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Schrebergärtner für freie Parzellen gesucht

Klangvolle Namen wie Rhododendronweg und Rosenweg laden zum Schlendern durch die Kleingartenanlage Am Michaelisheim ein. Zurzeit sind in der Sparte fünf freie Parzellen neu zu besetzen. Am vergangenen Samstag hatten interessierte Neugärtner die Möglichkeit, sich die Grundstücke ansehen.

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Von Claudia Birkigt

Klangvolle Namen wie Rhododendronweg und Rosenweg laden zum Schlendern durch die Kleingartenanlage Am Michaelisheim ein. Zurzeit sind in der Sparte fünf freie Parzellen neu zu besetzen. Am vergangenen Samstag hatten interessierte Neugärtner die Möglichkeit, sich die Grundstücke ansehen.

„Einen Garten haben wir heute übergeben“, sagt der Vorstandsvorsitzende Sven Laudel. Er erklärt die verschiedenen Angebote. „Wir haben zwei Kategorien“, sagt er, „in einigen Parzellen stehen gut erhaltene Massivlauben. Andere Gärten sind komplett leer.“ Dort können die zukünftigen Besitzer ihrer Phantasie bei der Gestaltung vollkommen freien Lauf lassen.

Kein teures Hobby

„Ich habe auch so angefangen“, sagt Laudel. Der 29-jährige Multimediafachmann hatte 2007 nach einem schönen Garten in Großenhain gesucht. Mittlerweile hat er vier Parzellen zusammengelegt und bewirtschaftet sie in jeder freien Minute. „Der Garten war total verwildert, als ich ihn übernommen habe.“ Laudel schüttete einen Sandstrand auf, brachte die desolate Laube auf Vordermann und legte neue geschwungene Wege an. Jetzt gehört seine Parzelle zu den Glanzstücken der Anlage.

„Ich komme eigentlich aus Döbeln. Dort hatte ich schon mit 19 Jahren meinen ersten Garten.“ Seit Anfang 2010 hat Laudel den Vorsitz des Kleingartenvereins übernommen. Zu Beginn hatte der junge Mann Bedenken, denn er wusste nicht was auf ihn zukommt. Mittlerweile füllt er sein Amt auch zur Zufriedenheit der älteren Generation aus.

Die macht wie in vielen anderen Sparten den Großteil der Pächter aus. „Ich glaube, der älteste Besitzer ist 90 Jahre alt“, sagt Laudel. Das Durchschnittsalter in der Anlage liege etwa bei 50 Jahren. Dennoch sind „viele Leute mittlerweile zu alt um ihren Garten noch ausreichend pflegen zu können.“ Daher werden immer mehr Parzellen frei. Junge Interessenten sind nicht leicht zu finden.

Laudel inserierte sogar schon auf der Internet Plattform Ebay-Kleinanzeigen. Dort bot er freie Parzellen zum Verschenken an. Die zukünften Pächter können so ausgesprochen preisgünstig ein grünes Domizil bewirtschaften. Je gepachtetem Quadratmeter Grundfläche fallen jährlich 10 Cent an. Dazu kommen geringe Umlagekosten und verbrauchsabhängige Energiekosten. Somit verursacht ein Kleingarten mit einer Fläche von zirka 150 Quadratmetern im Jahr durchschnittlich 45 Euro Unkosten.

„Das könnten sich auch Hartz-IV-empfänger leisten“, sagt Otto Neumann, „vier Euro im Monat ist nicht zu teuer.“ Man könne den Leuten beim Preis sogar noch weiter entgegenkommen. Vor allzu strengen Vorschriften müssen sich Gartenliebhaber nicht fürchten. Es gilt zwar wie in allen anderen Sparten das Kleingartengesetz, welches vorschreibt, dass ein Drittel des Gartens kleingärtnerisch genutzt werden muss, doch sieht Sven Laudel diese Regel nicht so eng. „Man kann nicht mehr so kleinlich sein“, sagt er, „wenn es danach geht, müsste hier jedem Dritten gekündigt werden.“

Die Gartenanlage zeichnet sich durch eine eigene Brauchwasserversorgung aus. Über den eigenen Brunnen wird so Wasser in die verschiedenen Gärten gepumpt. „Mit Trinkwasser kann man sich das nicht erlauben“, erzählt Laudel.

Im letzten Jahr gewann er mit seiner 7,9 Kilogramm schweren Riesenzucchini bei der Gartenolympiade. „Aber in diesem Jahr sind bei mir überhaupt keine gewachsen“, sagt er betrübt. Bei Otto Neumann dagegen schon. Der 78-jährige Botaniker pflegt in seinem Garten ganz besondere Gewächse. Chinesische und chilenische Hanfpflanzen oder die sogenannte Ruhmeskrone findet man zwischen zahlreichen exotischen Pflanzen, die der Rentner von Reisen mit nach Großenhain gebracht hat.

Fast wie im Urlaub

Die Freude an der Natur und das Arbeiten an der frischen Luft sind für ihn die entscheidenden Pluspunkte der eigenen Parzelle. „Hier kann ich mich erholen“, sagt Neumann. Sven Laudel sieht das ähnlich: „Urlaub kann ich mir nicht leisten. Aber bei der Hitze ist das hier fast dasselbe.“ In zwei Jahren feiert die Gartensparte an der Öhringer Straße 100-jähriges Jubiläum. Dann kann man neben einer seit 1912 erhaltenen Laube auch eine Chronologie mit alten Pachtverträgen bewundern.