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Gibt es doch noch Hoffnung für Kathleen?

Es wird fieberhaft nach einer Rettungmöglichkeit für die Oderwitzer Schokoladenfabrik gesucht. Sachsens Wirtschaftsminister kümmert sich darum.

Das Kathleen Schokoladenwerk in Oderwitz soll geschlossen werden.
Das Kathleen Schokoladenwerk in Oderwitz soll geschlossen werden. © Matthias Weber/photoweber.de

Der Schock über die geplante Schließung der Kathleen Schokoladenfabrik in Oderwitz sitzt tief. "Leider bin ich genauso plötzlich und unangenehm überrascht worden, wie die Belegschaft in Oderwitz", sagt Sachsens Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD). "Ich hätte mir hier seitens der Werkleitung, aber insbesondere seitens des Gesellschafters, eine frühere Information gewünscht. Dulig lädt nun Geschäftsführung und Gesellschafter zu einem Gespräch ins Wirtschaftsministerium nach Dresden ein, berichtet er am Montag gegenüber der SZ. "Wir haben noch 22 Monate Zeit, um Alternativen zu erörtern. Einfach dichtmachen ist mir zu einfach. Schon jetzt kann ich aber den Beschäftigten bei Kathleen versichern, dass wir alles tun werden, um Arbeitslosigkeit zu verhindern", sagt der Wirtschaftsminister.

Bürgermeister Cornelius Stempel (parteilos) hat sich wegen Kathleen jetzt mit CDU-Landtagsabgeordneten Stephan Meyer getroffen. "Wir wollen versuchen, einen gemeinsamen Weg zu finden", sagt der Bürgermeister. Auch zu der Unternehmensführung hat er bereits den Kontakt gesucht. Noch in dieser Woche soll es ein Gespräch mit der Unternehmensführung in Oderwitz geben. "Sie kommt hier her", berichtet  Cornelius Stempel. Am Dienstag trifft er sich zudem mit einigen Gemeinderäten. Auch hier soll es um eine Abstimmung für das Gespräch mit der Geschäftsführung gehen.  

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"Wir sind geschockt und traurig"

"Momentan ist bei uns in der Belegschaft alles ruhig. Wir müssen das alle erst einmal verdauen, sind geschockt, traurig. Krank gemeldet hat sich deswegen aber keiner von uns", beschreibt am Montag der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, Stefan Brussig die Lage in der Oderwitzer Schokoladenfabrik. Das trifft auch auf die von Kathleen aus gesteuerte Produktionsstätte im tschechischen Jablonec (Gablonz) zu. Dort soll sogar schon 2021 die Produktion eingestellt werden.

Kurzfristig wird jetzt eine Betriebsratssitzung angesetzt. "Wir müssen jetzt erst einmal Ruhe bewahren, die Lage analysieren  und abwarten, was es für Gesprächsangebote gibt. Es hilft nichts, wenn wir in Panik oder Populismus verfallen", sagt er. Mit der Geschäftsleitung habe man bisher guten Kontakt gehabt, auch wenn man nicht immer in allen Belangen einer Meinung war. 

Wichtig ist es, für die Mitarbeiter eine sozial verträgliche Lösung zu finden. Manche arbeiten schon in der dritten Generation im Werk, schildert der Betriebsrat. 

Auch CDU-Landtagsabgeordneter Stephan Meyer versucht zu helfen. Bei der Gesprächsrunde in dieser Woche würde er gern dabei sein. "Vielleicht könnte man mit wirtschaftsfördernden Maßnahmen, die es in Sachsen ja gibt, helfen. Aber dazu muss man erst die Lage und die Pläne des Unternehmens kennen", berichtet er. Es gibt viele Förderinstrumente auch im technologischen oder innovativen Bereich. Als Oderwitzer liegt im viel daran, das Werk und die Arbeitsplätze im Ort zu erhalten.

Krise nicht auf den Rücken der Beschäftigten bewältigen

Von der Partei "Die Linke" haben sich Kreisrat Jens Hentschel-Thöricht und der Oderwitzer Gemeinderat Nick Prasse zur Werksschließung geäußert. "Es ist nicht hinnehmbar, dass Bundesregierung und Bundestag milliarden-schwere Hilfspakete und Liquiditätshilfen zur Bewältigung der Corona-Krise zur Verfügung stellen und gleichzeitig Unternehmen ganze Werke schließen wollen", erklären sie. Die Bewältigung der Krise dürfe nicht auf dem Rücken der Beschäftigten erfolgen. 

Besonders irritierend finden sie es, dass noch vor wenigen Monaten in einem Gespräch zwischen Geschäftsführung und der damaligen Bürgermeisterin Adelheid Engel der Standort als nicht gefährdet bezeichnet wurde. Es müssen nun alle Optionen geprüft werden, damit die Beschäftigten mit ihren teils hochspezialisierten Berufen eine Zukunft in Oderwitz bekommen.

Hentschel-Thöricht und Prasse plädieren dafür, dass die Firmenführung  konstruktive Vorschläge auf den Tisch legt und neue Ideen präsentiert, wie der Standort durch innovative Produkte oder Umstrukturierungen erhalten werden kann.

"Die Nord-LB hat nichts mit der Schließung zu tun"

"Leider ist die Schließung von Kathleen zum 30. April 2022 aus kaufmännischer Sicht alternativlos. Wir bedauern die Entscheidung sehr", bekräftigte am Montag noch einmal der Pressesprecher des Unternehmens, Dieter Schäfer. Die Betriebsschließung hat mit den veränderten Marktbedingungen und der Corona-Krise zu tun.

"Wir bieten den Mitarbeitern an, nach der Betriebsschließung in eines unserer fünf anderen Werke zu wechseln. Wir haben unsere Mitarbeiter aus Gründen der Fairness so früh informiert, damit diese die nötige Zeit haben, zu entscheiden, ob sie in ein anderes Unternehmen der Gruppe wechseln wollen", so Dieter Schäfer.

Er geht auch auf die Anfrage der SZ ein, ob die Schließung von Kathleen etwas mit den neuen Mehrheitsgesellschaftern zu tun hat. Denn beim Recherchieren stieß die SZ im Unternehmensregister und dem im März 2020 veröffentlichten Konzernabschluss auf folgende Aussagen: 

„Zu Beginn des neuen Geschäftsjahres wurde nach Eintritt des neuen Mehrheitsgesellschafters die bestehende Finanzierung von den bisherigen Finanzierungspartnern vollständig abgelöst und die Finanzierung erfolgt nunmehr durch den Mehrheitsgesellschafter. Dieser hatte befristet bis 1. November 2019 eine Brückenfinanzierung mit der Norddeutschen Landesbank abgeschlossen, die anschließend durch einen Konsortialkreditvertrag ersetzt wurde, in den die Hans Riegelein & Sohn GmbH & Co. KG und die Kathleen Schokoladenfabrik GmbH als Garantiegeber einbezogen sind." 

Das Konsortium mit der Norddeutschen Landesbank als Konsortialführer setzt sich aus fünf Banken zusammen. Der neue Mehrheitsgesellschafter Gubor hat also Kathleen als Garantiegeber genommen. Hat demnach jetzt die Nord-LB die Garantien gezogen? Das beantwortet der Pressesprecher mit Nein. "Die Nord-LB hat keine Garantien gezogen und insofern nichts mit der Schließung des Werkes 2022 zu tun", berichtet er.

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Hilfe beim Vermitteln und Aushandeln der Sozialpläne bietet übrigens auch der  Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für die Region Dresden-Chemnitz,  Volkmar Heinrich an. "Wenn Bedarf besteht, wir stehen als Gewerkschaft zur Verfügung", sagt er. 

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