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Schottisches auf englisch verkaufen

Großenhainer Schülerfirma „Exporterfolg“ wird in der Britischen Botschaft in Berlin ausgezeichnet.

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Von Julia Polony

Die freundlichen und anerkennenden Worte des britischen Botschafters Peter Torry scheinen an ihnen vorbei zu rauschen. In Gedanken schon bei der eigenen Präsentation versucht jeder der fünf Neuntklässler auf seine Art mit dem Lampenfieber klar zu kommen.

Alexander Goersch studiert angespannt seine Notizen, die auf mehreren Karteikarten im DIN A5-Format stehen. Nico Doms lenkt sich mit der Videokamera ab, in dem er die Rede des britischen Botschafters aufzeichnet. Die anderen sitzen wie gebannt auf ihren Stühlen, die Hände auf dem Schoß, ihr Blick starr nach vorn. Gleich werden sie vor die vielen fremden Schüler und Lehrer treten und ihnen ihre Firma vorstellen. Ob alles klappt?

Die Britische Botschaft in Berlin lud am vergangenen Freitag Vertreter der Schülerfirma „Exporterfolg“ von der 1. Mittelschule „Am Kupferberg“ in die Hauptstadt ein. Neben 18 weiteren Schulen aus ganz Deutschland und zwei aus Großbritannien wurden sie für ihre Teilnahme an dem Schülerprojekt der Organisation „Achievers International“ ausgezeichnet. Die Präsentation der Großenhainer Mittelschüler lief gut, die Aufregung ist verschwunden. „Jetzt kommt das Beste: Verkaufen“, sagt Sophie Peters, stellvertretende Leiterin von „Exporterfolg“.

Nach dem offiziellen Teil nutzten die fünf Jungunternehmer die Gelegenheit, bei einem kleinen Empfang mit Kaffee und Kuchen die Produkte an den Kunden zu bringen. Alles auf Englisch natürlich. „Einiges, was wir anbieten, haben wir selbst gemacht“, erklärt der Leiter Thomas Richter. „Manches haben wir uns von einer Partnerschule in Schottland schicken lassen.“ Während die Wirtschaftslehrerin Helga Klötzer das von den Schülern gestaltete Plakat mit Klebeband am Tisch befestigt, packen Sophie Peters und Janine Jeschke ihre Produkte aus: Kleine Plüschmäuse, Kalender mit Fotos von Schülerarbeiten, Holzarbeiten mit der Silhouette von Großenhain und eigens importierte Süßigkeiten aus Schottland wandern hübsch angeordnet auf die Verkaufsfläche.

Dann schnappt sich die 15-jährige Sophie die Werbezettel und macht potenzielle Käufer auf die Schülerfirma aufmerksam. Mit Erfolg. Schon nach wenigen Minuten ist der Stand von neugierigen Besuchern umringt. Mit einem gewissen Talent für Verkaufsstrategien hat die Schülerin schon nach kurzer Zeit einiges verkauft. „Die Schülerkalender gehen besonders gut“, strahlt sie und beschwatzt in feinstem Englisch schon den nächsten Kunden. Dass es ein deutscher Englischlehrer aus Marburg ist, der auch in seiner Schule eine Schülerfirma gründen möchte, erfährt sie erst, nach dem Gespräch.

Der Besuch in Berlin war für die Schülervertreter ein aufregender Tag. Auch wenn der Besuch am Vormittag im British Council für Nico sehr anstrengend war. „In meinem Kopf herrscht Datenstau“, sagt er. „Zu viel Englisch.“ Alexander ist stolz auf sich, denn der sonst so schüchterne junge Mann hat seinen Vortrag in der Botschaft gut gemeistert. „Ich find‘s schön, dass wir was verkauft haben“, sagt Sophie. Lust, mal nach England zu fahren, hat Janine bekommen und Thomas bleibt nur noch eins zu sagen: „Es war genial.“ Bis zum nächsten Jahr?