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Schotten dicht

Ein Unwetter verwüstete voriges Jahr das Grundstück von Familie Tüllner. Dank einer Spende kann sie ihr Haus jetzt besser schützen.

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© Uwe Soeder

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Breitendorf. Karl-Heinz Tüllner zeigt, wie es geht. In die Schienen, die links und rechts neben der Tür angeschraubt sind, setzt er nach und nach die Profile ein. „Das geht einfach und schnell.“ Im Notfall hofft er, sein Haus damit schützen zu können.

Bei dem schweren Unwetter vor acht Monaten konnte Familie Tüllner nur zuschauen, wie das Wasser zur Tür an der Giebelseite ihres Hauses am Rande von Breitendorf (Gemeinde Hochkirch) hineinschoss und immer höher stieg. Etwa 1,50 Meter stand es schließlich in den Kellerräumen. Bis in die Wohnung kam es zum Glück nicht. Der Schaden war trotzdem groß: Vorräte wie Konserven und Kompottgläser schwammen im Dreck, Waschmaschine und Trockner waren hinüber. Drei Autos hatten Totalschaden. Der Garten war verwüstet, und in der Voliere hinterm Haus waren 25 Tauben ertrunken.

Karl-Heinz Tüllner ist 64 Jahre alt. Er ist auf diesem Fleckchen in Breitendorf aufgewachsen, hat in den 1970er-Jahren ans elterliche Haus angebaut, in dem heute Schwester und Schwager leben. Überschwemmungen habe es auf dem idyllisch gelegenen Anwesen auch früher mal gegeben. Aber so schlimm wie an jenem Sonntag Anfang Juni 2013 war es nie, sagt Tüllner. „Eigentlich sah es nach einem normalen Gewitter aus“, beschreibt Karin Tüllner, was da kurz nach dem Mittag über Hochkirch und Weißenberg heraufzog. Doch dann hörte es einfach nicht auf zu regnen. Von drei Seiten strömte Wasser auf ihr Haus zu. Es kam vom nahe gelegenen Bahndamm und von den umliegenden Feldern. Noch Tage später stand die braune Brühe im Keller. Es war zum Verzweifeln.

Aber es kamen auch viele Helfer, die mit anpackten, zum Beispiel von den Freiwilligen Feuerwehren. „Wir haben auch Geld von der sächsischen Aufbaubank bekommen“, ist Karin Tüllner froh. Inzwischen haben sie vieles wieder in Ordnung gebracht, auf dem Grundstück ist aber noch einiges zu tun. Finanzielle Hilfe bot auch der Bautzener Rotary Club an. Wie schon nach der Elbeflut 2002, als eine Bäckerei in Bad Schandau unterstützt wurde, und nach dem Hochwasser 2010, als die Baumschule Pelz in Bautzen Geld für einen Kleintraktor bekam. Diesmal spendeten die Rotarier, die sich für vielfältige soziale Projekte einsetzen, 9 000 Euro an drei besonders betroffene Familien in der Gemeinde Hochkirch. Stellvertretend für eine weitere Familie in Breitendorf und eine in Pommritz nahmen Tüllners jetzt einen Scheck über 3 000 Euro entgegen. Sie haben mit dem Geld den mobilen Hochwasserschutz für den Kellereingang bezahlt – hoffen aber, dass er nie ernsthaft zum Einsatz kommen möge.

Etwas dazu beitragen will auch die Gemeinde. Wenn die bei der Überflutung arg in Mitleidenschaft gezogene Zufahrtsstraße zu Tüllners und zwei weiteren Gehöften erneuert wird, soll auch ein verrohrter Graben geöffnet werden. Damit das Wasser anderweitig abfließen kann, anstatt sich den Weg ins Grundstück zu suchen.

Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis alle Spuren des Juni-Hochwassers beseitigt sind. Allein die Gemeinde Hochkirch hat an ihren Straßen, Brücken und Gewässern Schäden in Höhe von 6,5 Millionen Euro zu beklagen. Um die zu beheben, gibt es anders als 2010 aber diesmal zu 100 Prozent Geld vom Staat.