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Schräg, schräger, Waldheim

François Maher Presley hat einen Reiseführer über die Stadt an der Zschopau geschrieben. Die Fotos darin fallen aus dem Rahmen.

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© André Braun

Von Doreen Hotzan

Waldheim. Das Rathaus von Waldheim ist schief. Auch die anderen Sehenswürdigkeiten in der Stadt erwecken diesen Eindruck – zumindest in dem von François Maher Presley verfassten Reiseführer über „Waldheim in Mittelsachsen“. Die darin abgebildeten Fotos hat der in Kuweit geborene Autor selbst geschossen. Dass er die Motive nicht gerade fotografiert habe, sei beabsichtigt, sagt er. „Der Blick der Menschen geht nicht geradeaus. Das geht schon aufgrund seiner Höhe nicht. Wir schauen schräg, von unten nach oben oder oben nach unten, wir drehen unsere Köpfe und jeder hat eine andere Sicht, somit auch ein anderes Bild – selbst von den gleichen Ansichten“, sagt er. Architektur gestalte das Leben von Menschen und Menschen gestalten aber auch Architektur. „Ich möchte, dass sich meine Leser ihr Waldheim ein bisschen selbst gestalten und Motive sehen, die sie eigentlich im Alltag nicht ausmachen oder übersehen“, erläutert François Maher Presley.

Er selbst kannte Waldheim überhaupt nicht, besuchte die Stadt das erste Mal im November 2014. „Ich war erstaunt über diesen hübschen Ort und war völlig überrascht, mit welcher Liebe der damalige Bürgermeister Steffen Blech mich drei Tage durch die Stadt führte, mir alles zeigte, mich gleich in das dortige Leben und den Weihnachtsmarkt einführte“, so der Autor. Er habe sich in die Kleinstadt verliebt und wollte unbedingt ein Reisebuch über Waldheim machen.

Schlecht platzierte Straßenschilder

Anfang Juni vergangenen Jahres begann die Arbeit an dem Projekt. Zehn Tage weilte François Maher Presley mit seinem Verleger sowie zwei Mitarbeitern in der Zschopaustadt. Sie erkundeten Waldheim und die Region, besichtigten diverse Sehenswürdigkeiten. Dazu gehörten die evangelische Kirche St. Nicolai, der Kellerberg, der höchste Aussichtsturm von Waldheim sowie die Burg und die Talsperre Kriebstein. Anschließend flog der Autor zu seinem Verleger nach Frankfurt, wo er die Texte zu dem Buch schrieb. Ende September erschien der Reiseführer. Wer durch das Buch blättert, wird zudem feststellen, dass nirgends auf den Fotos Autos oder Schilder zu sehen sind. Was steckt dahinter? „Waldheim hat zu viele und oft schlecht platzierte Straßenschilder ausgerechnet in der schönen Altstadt“, sagt der Autor. So gelänge es einem nicht, eine Hausansicht einzufangen, ohne dabei ein Schild vor Augen zu haben.

François Maher Presley plant keinen weiteren Reiseführer über die Stadt. Dennoch hat ihn Waldheim zu weiteren Projekten inspiriert. „Gerade habe ich einen Kalender mit Motiven aus Waldheim in der Fertigstellung für 2017“, sagt er. Auch ein Taschenbuch mit dem Titel „Mord in Waldheim“ soll noch über die Zschopaustadt erscheinen. Darin verarbeitet François Maher Presley seine Eindrücke, die er von Waldheim gewonnen hat.