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„Schon in der letzten Kurve geschrien“

Rennrodlerin Jessica Degenhardt holt Olympia-Gold nach Altenberg. Mit ihrer besten Freundin sorgt sie schon beim Start für Aufmerksamkeit.

Von Stefan Brieger
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Historischer Erfolg: Jessica Degenhardt und Vanessa Schneider holen das erste Gold in der Geschichte des Doppelsitzer-Rennrodelns der Frauen.
Historischer Erfolg: Jessica Degenhardt und Vanessa Schneider holen das erste Gold in der Geschichte des Doppelsitzer-Rennrodelns der Frauen. © dpa

Das Osterzgebirge hat eine neue Olympiasiegerin. Rennrodlerin Jessica Degenhardt vom RRC Altenberg fuhr am Sonnabend bei den Olympischen Jugendspielen (Youth Olympic Games, YOG) in Lausanne im Doppelsitzer-Wettbewerb gemeinsam mit der Thüringerin Vanessa Schneider zu Gold und holte den Titel nach Sachsen. Dank zweier überragender Läufe fuhr das Duo einen klaren Vorsprung auf die Konkurrenz heraus.

Es war ein historischer Erfolg: Erstmals stand der Doppelsitzer-Wettbewerb bei einem großen internationalen Vergleich auch für die Frauen auf dem Programm. „Es ist echt verrückt gerade. Momentan realisieren wir noch nicht, dass wir Geschichte geschrieben haben“, sagte Degenhardt nach dem auf der traditionsreichen Bahn in St. Moritz ausgetragenen Rennen. Die 17-Jährige und ihre gleichaltrige Teamkollegin hatten bereits in den Tests die Konkurrenz distanziert und ließen letztlich auch im Wettkampf den zehn anderen Doppeln keine Chance. Bereits nach dem ersten Durchgang auf Rang eins liegend, gelang den beiden jungen Deutschen im finalen Lauf eine noch schnellere Fahrt. Am Ende betrug ihr Vorsprung deutlich mehr als eine Sekunde auf die Zweitplatzierten Caitlin Nash/Natalie Corless aus Kanada und mehr als anderthalb Sekunden auf die Bronze-Gewinner Viktorija Ziedina/Selina Elizabete Zvilna aus Lettland.

„Der Lauf war wunderschön, wir sind echt glücklich. Ich habe schon in der letzten Kurve geschrien, weil ich wusste, das muss einfach reichen. Dass der Vorsprung jetzt über eine Sekunde war, hätte ich nicht gedacht“, sagte Degenhardt. Schon am Start hatte das sächsisch-thüringische Doppel für Aufmerksamkeit gesorgt – mit einem kleinen Tänzchen. „Das machen wir immer“, erklärte Schneider. „Das ist unser Ding, unsere Vorbereitung. Wir bleiben dadurch locker, und locker heißt schnell.“

Lohn für den beeindruckenden Auftritt – vor allem natürlich im Eiskanal selbst – waren die beiden ersten Doppelsitzer-Goldmedaillen in der Geschichte des Frauen-Rennrodelns. „Als wir auf dem Podium standen, habe ich gedacht, ich fange gleich an zu heulen. Es ist Jugendolympia! Und mit der besten Freundin ganz oben zu stehen ist einfach nur verrückt“, sagte Degenhardt.

Steffen Meyer, Deutschlands leitender Rodel-Trainer in St. Moritz, war ebenfalls begeistert. „Das erste Gold für einen Frauen-Doppelsitzer überhaupt – und das geht nach Deutschland. Das ist super, und darüber freuen wir uns natürlich sehr“, sagte er. Im Hinterkopf werden die Verantwortlichen des Bob- und Schlittenverbandes Deutschland (BSD) dabei wohl sicherlich auch die Überlegungen haben, diese Disziplin künftig in das Programm der „großen“ Olympischen Spiele aufzunehmen. Bei Jessica Degenhardt dürften diese Gedankenspiele wohl sicher Anklang finden.

Dass die 17-Jährige auch solo erfolgreich sein kann, hatte sie am Vortag des historischen Doppel-Triumphes bewiesen. Im Einzelsitzer-Wettbewerb der YOG fuhr sie hinter der Suhlerin Merle Malou Fräbel zu Silber (SZ berichtete). Auch in den noch laufenden Nachwuchs-Weltcupserien sowie bei der noch anstehenden Junioren-Weltmeisterschaft zählt Degenhardt zu den Top-Favoriten.

Um diese Ziele zu erreichen, investiert die Altenbergerin viel. „Neben der Schule trainiere ich ein- bis zweimal pro Tag“, erklärt sie. „Nachmittags steht dann wieder Lernen auf dem Programm. Da ich auf die Sportschule gehe, lässt sich alles gut vereinbaren. Außerdem erhalte ich viel Unterstützung – von Lehren und Freunden und natürlich von meiner Familie.“

Für das deutsche Team gab es neben den erfolgreichen Frauen noch weitere starke Leistungen zu bejubeln. Bei den männlichen Doppelsitzern fuhren die beiden Thüringer Moritz Jäger und Valentin Steudte zu Gold, im Einzelsitzer-Vergleich holte der Chemnitzer Timon Grancagnolo mit Bronze eine weitere Medaille nach Sachsen. Rang vier belegte hier Mannschaftskollege Pascal Niclas Kunze.

Am Montag werden die Rodel-Wettbewerbe in Lausanne mit dem Mannschaftswettbewerb abgeschlossen. In der Besetzung Fräbel, Grancagnolo und Jäger/Steudt kann Deutschland hier auf die fünfte Medaille im fünften Rennen der Youth Olympic Games hoffen.

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