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Schranke bremst Pläne am Berzdorfer See aus

Die Grundstückseigentümer vom Oberhof wollen Gastronomie anbieten. Aber die Gäste laufen nicht hin.

Von Jenny Thümmler

Wegezoll. Unrechtmäßig eingetrieben. So nennt Dietmar Stope die Gebühr, die an der Zufahrtstraße zum Nordstrand des Berzdorfer Sees erhoben wird. „Wofür“, fragt der Görlitzer, „wenn ich doch am Strand gar nicht parken will?“ Er selbst will das nämlich nie. Ihm und zwei weiteren Eigentümern gehört der Oberhof, das südlichste Gut in der Reihe der restlichen Höfe in Deutsch Ossig. Dort werkelt Dietmar Stope fast jeden Tag, lädt Gäste ein, öffnet hin und wieder seinen Imbiss. Sein Problem: Wer zu ihm will, muss Eintritt bezahlen. „Das kann doch nicht sein!“ Eine Mitarbeiterin des Security-Unternehmens K9, das die Parkplatzgebühr kassiert, kann den Ärger nicht verstehen. Stope selbst komme immer sofort durch, sie kenne ja sein Auto. „Und andere lassen wir auch gratis passieren, wenn sie zu einer Feier auf den Oberhof wollen.“ Dem Imbissbetreiber reicht das nicht: „Es sind ja nicht alle meine privaten Gäste. Ich kann nicht jedem sagen, er soll vorn Bescheid geben.“

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Aber das ist nicht der größte Ärger für Dietmar Stope. Die Schranke am Parkplatz Deutsch Ossig regt ihn viel mehr auf. Autofahrer sind spätestens an dieser Stelle gezwungen, ihr Auto stehenzulassen. Dann ist es aber noch fast ein halber Kilometer Fußmarsch bis zum Imbiss von Dietmar Stope. Kaum ein Besucher nimmt diesen weiten Weg auf sich, wenn er gleich hinter der Schranke an zwei Imbiss-Ständen vorbeikommt. Aus Protest hat Stope den Imbiss auf seinem Hof in dieser Saison gar nicht erst eröffnet. „Ich habe schon an den Umsätzen 2011 und 2012 gemerkt, dass es mit Schranke nicht funktioniert.“ Auch aus Richtung Hagenwerder kommen weniger Gäste, seit der Bahnübergang Flutmulde weg ist. Dabei hat er eine Genehmigung fürs ganze Jahr, könnte also Tee und Glühwein ausschenken und so auch im Winter Leben an den See holen.

Aber das sind für die Grundstückseigentümer nur kleine Brötchen. Eigentlich planen sie Großes mit den drei Gebäuden ihres Hofs, darunter Hotel und Gastronomie. Dietmar Stope als gelernter Bauingenieur gerät ins Schwärmen, wenn er davon erzählt. Die Anlage gibt in seinen Augen tolle Möglichkeiten für die Öffentlichkeit her. Es soll eine feine Adresse am See werden. Platz für 40 Parkplätze ist auch. „Aber die Schranke muss weg.“ Als frühere Betriebsschranke des Tagebaus hätte sie jetzt keine Berechtigung mehr. Miteigentümer Bernhard Trott sieht es genauso. „Wir hoffen noch, dass sie verschwindet, wenn der Bebauungsplan fertig ist. Ändert sich dann nichts, werden wir uns heftig wehren.“

Dabei wirken die beiden nicht wie Menschen, die stur auf ihrem Recht beharren. Mit dem Bergbausanierer LMBV haben sie eine Übereinkunft getroffen über einen Flächentausch an ihrem Grundstück. Ein Stück der asphaltierten Straße schneidet es nämlich ungefragt.

Außerdem ist die S-Kurve am Ende von Deutsch Ossig sehr eng. Große Autos haben dort Probleme. Um beides zu entschärfen, wird ein Flächentausch gemacht. Die LMBV bestätigt das Ganze. Es sei ein übliches Verfahren, um Grundbesitz sinnvoll zusammenzulegen und eine geschlossene Fläche zu erhalten, erklärt Bernd Krüger, Leiter der LMBV-Liegenschaftsabteilung. Stope und die anderen Eigentümer geben eine Ecke ab, um am anderen Ende ihres Grundstücks eine in Richtung See hinzuzubekommen. Nur mit der Stadtverwaltung hatte Dietmar Stope bislang kein Glück. Seitenweise hat er Absagen und Vertröstungen vorliegen. „Ich bin so enttäuscht von der Stadt.“

Daran dürfte sich in nächster Zeit nichts ändern. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, soll die Schranke die öffentliche Sicherheit ab dieser Stelle für Fußgänger und Radfahrer gewährleisten. „Es besteht keine Notwendigkeit, die Schranke gegenwärtig zu öffnen oder zu beseitigen“, so eine Sprecherin. Zudem würde dann Deutsch Ossig wild zugeparkt, was nicht im Interesse der Besucher und der Stadt sei. Was nach Fertigstellung des Bebauungsplans und der Entscheidung, ob die Straße öffentlich gewidmet wird oder nicht, mit der Schranke passiert, sei bislang unklar.

Auch andere am See sehen die Sperre positiv. Ralf Richter und Angelika Tram vom Carari-Imbiss zum Beispiel. „Aus Gründen der Ruhe und Sicherheit sind wir für die Schranke. Schon allein, weil manche Gäste sonst mit dem Auto an den Tisch fahren würden.“ Das hätten sie schon erlebt, als die Schranke offen war. Andersherum habe es noch nie Beschwerden gegeben von Gästen, dass sie zum Imbiss laufen müssen. Ähnlich äußert sich Bernd Otto vom gegenüberliegenden Imbiss mit Eisbar. „Vor allem an den Wochenenden und zu Festen sind Hunderte Radfahrer und Familien mit Kindern unterwegs. Wenn dazwischen Autos herumfahren, wird es gefährlich.“

Für Dietmar Stope liegt die Lösung aller Probleme in etwas Überraschendem: einer Schranke. Aber nicht in der am Parkplatz, sondern in der 500 Meter weiter, oberhalb des früheren Segelstützpunkts. Seit Mai 2012 steht sie dort unbenutzt, offen. „Diese aktivieren, damit Autos nicht auf dem Radweg nach Hagenwerder fahren. Dafür die andere weg. Und ich wäre glücklich.“