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Schon wieder Parkärger in Pulsnitz

Autofahrer beklagen: Einige Parkuhren gehen falsch. Die Stadt will trotzdem daran festhalten.

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© Kristin Richter

Reiner Hanke

Der Rentner guckt ein bisschen irritiert auf die Parkuhren am Herrenhausplatz in Pulsnitz. Er kommt von auswärts und hat so etwas Ähnliches zuletzt in einem alten amerikanischen Schinken gesehen. Er wirft eine Münze in den Schlitz, dreht am Hebel und weiß immer noch nicht genau, wie lange er nun parken darf. Die Erläuterungen sind dürftig bzw. so versteckt, dass sie nur schwer zu entdecken sind. Ums Strichezählen und Rechnen kommt man aber ohnehin nicht herum. Um zu erfahren, nach welcher Zeitspanne das rote Schild „Abgelaufen“ auftauchen müsste. Dann sollte man zurück sein. Der Rentner wird aus der Uhr nicht schlau. Der Mann zuckt mit den Schultern und geht. Das kann teuer werden.

Erst jüngst sorgte ein geplanter Parkautomat an der Wittgensteiner Straße für Aufregung. Hier sollen auf einem bisher kostenlosen städtischen Platz bald Gebühren erhoben werden. Nun sind auch die vorhandenen Parkuhren im Stadtzentrum in den Fokus geraten. Über den Ärger mit den Geräten berichtete jetzt ein nicht ganz unbekannter Pulsnitzer am Herrenhausplatz. Die muten an, wie aus dem Museum und stehen nicht nur an dieser Parkfläche im Stadtzentrum. Aber sie tun offenbar ihren Dienst. Ob auch korrekt, daran gibt es jetzt Zweifel. Zehn Euro für eine Ordnungswidrigkeit auf dem Herrenhausplatz soll er zahlen, schreibt der Pulsnitzer Gerd Kirchhübel: „Ich erinnerte mich, dass ich einige Wochen zuvor mit einer Parkuhr Schwierigkeiten hatte“, schreibt er zu dem Knöllchen. Er habe 10 Cent nachgeworfen, aber die Zeit sei unverändert geblieben. „Da habe ich wohl etwas falsch gemacht“, dachte Kirchhübel zuerst. Doch nach der Post mit dem Ordnungsgeld sei er sauer gewesen, habe einen Test gestartet und dafür etliche Zehner geopfert.

Zweifel an der Funktionstüchtigkeit

Die Dauer der Parkuhren ist wie folgt angegeben: für 5 Cent – 6 Minuten, 10 Cent – 12 Minuten und 50 Cent – 60 Minuten. Um den Hinweis darauf zu finden, muss man aber nicht nur Spürsinn aufbringen, sondern auch sehr nahe ans Gerät treten. Vorn an der Uhr, wo die Hinweise zu erwarten sind, suchen Nutzer vergeblich. Gerd Kirchhübel: „Beim gleichen Betrag von jeweils 10 Cent zeigten mir die sechs Parkuhren auf dem Herrenhausplatz Zeiten von 4,5 bis 16 Minuten an.“ Normalerweise bleibt niemand bei den Uhren stehen, um zuzuschauen, wie die Zeit abläuft. „Den enormen Abweichungen geschuldet habe ich es gemacht“, so Kirchhübel. Bei 4,5 Minuten war die Uhr auch nach 4,5 Minuten abgelaufen. Bei 16 Minuten war das bereits nach elf Minuten der Fall. Beim Füttern der Uhren mit 5 Cent kam eine Zeit von 4 bis 6 Minuten heraus. Bei einem 50-Cent-Stück hat mir eine Uhr 57 Minuten angezeigt: „Da ich nicht nur auf dem Herrenhausplatz parke, konnte ich feststellen, dass jeweils andere Parkzeiten angezeigt werden.“

„Das kann ja wohl nicht sein!“ sagt sich Kirchhübel, so die Kraftfahrer abzuzocken. Sind die Uhren überhaupt noch funktionstüchtig, dass Ordnungsgelder erhoben werden können, sind die Abweichungen zulässig? Von etlichen Beschwerden ihrer Kunden über die Uhren kann auch Christel Frenzel vom benachbarten Modehaus berichten. Sie habe sich ebenfalls bei der Stadt beklagt. Zuletzt war eine Kundin völlig verzweifelt, weil sich der Knauf an der Uhr nicht drehen ließ. Andere haben schon fluchtartig das Geschäft verlassen, aus Sorge vor einem Knöllchen: „So verprellt uns die Stadt die Kunden.“ Und mit Blick auf die antiquierte Technik sagt die Geschäftsfrau: „Die Leute lachen über uns.“

Eine Sache der Mechanik

Sollten die Uhren also besser auf den Schrott? Das hat die Stadt nicht vor. Die Parkuhren im Stadtgebiet seien jetzt aber umfassend überprüft, mit Münzen getestet und mit einer Digitaluhr ausgemessen worden. „Die dabei ermittelten Differenzen sind dem jeweiligen Alter der Münzsysteme geschuldet“, heißt es. Jedoch sei die Toleranz niemals zum Nachteil des Parkenden, sondern zu dessen Vorteil ausgefallen, stellt die Stadt fest.

Allerdings räumt die Stadt ein: Bei dem Münzsystem handele es sich um ein rein mechanisches Laufwerk, das mit der Hilfe der eingeworfenen Münze aufgezogen wird. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass stark abgenutzte oder deformierte Münzen den Aufzugsprozess verändern. Dafür würden aber keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen. Weiterhin stellt die Stadt fest, dass die Parkuhren einen sogenannten Nachlauf besitzen würden, bis zu zehn Minuten. Zwei rote Punkte wären deshalb aufgedruckt für 5 und 10 Minuten. Bis dorthin läuft der Zeiger. Damit solle eine eventuell vorhandene Toleranz von vornherein ausgeglichen werden. Erst wenn sich der schwarze Zeiger im Bereich des zweiten roten Punktes befinde, setze es ein Knöllchen. Im Übrigen unterlägen Parkuhren grundsätzlich keiner Eichpflicht. Die Parkuhren seien vom Hersteller standardmäßig eingestellt. Die Uhrwerke könnten nicht verstellt oder manipuliert werden.

Also soll es auch beim Bußgeld für den Bürger bleiben. Der kündigte bereits Widerstand an. Denn seine Erfahrungen mit den Geräten seien andere. Damit stehe er nicht allein, sagt er und fordert: „Diese Dinger gehören aus dem Verkehr gezogen. Sie sind nur schädigend für eine Kleinstadt wie Pulsnitz.“