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Schräge Vögel trotzen der Krise

Kay Leo Leonhardt sind Aufträge weggebrochen. Dennoch hat der Meißner Kunstpreisträger in diesen Zeiten allerhand zu tun.

Zeitgewinn durch Corona. Kay Leonhardt in seinem Atelier.
Zeitgewinn durch Corona. Kay Leonhardt in seinem Atelier. © Franziska Bachmann

Meißen. Abstand bringt die Dinge näher. Für Kay Leonhardt ist das so etwas wie ein Leitspruch. Nicht erst in diesem Frühjahr. Nach mehreren Studien- und Arbeitsaufenthalten seit 1994 nennt der Schöpfer der schrägen Vögel und Kunstpreisträger der Stadt Meißen Japan nicht nur sein zweites Heimatland - er ist auch jemand, der viele für das fernöstliche Land zu begeistern versteht. Als Vorstand der Freundschaftsgesellschaft zwischen den Partnerstädten Meißen und Arita organisiert er Begegnungen zwischen den Einwohnern beider Städte. Seit Jahren schon.

In diesem März sollte das zum 29. Mal stattfinden – und Jugendliche aus Arita nach Meißen zu Besuch kommen. Viele Vorbereitungen waren getroffen und mit Gastfamilien in Meißen Details besprochen. Über seine Kontakte nach Japan erfuhr er von den Schulschließungen und den Alltag in der Corona-Pandemie, als das Thema hierzulande noch als ein fernes Problem wahrgenommen wurde, berichtet Kay Leonhardt. Und so war ihm schon recht früh klar, dass es in diesem Jahr wohl nichts wird mit dem traditionellen Jugendaustausch.

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Traum erfüllt sich nicht

Die Corona-Krise und ihre Folgen haben ihn in vielerlei Hinsicht betroffen. Für den Künstler, der sich auf Messen, unter anderem die Internationale Tourismusbörse in Berlin, und bei Events präsentiert bzw. dafür zeichnet, sind allerhand Aufträge weggebrochen. Und sein Traum, bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei zu sein, geht in diesem Sommer nicht in Erfüllung. „Ich hatte mich bereits 2019 beim Deutschen Sport Marketing beworben, um im Deutschen Haus für unser Team live zeichnen zu dürfen“, sagt er. Die Flüge waren lange gebucht, als das IOC nach tagelangem Hin und Her die Absage von Tokio 2020 bekanntgab.

Die durch das Virus erzwungene Ruhe brachte zugleich neue Möglichkeiten: „Plötzlich hatte ich Zeit, all die Dinge, die liegengeblieben waren, aufzuarbeiten“, berichtet Leo. Da waren Anfragen von Freunden und Bekannten, denen er nun endlich das versprochene Bild zeichnen konnte. Oder die persönlich gestaltete Einladungskarte zu einer Familienfeier. Auch Mund-Nasenschutz-Masken hat er mit dem Namen des Besitzers oder Leo-typischen Motiven gestaltet. Dies sei aber nur ein Liebesdienst für gute Freunde gewesen. Nein, „damit wollte ich keinen Gewinn machen“ – darauf legt er Wert.

Für gute Freunde und Bekannte hat Kay Leonhardt Mund-Nasenschutz-Masken eine besondere Note verliehen.
Für gute Freunde und Bekannte hat Kay Leonhardt Mund-Nasenschutz-Masken eine besondere Note verliehen. © Kay Leonhardt

Und er hat sich um Dinge ohne Zeitdruck kümmern können. So ist zum Beispiel im Meißner Atelier gemeinsam mit Daniel Bahrmann schon ein Motiv für die Glühweintasse zur Meißner Weihnacht in diesem Jahr entworfen worden. Verraten wird es natürlich noch nicht – es ist schließlich Tradition, dass der Gewerbeverein in Meißen die Tasse erst kurz vor dem Beginn der Meißner Weihnacht präsentiert. Auch Etiketten für Weinflaschen – aus der italienischen Region Venezien ebenso wie für das Weingut Schloss Proschwitz – sind in diesem Frühjahr in Leos Atelier in Dohna entstanden. Fertig ist auch bereits das Stollen-Dekor für ein Dresdner Backhaus. Neue Zeichnungen sind für Ausstellungen entstanden, die ab November  im Kempinski Taschenbergpalais und in Kastenmeiers Restaurant in Dresden zu sehen sein sollen.

Die Krise hat auch neue Aufträge beschert. Die Schweizer Schokoladenmanufaktur Nummer 1 wandte sich an ihn und bestellte Zeichnungen für das Ostergeschäft, das wegen der Pandemie ausschließlich über den Online-Handel laufen musste. Natürlich müsse man sehen, wo sich Auftraggeber und Auftragnehmer ökonomisch treffen, sagt er. Aber in Krisenzeiten wie diesen kommt es auch auf Rücksicht an. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass er persönliche Betroffenheiten wahrnimmt – sei es im Kontakt mit dem Weinfachhändler, der Weine aus Norditalien vertreibt, oder beim Besuch in einem Township in Südafrika, wo er gemeinsam mit seiner Frau im Februar war und wo er über die Hope-Kapstadt-Stiftung Kindern hilft.

Motto als Motiv: Eine von Kay Leonhardt gestaltete Schokoladen-Verpackung.
Motto als Motiv: Eine von Kay Leonhardt gestaltete Schokoladen-Verpackung. © Kay Leonhardt

Solidarität in Chemnitz

Stolz ist er auf eine von Chemnitzer Unternehmern initiierte Benefizaktion, an der Kay Leonhardt mitgewirkt hat. Gemeinsam mit dem Leipziger Künstler Micha Fischer-Art gestaltete er eine 31 mal 6,60 Meter große Leinwand, die seit April ein Hochhaus in der Stadtmitte von Chemnitz ziert. Und großes Interesse auch in den Medien fand. Natürlich sind Leos bunte schräge Vögel darauf zu sehen – im Kampf gegen das Virus. Viele Tage hat er daran gearbeitet, selbstverständlich ohne Honorar. Erlöse aus dem Verkauf von Drucken dieses Solidaritäts-Motivs kommen dem Chemnitzer Sport zugute, berichtet er.

Dass Leos schräge Vögel auch in den sozialen Medien umherflattern, über Facebook geteilt werden und ein positives Echo finden, freut ihn natürlich. Im Netz pflegt der Künstler natürlich auch seine Kontakte nach Japan. In Meißens Partnerstadt Arita zum Beispiel schreibt er regelmäßig eine Kolumne für das dortige Amtsblatt. In der vorigen Woche behandelte die Jahrestagung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft einen vor zwei Jahren gestellten Aufnahmeantrag der Freundschaftsgesellschaft Meißen-Arita e.V. - und beschied ihn positiv. Als Mitglied der Dachgesellschaft erschließen sich damit neue Möglichkeiten, auch um Fördermittel für den jährlichen Austausch von Besuchen aus Meißen und Arita zu erhalten, freut sich Kay Leonhardt.

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Ein Prost auf Japan

Ein Prost auf Japan

Eine Besonderheit der Meißner Weihnacht 2019 sind wertvolle Tassen verschiedener Manufakturen aus der Partnerstadt Arita, die seit Montag verlost werden.

Ihn bestärkt das, einen neuen Anlauf im nächsten Jahr, in dem übrigens das 160-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan ansteht, zu wagen. Wie die Olympischen Spiele, ist auch der Besuch von Menschen aus Meißen und Arita ins Jahr 2021 verschoben worden. „Die Begegnungen werden die Olympischen Spiele gewissermaßen einrahmen“, sagt Kay Leonhardt. Im März 2021 kommen die Gäste aus Arita nach Meißen, und im Herbst reisen Meißner dann nach Arita. Das wäre dann der 30. Besuch, den die Freundschaftsgesellschaft Meißen-Arita e.V. organisiert. 

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