese Nadelöhre aber werden zunehmend zum Problem, weil sie Abkürzungssucher von außerhalb magisch anziehen. Die Logistikunternehmen, die für das Lampertswalder Amazon-Auslieferungszentrum fahren, sorgen zum Beispiel regelmäßig für Verstopfungen. Daran konnte auch Standortleiter Tim Stapf nichts ändern, obwohl er sich schon mal persönlich an die Straße stellte und die Fahrer ermahnte. Immerhin versprach der Amazon-Manager, die Logistik-Chefs in einer Telefonkonferenz zur Ordnung zu rufen.

Auch die Polizeikontrollen auf den Schönfelder Nebenstraßen sind verstärkt worden. Die aber haben den unangenehmen Nebeneffekt, dass auch die Einwohner selbst angehalten und kontrolliert werden. Dabei muss es zu unschönen Szenen gekommen sein, weil die Schönfelder nachdrücklich darauf hinwiesen, dass nicht sie das Problem sind, sondern die Auswärtigen. „Wer die Beamten anraunzt, muss sich nicht wundern, wenn er mal etwas schärfer kontrolliert wird“, sagt Bürgermeister Weigel. Immerhin gebe es jetzt einen direkten Draht zum Großenhainer Polizeirevier, um solche Vorfälle möglichst zu verhindern.

Auch mit den Bauarbeiten selbst sind nicht alle Schönfelder glücklich. Ursprünglich war in der Ortsdurchfahrt eine reine Decklagenerneuerung geplant. Diese sollte nur zwei Monate dauern und eigentlich Anfang Juni abgeschlossen sei. Dann kam noch die Verlegung von Gasrohren und Leerrohren für den Breitbandausbau durch die Enso hinzu. Und schließlich wurde festgestellt, dass Rohre für die Regenwasserableitung stellenweise defekt waren. 

Das Ergebnis: Die Arbeiten an der B 98 sollen nun bis zum 29. September dauern – ein Vierteljahr länger als geplant. Nicht, dass die Anrainer der Ortsdurchfahrt darüber besonders unglücklich wären. Der Baustellenlärm muss ihnen im Vergleich zur sonstigen Verkehrsbelastung geradezu paradiesisch vorkommen. Genervt sind eher die Bewohner der Schulstraße und des Weinbergsweges, wo sich der Schleichverkehr konzentriert. Verstärkt wird das Problem dadurch, dass die beiden Nebenstraßen bei Google Maps als Umleitungsstrecken angezeigt werden. Schönfelds Bürgermeister hat angekündigt, sich beim Internet-Riesen darüber zu beschweren. Ob er damit Erfolg haben wird, ist eher zu bezweifeln.

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