merken

Schräge Posse um krumme Ausfahrt

Eine scharfe Kurve zur Straße heraus ärgert die Bewohner eines Karrees am Großen Garten. Und schadet deren Autoreifen.

© Christian Juppe

Von Tobias Hoeflich

Anzeige
Dresdens schönste Aussicht am Postplatz

Es ist das jüngste Mitglied der Oscar Bruch jr. Riesenrad-Familie: Das 55 Meter hohe, mobile „Wheel of Vision“ - Riesenrad-Spaß für die ganze Familie!

Wenn Siegfried Nentwich mit seinem Auto das Wohnkarree zwischen Rudolf-Mauersberger- und Müller-Berset-Straße verlassen will, wird das Herausfahren zur Maßarbeit. Erst scharf links einlenken, dann scharf rechts: Nur so gelangt er vom Innenhof auf die Straße. Schief und krumm lachen kann sich Nentwich nicht über die kuriose Ausfahrt: „Das ist doch ein Schildbürgerstreich!“, ärgert er sich.

Als die Einfahrt vor Jahren neu gepflastert wurde, bauten die Fachleute kurz vor dem Bürgersteig eine scharfe Kurve ein. Die Planung ist gehörig schiefgegangen, findet der 85-Jährige. Und streitet sich seitdem mit der Wohnungsgenossenschaft (WG) Post, der die Häuser in dem Karree gehören, warum die Einfahrt nicht begradigt werden kann. „Es geht hier doch nur um einen reichlichen Quadratmeter, der gepflastert werden muss. Da ist ja nichts, was das Ausfahren blockieren würde, sondern nur Grünfläche“, erklärt er kopfschüttelnd.

Für seinen Einsatz, die Ausfahrt wieder gerade zu rücken, hat Nentwich sechs weitere Anwohner auf seiner Seite. Sie alle ärgert nicht nur die scheinbar unnötige Kurve, sondern auch, dass sie regelmäßig mit ihren Autoreifen daran hängen bleiben. Der schwarze Abrieb an den Kurvenkanten zeugt davon. „Bei Tageslicht lässt sich das ja noch halbwegs vermeiden. Aber wenn es dunkel ist oder Schnee liegt, sieht man die Kurve schlecht.“

Reifenschäden kosten 800 Euro

Inzwischen zieht sich die Posse um die Problemausfahrt schon über Jahre hin – ohne dass sich an der Kurve etwas geändert hat. Das sei auch nicht ohne Weiteres möglich, wie die WG Post auf SZ-Anfrage mitteilt. „Die Ausfahrt kann nicht zur Straße geradlinig verlaufen, da die vorhandene Zufahrt des öffentlichen Gehweges für die Ein- und Ausfahrt genutzt werden muss“, erklärt Geschäftsführerin Anke Kirsten.

Würde die Ausfahrt aus dem Karree geradlinig sein, müsste dafür auch der Gehweg umgebaut, der Bordstein abgesenkt werden. „Da eine Straßenbeleuchtung in unmittelbarer Nähe sowie ein Behindertenstellplatz an der Ausfahrt vorhanden sind, wird einer Umsetzung der Zufahrt vom Straßen- und Tiefbauamt nicht zugestimmt werden“, vermutet Kirsten und ergänzt: „Aus Kostensicht ist eine solche Variante nicht zu realisieren.“

Die Geschäftsführerin widerspricht zudem der Ansicht, dass die Anwohner hier zwangsläufig mit ihren Reifen hängen bleiben. Schließlich sei die Ausfahrt fast vier Meter breit und auch für Feuerwehrfahrzeuge zugelassen. „Von einer problematischen Ausfahrt kann man hier nicht sprechen.“ Dennoch habe es laut Kirsten kürzlich einen Besichtigungstermin vor Ort gegeben. Derzeit würden Angebote eingeholt und Lösungsvorschläge erarbeitet, wie die Kurve zumindest entschärft werden könne. „Vorgesehen ist, eine Kürzung der Krümmung um circa 50 bis 70 Zentimeter und eine Schräge zur Zufahrt des öffentlichen Gehweges an der linken Seite zu setzen“, kündigt die WG-Post-Chefin an.

Für die Anwohner um Siegfried Nentwich ist das schon ein Lichtblick. Wer glaubt, dass den Senior die weniger schräge Einfahrt zufriedenstellt, täuscht sich aber: In seinem Aktenstapel zur krummen Ausfahrt ist auch eine Rechnung vom April 2014 über 800 Euro abgeheftet. Zu Buche schlagen zwei neue Reifen und vier reparierte Felgen – laut Nentwich Folge der kuriosen Kurve. „Ich fordere die Erstattung der Kosten durch die Wohnungsgenossenschaft.“ Das lehnt die WG Post bislang ab.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.