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Schönheitskur für die Sportstätten

Mit dem Haushalt 2020 nimmt Weißwasser erneut Anlauf zu dringenden Baumaßnahmen. Nicht jedem gefällt das.

Am Turnerheim in Weißwasser sprießt das Unkraut auf dem Volleyballplatz.
Am Turnerheim in Weißwasser sprießt das Unkraut auf dem Volleyballplatz. © Sabine Larbig

Nach drei Jahren Nothaushalt könnte die Stadt Weißwasser 2020 endlich mal wieder gestalten – auf der Grundlage des in der vorigen Woche mehrheitlich beschlossenen Haushalts. Der ist zwar noch nicht genehmigt, gilt aber wegen der Mitarbeit der Kreisverwaltung bei der Erstellung des Etats als genehmigungsreif.

Als freiwillige Leistungen bezuschusst die Stadt weiterhin Eisarena, Schwimmhalle, Turnerheim mit Fußballplätzen, Cross-Strecke und Gebäude, Stadion der Kraftwerker einschließlich des Gebäudes mit Kraftraum und Kegelbahn, Tennis- und Faustballplatz sowie das Jahnbad, wobei Letzteres in diesem Jahr ja wegen Bauarbeiten geschlossen bleibt. Abgesehen von den Zuschüssen zum laufenden Betrieb möchte die Stadt in ihre Sportstätten investieren, wie es im Vorbericht des Haushalts heißt, „für eine Verstärkung der Identität als Sportstadt sowie zur Erhaltung der Sportvielfalt“. Das bedeutet den Erhalt vorhandener Sportstätten und Sportplätze.

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Bauarbeiten längst überfällig

Nach drei Jahren, in denen nur unbedingte Pflichtaufgaben erledigt werden durften, kann man durchaus von einem Investitionsstau sprechen. Beispielsweise in der Sportstätte Turnerheim, wo die Vereine SV Grün-Weiß Weißwasser und VfB Weißwasser 1909 ihr Domizil haben. 650.000 Euro will sich die Stadt die dort längst überfälligen Bauarbeiten kosten lassen. Neu ist das Vorhaben nicht. Bereits vor Jahresfrist hatte der Stadtrat im Juli 2019 Investitionen in Sanitärtrakt und Blockheizkraftwerk (BHKW) beschlossen. Daraus wurde aber bisher nichts, da der Stadtrat 2019 den Bedingungen der Rechtsaufsicht zur Genehmigung des Haushalts nicht zugestimmt hatte und Weißwasser im Vorjahr somit ohne städtischen Etat blieb.

Nun also ein neuer Anlauf in Sachen Sportstätten. Olaf Schober, der so gut wie an jeder Sitzung des Stadtrats teilnimmt, hatte als Bürger der Stadt von seinem Recht Gebrauch gemacht und Einwände gegen den Haushalt erhoben. Unter anderem den, dass ein neues Sozialgebäude im Turnerheim eine freiwillige Leistung ist. „Das sollte erst passieren, wenn die Stadt wieder besser dasteht“, erklärte er.

Keine Sache der Freiwilligkeit

Baureferatsleiter Thomas Böse stellte seinen Ausführungen voran, dass er das Turnerheim als „ein sehr wichtiges Objekt für die Stadt“ betrachte. Leider würden die Positionen des Haushalts oft nicht wiedergeben, was eigentlich passieren soll. Im Haushalt samt Investitionsplan bis 2023 eingestellt ist der Neubau eines Sozialgebäudes mit dem Einbau eines Blockheizkraftwerks und dessen Anbindung an das Stromnetz. „Kultur und Sport sind freiwillige Aufgaben, aber auch die Wirtschaftsförderung“, erklärte er. Die Baumaßnahmen im Turnerheim hingegen sind es nicht. Zur Begründung verwies Thomas Böse auf das Sportstättenkonzept. Einstimmig hatte der Stadtrat dieses schon im Jahr 2012 beschlossen – mit dem Ziel, die Sportanlagen in Weißwasser entsprechend dem vielfältigen Bedarf weiterzuentwickeln. Erst recht, nachdem die Sportstätte „Glückauf“ geschlossen worden war.

Eben jenes Sportstättenkonzept sieht den Neubau eines Kunstrasenplatzes sowie einen neuen Belag für den Trainingsplatz vor. Beides ist nach Aussage von Thomas Böse inzwischen abgehakt, konnte mit Fördermitteln realisiert werden. Rund eine halbe Million Euro wurden für Kunstrasenplätze, Entwässerung, Wege und anderes mehr in den vergangenen Jahren ausgegeben. Auch das seinerzeit geforderte Raumkonzept ist längst erstellt.

Fehlt nur noch die Erneuerung des Sozialtrakts, wie sie ebenfalls in dem Sportstättenkonzept festgeschrieben ist. Die Baumaßnahmen sollen bis Ende 2022 erledigt sein. Notwendig ist das Vorhaben aus mehreren Gründen. So betätigen sich auf dem Gelände – nicht gerade in Corona-, aber in allen anderen Zeiten – wöchentlich mehr als 1.000 Sportler jeder Altersgruppe. „Dieser intensive Vereinsbetrieb könnte nirgendwoanders hin verlegt werden“, so Thomas Böse. Die Heizung des denkmalgeschützten Objekts ist 28 Jahre alt und muss dringend erneuert werden. Gleiches gelte für die Elektro- und die Sanitäranlagen. Als „großen Missstand“ bezeichnete er zudem, dass keinerlei Barrierefreiheit besteht.

Energiekosten senken

Im Jahr 2016 hatte der Stadtrat ein Energie- und Klimaschutzkonzept für Weißwasser beschlossen. Ebenfalls einstimmig. Und auch da steht das Turnerheim drin. Mit der Maßgabe, es dringend energetisch aufzuwerten. Der Haushalt 2020 nimmt darauf Bezug. Das Energie- und Klimaschutzkonzept „Eigene Liegenschaften“ soll weiter umgesetzt werden, um den Energiebedarf und damit Kosten für den städtischen Haushalt zu senken und etwas für den Klimaschutz zu tun. Auch im Turnerheim.

Im Haushalt 2020 ist Geld vorgesehen, um die Planungsleistungen für das Vorhaben vergeben zu können. Und diese wiederum bilden die Grundlage zur Beantragung von Fördermitteln aus der Fachförderung, wie es Thomas Böse begründete. Ebenfalls mit dem Hinweis auf eine freiwillige Leistung hatte Olaf Schober die 350.000 Euro moniert, die die Stadt in den Oberlausitzer Sportpark investieren will. „Das kostet Steuergelder und Folgekosten“, so die Argumentation des Bürgers. Die Maßnahmen zur Umgestaltung des Stadions der Kraftwerker waren aber bereits in den Haushalten 2018 und 2019 enthalten, die jedoch nicht beschlossen beziehungsweise nicht genehmigt wurden.

Zu hoher Pflegeaufwand

Die Anlage sei überdimensioniert, die Zuschauerbereiche nicht notwendig und noch dazu in schlechtem Zustand. „Es gibt keine Barrierefreiheit, und die Pflege der Laufbahnen erfordert einen erheblichen Aufwand“, so Thomas Böse. Auf die Kritik des Bürgers, dass mit der Investition im Sportpark keine neuen Arbeitsplätze entstünden, entgegnete der Baureferatsleiter, dass dies bei Maßnahmen der städtischen Infrastruktur sowieso nie der Fall sei. 1,3 Arbeitskräfte sind mit der Pflege des Sportparks beschäftigt. Und im Übrigen stehe in besagtem Sportstättenkonzept drin, auch das Stadion der Kraftwerker zu entwickeln.

© Joachim Rehle

Die AfD-Fraktion bezweifelt die geplanten Maßnahmen. „Eine Tartanbahn im Stadion der Kraftwerker – wer braucht die denn wirklich“, kritisierte Hermann Holdt. Zudem erhebe sich aus Umweltschutzgründen die Frage, wo man die Bahn denn entsorgen kann, wenn das mal der Fall sein müsste. Und zum Blockheizkraftwerk im Turnerheim hat die AfD ebenfalls Bedenken. „Der Verein, dessen Gründung uns zu dem BHKW vorgestellt wurde, ich bin überzeugt, wir finden den auf der Leag-Spendenliste wieder“, so der AfD-Stadtrat.

Die Einwände von Olaf Schober, der sich als einziger Bürger zum Entwurf des städtischen Haushalts äußerte, wurden mehrheitlich verworfen. Mit dem Mehrheitsbeschluss zum Etats folgten die meisten Räte der Absicht der Verwaltung, in den Sportstätten von Weißwasser etwas zu tun.

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